Film­rei­fes Ju­bi­lä­um

Der Film­park Ba­bels­berg wird 25 – und fei­ert das mit ei­nem gro­ßen Fa­mi­li­en­fest. Fürs nächs­te Jahr ar­bei­tet das Team an ei­nem neu­en Kon­zept.

Märkische Allgemeine - - ERSTE SEITE - Von Rai­ner Schü­ler

Ba­bels­berg. Auch zum 25. Ge­burts­tag des Film­parks Ba­bels­berg sieht Ge­schäfts­füh­rer Fried­helm Schatz kei­nen Grund, das Kon­zept zu än­dern. „Die Leu­te wol­len wie­der stär­ker das An­fass­ba­re, An­schau­li­che ha­ben“, sagt er: „In der im­mer hek­ti­sche­ren Welt der Un­ter­hal­tung su­chen sie Ru­he und wol­len in­ne­hal­ten. Das bie­ten wir.“Hier ge­be es Ku­lis­sen zum Be­trach­ten und An­fas­sen: „Al­le klop­fen an die Lok aus Lum­mer­land: Ist das Blech oder Plas­tik? Wir wol­len das so.“Das wird man auch am Sonn­tag er­le­ben, wenn zur Ju­bi­lä­ums­fei­er 1419 Kin­der kos­ten­frei in den Film­park kom­men, de­ren Fa­mi­li­en sich das sonst nicht leis­ten kön­nen.

Heut­zu­ta­ge hal­te sich kaum ein Film noch vier Wo­chen in den Ki­nos, be­dau­ert der Ac­tion- und Sci­en­ceFic­tion-Fan Schatz; dann ge­be es DVD’s und manch­mal Fan-Pro­duk­te, schließ­lich gar nichts mehr. „Die Pro­du­zen­ten er­ken­nen aber, dass die Auf­stel­lung ih­rer Ku­lis­sen, wie wir sie ma­chen, ei­ne Nach­ver­wer­tung ist und Geld bringt.“Oft be­kom­me man Film­aus­stat­tun­gen ge­schenkt oder kön­ne sie güns­tig kau­fen.

Wir sind wirt­schaft­lich sta­bil und ha­ben kei­ne Schul­den. Fried­helm Schatz, Ge­schäfts­füh­rer

In den Film­park kom­me das aber nur, wenn es zu tun hat mit Dreh­ar­bei­ten in Pots­dam. „Das un­ter­schei­det uns von Uni­ver­sal in Ame­ri­ka, von der Mo­vie-World in Bot­trop, von Ba­va­ria in Mün­chen.“

Der baum­gro­ße Mann mit der schul­ter­lan­gen Lo­cken­mäh­ne, den vie­le High­lan­der nen­nen, ist in­zwi­schen so ver­wach­sen mit dem Film­park, dass er trotz Ren­ten­be­schei­des nicht auf­hört: „Nie­mals“, schwört der 66-Jäh­ri­ge: „Ich ma­che das, bis der Kör­per nicht mehr will.“Dem Film­park pro­phe­zeit er „noch­mal 25 Jah­re – min­des­tens“. Da­ran än­dern auch sei­ne hoch­flie­gen­den Bau­plä­ne rings um den eher be­schau­li­chen Frei­zeit­park nichts. 250 000 Qua­drat­me­ter Nutz­flä­che will er mit Part­nern schaf­fen, dar­un­ter 800 Woh­nun­gen, die an der Groß­bee­ren­stra­ße so­zi­al und preis­wert sein sol­len. „Das ist mein An­spruch“, sagt er: „Und wenn ich es sa­ge, ma­che ich es auch.“Ge­wer­be­blö­cke, Ei­gen­tums­woh­nun­gen, ein Ho­tel und ei­ne Grund­schu­le kom­men da­zu; ei­ne hal­be Mil­li­ar­de Eu­ro soll das kos­ten. An­ders als bei al­len Film­park-In­ves­ti­tio­nen kommt das al­ler­dings nicht aus dem ei­ge­nen Etat.

