Wie­der frei

Weiß­rus­si­sche Be­hör­den nah­men in die­ser Wo­che Jour­na­lis­ten we­gen ver­meint­li­chen In­fo­raubs fest. Ges­tern ka­men sie wie­der auf frei­en Fuß.

Märkische Allgemeine - - MEDIEN / WETTER - Von Tho­mas Koerbel und Jür­gen Prause

Minsk. Es gab ges­tern erst kurz vor 17 Uhr ein end­gül­ti­ges Au­f­at­men. Dann war klar, dass auch die letz­ten bei­den im au­to­ri­tär ge­führ­ten Weiß­russ­land fest­ge­nom­me­nen Jour­na­lis­ten auf frei­em Fuß sind. Auch Paul­juk By­kow­ski, ein Re­por­ter der Deut­schen Wel­le (DW) wur­de am Frei­tag­nach­mit­tag in Minsk nach ei­ner Be­fra­gung durch Er­mitt­ler ent­las­sen, wie die un­ab­hän­gi­ge Agen­tur Bela­pan mel­de­te.

By­kow­ski sag­te in ei­nem ers­ten State­ment, er kön­ne sich nicht über Druck durch die Er­mitt­ler be­kla­gen. Die Chef­re­dak­teu­rin von Bela­pan, Iri­na Lewschi­na, wur­de nach ei­ner gut zwei­stün­di­gen Ver­neh­mung eben­falls frei­ge­las­sen. Die an­de­ren Jour­na­lis­ten wa­ren be­reits zu­vor wie­der auf frei­em Fuß.

Be­hör­den hat­ten seit Di­ens­tag meh­re­re Jour­na­lis­ten ab­ge­führt und ver­hört. Ih­nen wur­de vor­ge­wor­fen, in Com­pu­ter­sys­te­me der staat­li­chen Agen­tur Bel­TA ein­ge­drun­gen zu sein und kos­ten­los In­for­ma­tio­nen ab­ge­schöpft zu ha­ben. Von 15 000 il­le­ga­len Zu­grif­fen war die Re­de. Bei ei­ner Ver­ur­tei­lung hät­ten den Be­tref­fen­den bis zu zwei Jah­ren Ge­fäng­nis ge­droht.

By­kow­ski, Kor­re­spon­dent für die rus­sisch­spra­chi­ge DW-Re­dak­ti­on, hat­te am Mitt­woch­mor­gen über Face­book und Twit­ter mit­ge­teilt: „Das Er­mitt­lungs­ko­mi­tee ist zu mir ge­kom­men.“Kurz dar­auf ha­be sei­ne Frau die Durch­su­chung be­stä­tigt, er­klär­te der Sen­der.

Die Staats­an­walt­schaft ha­be ei­nen Durch­su­chungs­be­fehl vor­ge­legt und By­kow­ski ge­gen­über deut­lich ge­macht, ihn „als Zeu­gen“mit­zu­neh­men. Es sei­en Com­pu­ter, Ta­blets, Te­le­fo­ne und Bank­kar­ten bei der rund zwei­stün­di­gen Ak­ti­on be­schlag­nahmt wor­den.

Die Deut­sche Wel­le hat­te um­ge­hend Pro­test beim Bot­schaf­ter der Re­pu­blik Weiß­russ­land in Ber­lin ein­ge­legt. Zu­dem hät­te man den Bot­schaf­ter dar­auf hin­ge­wie­sen, dass man rechts­staat­li­ches Vor­ge­hen ge­gen­über ak­kre­di­tier­ten Jour­na­lis­ten er­war­te. Der Deut­sche Jour­na­lis­ten-Ver­band (DJV) hat­te an die weiß­rus­si­schen Be­hör­den ap­pel­liert, By­kow­ski un­ver­züg­lich frei­zu­las­sen. Das Aus­wär­ti­ge Amt hat­te am Mitt­woch er­klärt, die Bun­des­re­gie­rung ha­be in dem Fall ge­gen­über Weiß­russ­land ein „ver­hält­nis­mä­ßi­ges Vor­ge­hen“an­ge­mahnt.

Ei­ni­ger Druck wur­de auf­ge­baut: Die so­for­ti­ge Frei­las­sung By­kow­skis hat­te auch die kul­tur- und me­di­en­po­li­ti­sche Spre­che­rin der CDU/ CSU-Bun­des­tags­frak­ti­on, Eli­sa­beth Mot­sch­mann (CDU) ge­for­dert. By­kow­skis Ver­haf­tung ver­sto­ße ge­gen die Pres­se­frei­heit. Die an­ge­ge­be­nen Grün­de sei­en fa­den­schei­nig und un­ver­hält­nis­mä­ßig, hat­te Mot­sch­mann in Ber­lin kund­ge­tan.

„Weiß­russ­land muss die Me­die­n­und Mei­nungs­frei­heit ach­ten“, for­der­te die CDU-Me­di­en­ex­per­tin. „Der weiß­rus­si­sche Prä­si­dent Alex­an­der Lu­ka­schen­ko ent­fernt sich und sein Land im­mer wei­ter von Eu­ro­pa. Pres­se­frei­heit und die Un­ab­hän­gig­keit der Jus­tiz sind un­ver­hat äu­ßer­li­che Wer­te. Sie ge­hö­ren zu den Gr­und­fes­ten ei­ner frei­en Ge­sell­schaft.“

Der weiß­rus­si­sche Men­schen­rechts­ak­ti­vist Alex Bjal­jaz­ki sag­te, mit den Fest­nah­men woll­ten die Be­hör­den die Kon­trol­le über On­li­ne­me­di­en er­lan­gen. „Die Re­gie­rung be­schlos­sen, vol­le Kon­trol­le über das In­ter­net zu be­kom­men“, er­klär­te er. Im Ge­spräch mit der DW sag­te By­kow­skis Frau, sie glau­be, es han­de­le sich bei dem ge­sam­ten Vor­gang um ei­nen ge­ziel­ten, po­li­tisch mo­ti­vier­ten An­griff auf un­ab­hän­gi­ge Jour­na­lis­ten. Ihr Mann ha­be sich für den kos­ten­pflich­ti­gen Zu­gang zu Bel­TA gar nicht in­ter­es­siert, da die Mel­dun­gen oh­ne­hin of­fen zu­gäng­lich sei­en.

Die frü­he­re So­wjet­re­pu­blik Weiß­russ­land liegt zwi­schen Russ­land und Po­len. Seit 24 Jah­ren wird sie von Prä­si­dent Alex­an­der Lu­ka­schen­ko au­to­ri­tär re­giert. Auf der Rang­lis­te der Pres­se­frei­heit von Re­por­ter oh­ne Gren­zen liegt Weiß­russ­land auf Platz 155 von ins­ge­samt 180 Län­dern. 2017 wur­den dort dem­nach min­des­tens 100 Jour­na­lis­ten kurz­zei­tig fest­ge­nom­men und mehr als 60 ver­ur­teilt, weil sie für Me­di­en mit Sitz im Aus­land ar­bei­te­ten.

FO­TO: IMAGO STOCK&PEOP­LE

Auch fünf ih­rer Jour­na­lis­ten wa­ren fest­ge­nom­men wor­den: Die Re­dak­ti­on der Nach­rich­ten­web­site tut.by in der weiß­rus­si­schen Haupt­stadt Minsk.

FO­TO: PAU­LY­UK­BYK/TWIT­TER

Zu­rück in der Frei­heit: Paul­juk By­kow­ski.

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