Lübecker Nachrichten

Druck auf Spahn wird größer

Csu-generalsek­retär: Jetzt muss geliefert werden – Kanzleramt­sminister sieht Urlaub in Gefahr

- Von Carsten Hoffmann

Berlin. Die Kritik an Gesundheit­sminister Jens Spahn (CDU) wächst – auch in der Koalition. Csu-generalsek­retär Markus Blume warf Spahns Ressort Versäumnis­se beim Thema Schnelltes­ts vor. „Tests sind die Brücke bis zum Impfangebo­t für alle. Aber leider sehen wir auch hier wieder: Es wurde zu spät, zu langsam, zu wenig bestellt. Man muss deutlich sagen, es sind wohl Fehler im Bundesgesu­ndheitsmin­isterium passiert. Jetzt muss endlich geliefert werden“, sagte Blume der „Welt“.

Bundesfina­nzminister Olaf Scholz (SPD) forderte mehr Anstrengun­gen bei der Corona-impf- und Testkampag­ne. Der verfügbare Impfstoff müsse überall auch genutzt werden, sagte der Vizekanzle­r und Spdkanzler­kandidat gestern beim digitalen Parteitag der NRW-SPD. Überall müsse das Impfen so gut organisier­t werden, dass die Impfdosen, die jetzt in großen Mengen kämen, auch genutzt würden.

Spahn verteidigt­e die Teststrate­gie der Bundesregi­erung. „Es war nie vereinbart, dass der Bund diese Tests beschafft“, sagte er bei einer digitalen Gesprächsr­unde mit dem rheinland-pfälzische­n Cdu-spitzenkan­didaten Christian Baldauf. „Was vereinbart war, ist, dass wir mithelfen, dass sie zugänglich sind, dass sie verfügbar sind.“Schnelltes­ts seien „mehr als genug verfügbar“, bekräftigt­e er. „Deswegen können wir ab Montag als Bund auch sagen, wir übernehmen die Kosten für einen Bürgertest für jeden, der sich mindestens einmal die Woche testen lassen will.“Die Strukturen dafür würden entstehen.

Kanzleramt­schef Helge Braun (CDU) machte unterdesse­n wenig Hoffnungen auf einen Osterurlau­b und blieb auch mit Blick auf den Sommer vorsichtig. „Ich bin sehr skeptisch, was Reisen an Ostern angeht“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengrup­pe. Für den Sommerurla­ub sei es „ein bisschen kühn, darüber schon zu spekuliere­n“. Braun betonte aber: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir uns im Sommer – wie im vergangene­n Jahr – draußen ziemlich normal bewegen können.“

Gestern begann der Verkauf von Selbsttest­s im Einzelhand­el, den

Auftakt machte Aldi. Die

Selbsttest­s waren aber vielerorts innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Die große Nachfrage habe „in dieser Intensität doch überrascht“, teilten Aldi Süd und Aldi Nord mit.

Kritik an der Teststrate­gie der Regierung kam auch von der FDP. „Ich bin heute wirklich fast vom Stuhl gefallen, als die Bundesregi­erung jetzt ihren Gipfel abgesagt hat mit den Bundes-wirtschaft­sverbänden. Die jetzt darüber auch sehr fassungslo­s sind, dass Aldi und einige andere – Lidl, DM, Rossmann – die Schnelltes­ts zur Verfügung stellen können, der Bund aber nicht“, sagte FDP-VIZE Wolfgang Kubicki. „Das ist wirklich ein Treppenwit­z der Geschichte.“

Die Gesundheit­sämter in Deutschlan­d meldeten dem Robertkoch-institut (RKI) binnen eines Tages 9557 Corona-neuinfekti­onen. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 300 neue Todesfälle verzeichne­t. Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 9762 Neuinfekti­onen und 369 neue Todesfälle verzeichne­t. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfekti­onen pro 100 000 Einwohner (Sieben-tage-inzidenz) lag laut RKI gestern Morgen bundesweit bei 65,6 – und damit im Vergleich zum Vortag (65,4) und zum Sonnabend voriger

Woche (63,8) noch etwas höher. Nach einer Umfrage der „Frankfurte­r Allgemeine­n Zeitung“unter den Gesundheit­sund Sozialmini­sterien der Bundesländ­er sind bisher mindestens 29 000 an Corona erkrankte Heimbewohn­er gestorben, etwa 40 Prozent der insgesamt an oder mit der Viruserkra­nkung Gestorbene­n. Nicht alle Bundesländ­er weisen demnach aus, wie hoch der Anteil an allen Corona-verstorben­en ist. Doch bei denen, die es tun, seien die Zahlen teilweise hoch, so die Zeitung. Sie reichten von 25 Prozent in Sachsen und 29 Prozent in Sachsen-anhalt über 35 Prozent in Niedersach­sen, 39 Prozent in Baden-württember­g und 40 Prozent in Nordrhein-westfalen bis hin zu 47 Prozent im Saarland, 54 Prozent in Bayern und 60 Prozent in Hamburg.

Nordrhein-westfalen nimmt kurzfristi­g schwerkran­ke Covid-19-patienten aus der Slowakei auf. Gestern wurden am Flughafen Dortmund die ersten beiden erwartet. Insgesamt hat NRW der Slowakei zehn Plätze zur Behandlung von Covid-19-patienten angeboten. Bezogen auf die Bevölkerun­gszahl hat das Land mittlerwei­le die höchste Zahl an Coronatote­n weltweit, und die Zahl der Neuinfekti­onen stieg zuletzt weiter.

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FOTO: IMAGO Bundesgesu­ndheitsmin­ister Jens Spahn.

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