„Die Film­par­k­an­schaf­fun­gen und -bau­ten kön­nen wir selbst be­zah­len“, ver­si­chert Schatz: „Wir sind wirt­schaft­lich sta­bil und ha­ben kei­ne Schul­den. Das ist bei an­de­ren Frei­zeit- und Film­parks an­ders. “Er will kei­ne kost­spie­li­gen Ex­pe­ri­men­te wie Ach­ter­bah­nen oder Free­fal­lFahr­ge­schäf­te, die 30 bis 40 Mil­lio­nen Eu­ro das Stück kos­ten. „Man müss­te Kre­di­te da­für auf­neh­men“, sagt Schatz: „Ich will so­was nicht. Das hat nichts mit dem Film­stand­ort zu tun und wür­de nie ge­neh­migt.“Rings­um lä­gen Woh­nun­gen, Bil­dungs­ein­rich­tun­gen, Un­ter­neh­men der TV- und Film­wirt­schaft - Rum­me­lat­t­rak­tio­nen gel­ten für die­sen in­ner­städ­ti­schen Stand­ort als un­zu­mut­bar.

Al­so bleibt er beim be­währ­ten Mix, bei Be­su­cher­zah­len um die 35 0000 – „Ich hät­te na­tür­lich ger­ne mehr“–, beim Aus­tausch von Ku­lis­sen, bei der Er­neue­rung von Shows. 25 Pro­zent der Be­su­cher kom­men wie­der, 75 Pro­zent aber sind neu. Die Stamm­gäs­te könn­ten Ja­noschs Pa­na­ma und die Ti­ger­en­te, den Sand­mann, die Ku­lis­se des Klei­nen Muck oder die Gru­sel­häu­ser mit der Zeit alt­ba­cken fin­den, gibt er zu, aber der Rest se­he das zum ers­ten Mal. „Auch Uni­ver­sal hat Klas­si­ker, die seit 40 Jah­ren lau­fen.“

Die im­mer wie­der ver­än­der­te St­unt-Show im Vul­kan ist un­an­ge­foch­ten der Pu­bli­kums­ma­gnet, ge­folgt von der Show der Mus­ke­tie­re nach dem Ki­no­film von 2011 so­wie die häu­fig er­neu­er­te Film­tier-Show; des­halb wird an

die­sen Pro­gramm­punk­ten auch nicht ge­rüt­telt. Die Lum­mer­lan­dKu­lis­se dürf­te sich den Dau­er­bren­ner­sta­tus auch er­kämp­fen; sie hat im­mer­hin rund ei­ne Mil­li­on Eu­ro ge­kos­tet. Und auch der Sand­mann, den ei­gent­lich nur ge­lern­te Os­sis wirk­lich ken­nen, bleibt: „Der hat Wohn­recht auf Le­bens­zeit bei mir“, sagt Schatz und meint sich selbst.

Über­haupt ist er selbst der Maß­stab der meis­ten Din­ge im Park: Eher als nach Markt­ana­ly­sen ent­schei­det Schatz nach Bauch­ge­fühl. Im Ge­gen­satz zu sei­nen Bau­plä­nen rings um den Park, ist im Par­kUn­ter­neh­men Be­schei­den­heit an­ge­sagt. Das Ma­nage­ment haust noch im­mer in ei­nem her­un­ter­ge­kom­me­nen Leicht­bau aus „fins­te­ren“DDR-Zei­ten und will es gar nicht an­ders. „Der Film­park ist un­ser Wohn­zim­mer“, wird Schatz in den sub­kul­tu­rell wir­ken­den Schum­mer­licht-Flu­ren gern zi­tiert: „Das hier ist die Be­sen­kam­mer. Hier wird ge­ar­bei­tet.“

Hier tüf­telt ein jun­ges Team an der Neu­aus­rich­tung für 2019 und da­nach. „Dreht mal al­le St­ei­ne um, ha­be ich de­nen ge­sagt“, sagt Schatz: „Ich hal­te mich da raus. En­de Au­gust weiß ich mehr.“

FO­TO: JU­LI­AN STÄHLE

FO­TOS: BERND GARTENSCHLÄGER

Fried­helm Schatz an sei­nem Lieb­lings­ort im Vul­kan. Sein zweit­liebs­ter Ort im Park ist die Ku­lis­se des Klei­nen Muck.

13. April 2017: Die Lum­mer­land-Ku­lis­se wird er­öff­net. An Bord der Lok Em­ma auch Schatz und Ober­bür­ger­meis­ter Jann Ja­kobs (v.l.).

FO­TO: FILM­PARK

In ei­ner Ori­gi­nal­ku­lis­se der „Drei Mus­ke­tie­re“von 2011 fin­den Fecht-Shows und ge­stell­te Dreh­ar­bei­ten statt.

FO­TO: J. STÄHLE

Im­mer wie­der sehr be­liebt: das Mons­ter­cas­ting.

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