Ab­schied von Jan Fed­der

Be­we­gen­de Trau­er­fei­er für den Schau­spie­ler im Ham­bur­ger Mi­chel

Lübecker Nachrichten - - ERSTE SEITE - Von Ca­ro­la Gro­ße-wil­de

Ham­burg. 28 Jah­re spiel­te er im „Groß­stad­t­re­vier“den Po­li­zis­ten Dirk Mat­t­hies, im Mi­chel ver­neig­te sich die Han­se­stadt vor ih­rem Ham­bur­ger Jung: In ei­ner be­we­gen­den Trau­er­fei­er ha­ben Fa­mi­lie, Freun­de und

Fans ges­tern Ab­schied von Schau­spie­ler Jan Fed­der ge­nom­men. Zum Got­tes­dienst im Mi­chel wa­ren auch vie­le Pro­mi­nen­te ge­kom­men, dar­un­ter Tv­koch Tim Mäl­zer, die Sän­ger Klaus Mei­ne und H.P. Ba­xx­ter, die Schau­spie­ler Uschi Glas, Heinz Ho­enig und Axel Mil­berg. Auch vie­le Kol­le­gen der Fern­seh­se­ri­en „Groß­stad­t­re­vier“, „Neu­es aus Büt­ten­war­der“und aus dem Film „Das Boot“er­wie­sen dem eins­ti­gen Weg­ge­fähr­ten ih­re Eh­re.

Fed­der hat­te sich ei­ne Trau­er­fei­er im Mi­chel ge­wünscht. Hier wur­de er ge­tauft, kon­fir­miert und ge­traut. Am Di­ens­tag wä­re der be­lieb­te Schau­spie­ler, der am 30. De­zem­ber nach lan­ger Krank­heit starb, 65 Jah­re alt ge­wor­den. Nach dem Got­tes­dienst tru­gen Po­li­zis­ten den Sarg zum Lei­chen­wa­gen, der an­schlie­ßend – auch das ein Wunsch des Ver­stor­be­nen – ei­ne Run­de über die Ree­per­bahn dreh­te.

Ham­burg. Der Al­tar­raum ist über und über mit ro­ten Ro­sen ge­schmückt: Auf dem Sarg aus dunk­lem Holz, auf den Krän­zen und so­gar auf dem Bo­den lie­gen Blü­ten­blät­ter – und aus dem Laut­spre­cher klingt „La Pa­lo­ma“. Links und rechts steht je­weils ein Schwarz­weiß-foto von dem Fern­seh­star.

Jan Fed­ders letz­ter Wunsch ist in Er­fül­lung ge­gan­gen: Am Di­ens­tag, dem Tag, an dem er sei­nen 65. Ge­burts­tag ge­fei­ert hät­te, neh­men 2000 Men­schen im Mi­chel Ab­schied von ih­rem Ham­bur­ger Jung. In „sei­ner“Kir­che, in der er ge­tauft und kon­fir­miert wur­de und in der er vor 20 Jah­ren sei­ne Ehe­frau Ma­ri­on ge­hei­ra­tet hat­te.

Und sie sind al­le ge­kom­men: Freun­de wie Tv-koch Tim Mäl­zer und Sän­ger H.P. Ba­xx­ter, Weg­ge­fähr­ten wie die Schau­spie­ler Peter Hein­rich Brix und Axel Mil­berg, die Mo­de­ra­to­ren Rein­hold Beck­mann und Jörg Pilawa. Na­tür­lich die Kol­le­gen vom „Groß­stad­t­re­vier“, dar­un­ter Till Dem­tro­eder und Ma­ria Ke­ti­ki­dou, die Ard-se­rie, die ihn be­rühmt ge­macht hat und in der er 28 Jah­re lang den Ham­bur­ger Po­li­zis­ten Dirk Mat­t­hies spiel­te. Auch Kol­le­gen der Ndr-se­rie „Neu­es aus Büt­ten­war­der“, in der er den Bau­ern Bra­kel­mann spiel­te, und aus dem Film „Das Boot“er­wei­sen dem eins­ti­gen Kol­le­gen ih­re Eh­re.

Sei­ne Ehe­frau Ma­ri­on Fed­der sitzt in der ers­ten Rei­he, ne­ben ihr sein gu­ter Freund Jörg Paw­lik, Pro­du­zent des „Groß­stadt­re­viers“. Und spä­tes­tens als die Sän­ge­rin Jes­sy Mar­tens „Child in ti­me“von sei­ner Lieb­lings­band Deep Pur­p­le singt, wird klar: Das wird ei­ne Trau­er­fei­er ganz nach sei­nem Ge­schmack – die Mu­sik hat­te Fed­der noch sel­ber aus­ge­sucht. Bei „Kno­ckin on Hea­ven’s Door“rol­len die ers­ten Trä­nen, spä­ter er­klingt die Ham­bur­ger Hym­ne „Tüd­del­band“und am En­de, als der Sarg aus der Kir­che ge­tra­gen wird, singt Jan Fed­der vom Band für sei­ne Ma­ri­on „Ich lie­be Dich – bis in al­le Ewig­keit“.

