Töd­li­ches Kam­mer­flim­mern

Zwei Frau­en spen­den Stü­cke­ner Feu­er­wehr De­fi­bril­la­tor – 2016 hat­ten sie oh­ne Hilfs­ge­rät ver­ge­bens ver­sucht, ei­nen Mann zu ret­ten

Märkische Allgemeine - - POTSDAM-MITTELMARK - Von Jens Ste­g­lich

Stü­cken. Ein Fuß­bal­ler läuft über das Spiel­feld, lä­chelt und fällt Se­kun­den spä­ter um und stirbt. „Wenn das Herz an­fängt zu flim­mern, bricht Cha­os aus, das meist nur noch durch ei­nen Elek­tro­schock be­en­det wer­den kann“, er­klärt Pro­fes­sor Micha­el Oeff, der lang­jäh­ri­ge Chef­kar­dio­lo­ge des Kli­ni­kums Bran­den­burg. Das Kam­mer­flim­mern, wie es im Fach­jar­gon heißt, hört nicht von al­lein auf. Unbehandel­t führt es zum Tod, weil der Kreis­lauf still­steht und das Ge­hirn nicht mehr ver­sorgt wird. Sechs bis zehn Mi­nu­ten blei­ben, um den Men­schen zu ret­ten, so Oeff. Der frü­he­re Chef­arzt war jetzt im klei­nen Dorf Stü­cken zu Gast, zeig­te ei­nen Film über die Tra­gö­die auf dem Fuß­ball­feld und er­klär­te ein Ge­rät, das mög­li­cher­wei­se den Tod des Sport­lers ver­hin­dert hät­te. Der De­fi­bril­la­tor, von dem die Re­de ist, kann hel­fen – den Be­trof­fe­nen und den Hel­fern, die vor Ein­tref­fen des Not­arz­tes auf sich al­lein ge­stellt sind. „Mit ei­nem De­fi­bril­la­tor kön­nen auch Lai­en ei­ne Herz­rhyth­mus­stö­rung be­en­den, die sonst zum Tod füh­ren wür­de“, sagt die Stü­cke­ne­rin Cris­ti­na Pe­rin­cio­li. Ihr und ih­rer Part­ne­rin Cil­lie Rent­meis­ter ist es zu ver­dan­ken, dass es ei­nen De­fi, wie das Ge­rät in Kurz­form ge­nannt wird, nun auch in Stü­cken gibt. Die bei­den Frau­en spen­de­ten der frei­wil­li­gen Feu­er­wehr das Ge­rät und hol­ten zur Ein­wei­sung Micha­el Oeff ins Dorf, mit dem Cil­lie Rent­meis­ter einst in Ber­lin zur Schu­le ging.

Vor ih­rer Spen­de hat­ten Cris­ti­na Pe­rin­cio­li und Cil­lie Rent­meis­ter selbst er­fah­ren, wie schnell der Tod in das ei­ge­ne Le­ben tre­ten kann. In Stü­cken starb im ver­gan­ge­nen Jahr ein Mann vor ih­ren Au­gen den Herz­tod. Die bei­den Frau­en ver­such­ten 20Mi­nu­ten lang, ihn mit Han­druck­mas­sa­gen ins Le­ben zu­rück­zu­ho­len – ver­ge­bens. Auch der spä­ter ein­tref­fen­de Not­arzt konn­te nichts mehr tun. Ob in den ers­ten Mi­nu­ten ein De­fi­bril­la­tor den Tod hät­te ver­hin­dern kön­nen, bleibt Spe­ku­la­ti­on. Fest steht:Im länd­li­chen Raum ist Herz­flim­mern noch ge­fähr­li­cher, weil die nächs­ten Ret­tungs­stel­len wei­ter ent­fernt sind und des­halb mit­un­ter die Hilfs­fris­ten nicht ein­ge­hal­ten wer­den. Laut Deut­scher Herz­stif­tung ster­ben in Bran­den­burg 98 von 100000 Bür­gern an plötz­li­chem Herz­tod – in Ber­lin sind es nur 48.

„Wir möch­ten an­de­re Dör­fer und Spen­der zur Nach­ah­mung an­re­gen“, sagt Cris­ti­na Pe­rin­cio­li. 1600 Eu­ro kos­tet ein De­fi­bril­la­tor. „Es ist mach­bar und kann Le­ben ret­ten“, sagt sie: „Micha­el Oeff hat uns an­ge­steckt mit sei­ner Initia­ti­ve ,Ge­sund in Bran­den­burg’, die der Land­be­völ­ke­rung Zu­gang zu De­fis ver­schafft.“Der Ver­ein spen­de­te in und um Bran­den­burg schon 36 De­fis. Ein Ge­rät gibt es et­wa im Sport­zen­trum Wust. Dort war zu­vor ein Frei­zeit­sport­ler an Herz­flim­mern ge­stor­ben. Als vor zehn Jah­ren im Beetz­see-Cen­ter ein Mann an der Kas­se um­kipp­te, war ein De­fi griff­be­reit. Die MAZ schrieb: „Erst­hel­fer und ein De­fi­bril­la­tor ret­ten Rent­ner“.

FO­TO: JST

Üpergmpe des klei­nen Ge­rä­tes, dms Le­pen ret­ten kmnn: In Stü­cken ist jetzt ein De­fi­prill­m­tor griff­pe­reit, um den plötz­li­chen Herz­tod zu ver­hin­dern.

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