Von der Kunst des ge­glück­ten Ab­gangs

Märkische Allgemeine - - POLITIK -

Wie tritt man von der gro­ßen po­li­ti­schen Büh­ne ab, oh­ne selbst Scha­den zu neh­men? An­ge­la Mer­kel wird sich in ih­rem zu En­de ge­hen­den Ur­laub in die­sem Jahr auch dar­über ih­re Ge­dan­ken ge­macht ha­ben. Man­ches denkt sich ja leich­ter und kon­se­quen­ter zu En­de, wenn der ehe­li­che Part­ner nicht stän­dig um ei­nen her­um ist. In der Sa­che ler­nen könn­ten all die als al­ter­na­tiv­los und un­ver­zicht­bar gel­ten­den Spit­zen­po­li­ti­ker vom zwei­ten po­li­ti­schen Mann im Staa­te, von Bun­des­tags­prä­si­dent Wolf­gang Schäu­b­le. Der ist „nur noch“pro­to­kol­la­risch wich­tig, darf sich aber öf­fent­lich dar­über freu­en, dass er als Hoff­nungs­trä­ger, Er­satz­kanz­ler und gro­ße Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­gur bei vie­len Par­tei­leu­ten gilt.

In der letz­ten Le­gis­la­tur­pe­ri­ode war Schäu­b­le noch als Fi­nanz­mi­nis­ter die wich­tigs­te Ka­bi­netts­kraft. Und recht­zei­tig vor der letz­ten Wahl, das ver­rät der 75-Jäh­ri­ge jetzt, hat er nicht ge­war­tet, bis ihm der Job ge­nom­men wur­de. Er ha­be nie mit po­li­ti­schem Rück­tritt ge­droht, son­dern nur vor der Wahl er­klärt, er stün­de da­nach nicht mehr als Deutsch­lands obers­ter Kas­sen­wart zur Ver­fü­gung. „Ich ha­be mei­ne Auf­ga­be als Fi­nanz­mi­nis­ter er­füllt. Ich bin vor der Wahl 75 ge­wor­den. Und ha­be dann aus vie­len Grün­den ge­sagt, es ist ge­nug.“Das sei die Vor­aus­set­zung ge­we­sen, „um dann mei­ne Wunsch­vor­stel­lung zu ver­wirk­li­chen: Wenn man mich für die Auf­ga­be des Bun­des­tags­prä­si­den­ten braucht, wür­de ich das ger­ne ma­chen.“So ist es ge­kom­men, und des­halb kann Schäu­b­le jetzt zu­frie­den sei­nen som­mer­li­chen In­sel­ur­laub ge­nie­ßen und sich dar­über freu­en, ei­ne ge­frag­te Kraft zu sein. Ob An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er in die­sem Jahr, oder bis zur nächs­ten Wahl oder ob sie gar nicht die Nach­fol­ge von Mer­kel als obers­te CDUPo­li­ti­ke­rin an­tre­ten darf, soll oder will, ist zwi­schen den bei­den ge­klärt, aber ex­pli­xit nicht aus­ge­spro­chen. Das ver­si­chern al­le Frau­en und Män­ner hin­ter den bei­den Po­li­ti­ke­rin­nen, die in der Nach­fol­ge­fra­ge aus­kunfts­wil­lig

Die­ter Won­ka über An­ek­do­ten ab­seits des Ber­li­ner Po­li­ti­k­all­tags sind. Die bei­den schei­nen sich gut zu ver­ste­hen, oh­ne dass sie dar­über re­den. Das ist dann Ver­trau­en un­ter Frau­en – so weit ha­ben es ge­wich­ti­ge Män­ner mit der Kanz­le­rin nie ge­bracht. Mit ih­rem ge­dank­li­chen Vor­stoß zur ein­jäh­ri­gen so­zia­len Di­enst­zeit hat AKK im­mer­hin ei­ne not­wen­di­ge Hür­de ge­nom­men, um im Ge­spräch für al­le Fäl­le zu blei­ben. Pflicht und Wer­te aus kon­ser­va­ti­ver Sicht po­si­tiv ins Ge­spräch brin­gen, das ha­ben nicht we­ni­ge in der Uni­on in Mer­kels Zei­ten ver­misst. Und Jun­ge Uni­on, Wirt­schafts­flü­gel und kon­ser­va­ti­ver Kreis hat­ten ge­plant, wäh­rend der Som­mer­zeit von sich aus die­ses The­ma zu set­zen, auch als in­di­rek­te Atta­cke auf die ur­lau­ben­de Vor­sit­zen­de. Jetzt ist die Di­enst­pflicht-De­bat­te mit der Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin ver­bun­den. De­bat­te be­deu­tet Be­schäf­ti­gung, und sie ver­langt – aus Mer­kels Sicht und aus der von Kramp-Kar­ren­bau­er – kei­ne ei­ge­ne Fest­le­gung. Ge­nau das hat in der Di­enst­zeit-De­bat­te auch AKK bis­her ver­mie­den. Es könn­te sein, dass die­je­ni­gen recht ha­ben, die mei­nen, die ei­ne set­ze die Po­li­tik der an­de­ren naht­los fort. Ei­gent­lich hät­te die Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin ja auch mal zei­gen kön­nen, was sie ge­dank­lich von der Che­fin un­ter­schei­det.

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