Buh­ru­fe und Ju­bel für „Don Gio­van­ni“

Lübecker Nachrichten - - KULTUR -

Ham­burg. Lie­be und Tod ge­hö­ren zu­sam­men. Sel­ten wird das so deut­lich wie in Mo­zarts Oper „Don Gio­van­ni“. Des­halb ge­sellt Jan Bos­se in sei­ner Ins­ze­nie­rung an der Staats­oper Ham­burg dem Ti­tel­hel­den ei­nen Be­glei­ter zu, der bei­des in sich ver­eint. Oder ist es ei­ne Be­glei­te­rin? „Amor/tod“heißt das an­dro­gy­ne We­sen, ver­kör­pert von An­ne Mül­ler, es spie­gelt die Lie­bes­wir­ren in kat­zen­haf­ten Be­we­gun­gen oder tanzt Dis­co zu Mo­zart.

Dem Pre­mie­ren­pu­bli­kum war die­se Er­fin­dung mög­li­cher­wei­se zu­viel, je­den­falls muss­te das Re­gie­team am Sonn­tag­abend an­hal­ten­de Buh­ru­fe ein­ste­cken, wäh­rend die mu­si­ka­li­sche Leis­tung be­ju­belt wur­de.

Nächt­li­cher Be­such

Da­bei setzt Bos­ses Re­gie­kon­zept an­sons­ten auf Zu­rück­hal­tung. Die Mu­sik sagt ja schon al­les. We­ni­ge Tak­te nur brau­chen Mo­zart und sein kon­ge­nia­ler Li­bret­tist Lo­ren­zo da Pon­te zu Be­ginn, um die dra­ma­ti­sche Hand­lung der Oper an­zu­le­gen: Don Gio­van­nis nächt­li­chen Über­ra­schungs­be­such bei Don­na An­na, der das Ge­sche­hen in Gang setzt, den Mord am Kom­tur so­wie den Kon­flikt zwi­schen dem Ti­tel­hel­den und sei­nem Die­ner Le­po­rel­lo als im­mer wie­der sehr ko­mi­schen Kon­tra­punkt.

Dass der Re­gis­seur auf die In­tui­ti­on und Prä­senz sei­ner Darstel­ler ver­traut, geht dank des ex­zel­lent be­setz­ten, hoch­mo­ti­vier­ten En­sem­bles voll auf, wenn auch zwi­schen ei­ni­gen Ari­en Still­stand herrscht. Der Ba­ri­ton An­drè Schu­en als Don Gio­van­ni und der Bass­ba­ri­ton Kyle Ke­tel­sen als Le­po­rel­lo sprü­hen Fun­ken beim Spie­len und ste­hen ein­an­der da­bei an Klang­schön­heit und Text­ver­ständ­lich­keit nicht nach. Die So­pra­nis­tin Ju­lia Klei­ter ist ei­ne eher re­si­gnier­te als ent­schlos­se­ne Don­na An­na. Die Stim­me strömt voll Wohl­klang, al­ler­dings ge­neh­migt sie sich ei­ne Rei­he me­tri­scher Frei­hei­ten und bringt die Fein­ab­stim­mung mit dem Orches­ter ins Wa­ckeln. An­na Lu­cia Rich­ter ist ei­ne durch­trie­be­ne Zer­li­na und er­weist sich mit ly­risch leuch­ten­dem, kör­per­rei­chem So­pran und viel Spiel­witz als ein wei­te­res Kraft­zen­trum der Ins­ze­nie­rung.

Ge­le­gent­li­ches Klap­pern

Das Herz die­ser Pro­duk­ti­on schlägt im Gr­a­ben. Der Di­ri­gent Adam Fi­scher lässt das Orches­ter die gan­ze Oper er­zäh­len, so be­herzt und be­seelt packt er zu. Er ent­lockt dem Phil­har­mo­ni­schen Staats­or­ches­ter mal ver­füh­re­ri­schen Schmelz und mal be­ängs­ti­gend fah­le Klän­ge. Die Sän­ger trägt er gleich­sam auf Hän­den. Bis­wei­len dreht sich die gan­ze Stim­mung, nur weil ein Bass­ton plötz­lich ei­ne an­de­re har­mo­ni­sche Fär­bung be­kommt. Bei ei­ner so le­ben­di­gen Mu­si­zi­er­hal­tung ist es zu ver­schmer­zen, dass es zwi­schen Büh­ne und Gr­a­ben ge­le­gent­lich klap­pert.

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