Haupt­pas­tor Alex­an­der Rö­der lobt Fed­ders „gro­ßes Herz und sei­nen Sinn für Ge­rech­tig­keit“. „Jan Fed­der war in sei­nen Rol­len ge­ra­de dar­um ein Sym­pa­thie­trä­ger, weil er nicht ma­kel­los war und nicht glatt und ge­schlif­fen re­de­te“, sagt Rö­der. Ard-pro­gramm­di­rek­tor Vol­ker Her­res be­tont, kei­ner ha­be das Sankt-pau­li-le­bens­ge­fühl so ver­kör­pert wie Fed­der. Bei all sei­nen Fi­gu­ren ge­he es dar­um, „an­ge­sichts der Wid­rig­kei­ten des Le­bens, den ei­ge­nen Kom­pass zu hal­ten, ihn nach zu jus­tie­ren – oder doch we­nigs­tens zu su­chen“.

Die Kod­der­schnau­ze vom Kiez mit dem Herz am rech­ten Fleck ha­be Men­schen im gan­zen Land er­reicht, sagt der ehe­ma­li­ge NDR-IN­ten­dant Lutz Mar­mor. „Jan Fed­der war ein Ori­gi­nal und ist nicht zu er­set­zen. Jan ge­hört zum NDR wie der

Mi­chel zu Ham­burg, wie Uwe See­ler zum HSV und – ja – wie Dirk Mat­t­hies zum Kiez.“Po­li­zei­prä­si­dent Ralf Mar­tin Mey­er lobt Fed­der für sei­ne Rol­le: „So wün­sche ich mir mei­ne Po­li­zis­ten: Mit Herz für die klei­ne­ren Leu­te, die Schwä­che­ren.“

Fed­ders Ehe­frau Ma­ri­on nimmt mit be­we­gen­den Wor­ten Ab­schied von ih­rem Mann: „Mein ge­lieb­ter Jan, das ist der schwers­te Gang, den ich je ma­chen muss­te. Du warst mei­ne Fa­mi­lie, mein Mann, mein Fels, mein engs­ter Ver­trau­ter, mein al­les“, sagt sie. „Nun muss ich dich auf dei­ne letz­te Rei­se schi­cken, ein­mal noch über die Ree­per­bahn – das hast du dir ge­wünscht – und dann heißt es schla­fen, ei­ne lan­ge, lan­ge Zeit. End­lich Ru­he ha­ben und träu­men von all den schö­nen Din­gen, die du er­lebt hast. Mein ge­lieb­ter Jan, schlaf gut.“Zum Ab­schluss ih­rer Re­de gibt es Ap­plaus.

Auf dem Platz vor dem Mi­chel ver­fol­gen rund 1500 Men­schen auf ei­ner Groß­bild­lein­wand die Trau­er­fei­er. Auch sie klat­schen ge­rührt, als Fed­ders Wit­we zum En­de ih­rer Re­de kommt. Ei­ni­ge wei­nen auch.

Zum Schluss tra­gen sechs Po­li­zis­ten den Sarg nach drau­ßen. In ei­ner schwar­zen Li­mou­si­ne, über und über ge­schmückt mit ro­ten Ro­sen und an­ge­führt von zwei Po­li­zis­ten auf Mo­tor­rä­dern, dreht Jan Fed­der sei­ne letz­te Run­de über die Ree­per­bahn. Vor­bei an der be­rühm­ten Da­vid­wa­che, wo ein Kon­do­lenz­buch aus­liegt, in dem sich weit mehr als 2500 Men­schen in Ge­den­ken an Jan Fed­der, ihr Ham­bur­ger Ori­gi­nal, ver­ewigt ha­ben.

Letz­tes Ge­leit: Der Wa­gen mit Jan Fed­ders Sarg fährt – es­kor­tiert von Mo­tor­rä­dern der Po­li­zei – durch Ham­burg.

Hun­der­te stan­den am Stra­ßen­rand, als Jan Fed­ders letz­ter Wunsch er­füllt wur­de: Noch ein­mal über die Ree­per­bahn.

28 Jah­re spiel­te Jan Fed­der in der Tv-se­rie „Groß­stad­t­re­vier“den Po­li­zis­ten Dirk Mat­t­hies.

FOTOS:DPA

Nach der Trau­er­fei­er lie­gen zahl­rei­che gro­ße Krän­ze im Al­tar­raum des Mi­chel.

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