Land oh­ne Ei­gen­schaf­ten

Bran­den­burg er­scheint vie­len Deut­schen als „wei­ßes Blatt“, so das Er­geb­nis ei­ner Um­fra­ge im Auf­trag der Staats­kanz­lei – die wich­tigs­ten Er­geb­nis­se und Kon­se­quen­zen im Über­blick

Märkische Allgemeine - - LAND&LEUTE - Von Tors­ten Gell­ner

Pots­DAm. Bo­den­stän­dig, freund­lich, ent­spannt, ver­läss­lich und auf­rich­tig – die­se Ei­gen­schaf­ten wer­den den Bran­den­bur­gern zu­ge­schrie­ben. Aber auch: We­ni­ger to­le­rant, we­ni­ger fort­schritt­lich, we­ni­ger span­nend. So steht es in der Stu­die über das Er­schei­nungs­bild der Bran­den­bur­ger und ih­rer Hei­mat.

Was steckt hin­ter der Stu­die?

Bran­den­burg hat an­ders als an­de­re Län­der we­nig Geld für Au­ßen­mar­ke­ting in die Hand ge­nom­men. Das soll sich än­dern. Bis 2020 will die Staats­kanz­lei 3,5 Mil­lio­nen Eu­ro in­ves­tie­ren, um das Pro­fil der Mark zu schär­fen. Grund­la­ge soll die ges­tern ver­öf­fent­lich­te Stu­die sein. Sie wur­de für 100 000 Eu­ro an die Bochu­mer Agen­tur ComX ver­ge­ben. Sie be­frag­te da­für über 1800 Men­schen.

Mit wel­chen Sei­ten kann Bran­den­burg punk­ten?

Als Ur­laubs­re­gi­on ist die Mark po­pu­lär. Hier kann sich das Land mit sei­nem Was­ser­reich­tum, dem kul­tu­rel­len Er­be, aber auch durch die Nä­he zu Ber­lin pro­fi­lie­ren. Letz­te­res ist über­haupt ein zen­tra­les Ar­gu­ment bei je­nen, die mit Bran­den­burg Po­si­ti­ves ver­bin­den: Rund zwei Drit­tel der Be­frag­ten be­grün­den ihr gu­tes Bran­den­burg-Bild mit der Ber­lin-Nä­he. Po­si­tiv be­wer­tet von ei­nem Drit­tel wird die ho­he Le­bens­qua­li­tät. Un­ter den Ost­deut­schen schät­zen ein Vier­tel der Be­frag­ten das Ki­ta- und Be­treu­ungs­an­ge­bot als gut ein.

Wo lie­gen die Schwä­chen?

Nur we­ni­ge Deut­sche se­hen in Bran­den­burg ei­nen at­trak­ti­ven Zu­zugs­ort. Selbst die Ber­li­ner, die es ja rei­hen­wei­se ins Um­land zieht, sind teil­wei­se skep­tisch. Ins­ge­samt wer­den die Be­zie­hun­gen zwi­schen den Ber­li­nern und Bran­den­bur­gern als po­si­tiv und ge­winn­brin­gend ein­ge­schätzt. Gleich­wohl gilt das Ver­hält­nis nicht als span­nungs­frei. Ber­li­ner den­ken, so heißt es in der Stu­die, „dass Zu­zie­hen­de aus Ber­lin in Bran­den­burg nur be­dingt will­kom­men sind“– ei­ne Ein­schät­zung, die auch von ei­ni­gen Bran­den­bur­gern selbst ge­teilt wird. Aus­wär­ti­ge hal­ten die Mär­ker für we­ni­ger fort­schritt­lich, to­le­rant oder op­ti­mis­tisch. In der Ge­samt­schau er­scheint Bran­den­burg aber als Land oh­ne Ei­gen­schaf­ten, als pro­fil­los oder „wei­ßes Blatt“. Dies, so schrei­ben die For­scher, hat aber we­ni­ger mit ei­ner fun­dier­ten Ein­schät­zung zu tun als viel­mehr da­mit, dass Bran­den­burg so un­be­kannt ist. Wer die Mark kennt, schätzt sie deut­lich po­si­ti­ver ein, so das Fa­zit.

Was sa­gen die Bran­den­bur­ger selbst über ih­re Hei­mat?

In vie­len Punk­ten be­ur­tei­len die Mär­ker ih­re Hei­mat po­si­ti­ver als Aus­wär­ti­ge – al­ler­dings oh­ne ro­sa­ro­te Bril­le. So schät­zen nur ein Drit­tel der Be­frag­ten die Ver­sor­gungs­in­fra­struk­tur (et­wa Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten) oder die Ver­sor­gung mit schnel­lem In­ter­net als gut bis sehr gut ein. Fins­ter sind in ih­rer Wahr­neh­mung die Kar­rie­re­mög­lich­kei­ten, die nur 19 Pro­zent po­si­tiv be­ur­tei­len. Plus­punk­te kann die Mark un­ter Mär­kern in den Be­rei­chen Na­tur, be­zahl­ba­rer Wohn­raum, Se­en­viel­falt und Nä­he zur Me­tro­po­le Ber­lin sam­meln.

Wie be­ur­teilt die Wirtschaft das Le­ben in Bran­den­burg?

Bei der Wirtschaft kann die Mark durch­aus punk­ten. 97 Pro­zent der hei­mi­schen Un­ter­neh­mer se­hen in der Ber­lin-Nä­he ein schla­gen­des Ar­gu­ment, 73 Pro­zent lo­ben die Ver­kehrs­an­bin­dun­gen, 70 Pro­zent die Ver­füg­bar­keit von qua­li­fi­zier­tem Per­so­nal. Selbst schnel­les In­ter­net schät­zen 57 Pro­zent als gut ein. Aber auch hier zeigt sich: Aus­wär­ti­ge Un­ter­neh­mer se­hen vie­les durch­weg kri­ti­scher. So hal­ten nur 10 Pro­zent die In­ter­net­ver­sor­gung für gut.

Wie kann man das An­se­hen Bran­den­burgs ver­bes­sern?

Da­zu tref­fen die For­scher nur in­di­rekt Aus­sa­gen, es war auch nicht ihr Auf­trag. In der Staats­kanz­lei-Ab­tei­lung für das Lan­des­mar­ke­ting soll die Um­fra­ge nun die Grund­la­ge ei­ner PR-Ak­ti­on sein. Die Kam­pa­gne soll das Pro­fil des Lan­des schär­fen, so­dass es nicht mehr als „Land oh­ne Ei­gen­schaf­ten“wahr­ge­nom­men wird. Denn je mehr die Be­frag­ten über Bran­den­burg wis­sen, des­to po­si­ti­ver se­hen sie das Land.

FO­TO: DPA

Idyl­li­sche Na­tur und viel Was­ser prä­gen das Bild Bran­den­burgs. Doch viel mehr – au­ßer noch der Nä­he zu Ber­lin – fällt Aus­wär­ti­gen zur Mark nicht ein.

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