59 Mil­li­ar­den und kein En­de in Sicht

Die Fi­nanz­kri­se hat die Steu­er­zah­ler mas­siv be­las­tet – die Sum­men könn­ten noch stei­gen

Märkische Allgemeine - - BLICKPUNKT - Von Andre­as Nies­mann

Ber­lin. 3000 Eu­ro: So viel hat die Fi­nanz­kri­se ei­ne vier­köp­fi­ge Fa­mi­lie in Deutsch­land ge­kos­tet – das hat der Grü­nen-Fi­nanz­ex­per­te Ger­hard Schick jetzt aus­ge­rech­net. Zehn Jah­re nach der Leh­man-Plei­te hat Schick bei der Bun­des­re­gie­rung die letz­ten Zahlen zur Fi­nanz­kri­se ab­ge­fragt. Die Ta­bel­le, die ihm das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um dar­auf­hin zu­ge­schickt hat, lässt auch ge­wief­te Rech­ner schwind­lig wer­den.

Die Ge­samt­kos­ten der Kri­se für den deut­schen Steu­er­zah­ler be­lau­fen sich dem­nach auf 59 Mil­li­ar­den Eu­ro, je­weils hälf­tig ge­tra­gen von Bund und Län­dern. Das Geld floss in Form von Ga­ran­ti­en, Kre­di­ten und Ka­pi­tal­sprit­zen an die tau­meln­den Ban­ken – und es ist de­fi­ni­tiv weg. Die Sum­me könn­te noch deut­lich wach­sen, falls wei­te­re Kre­di­te aus­fal­len oder Ga­ran­ti­en fäl­lig wer­den. Ins­ge­samt ste­hen 68 Mil­li­ar­den Eu­ro auf dem Spiel.

Am teu­ers­ten war die Ab­wick­lung der Hy­po Re­al Esta­te (HRE) aus Mün­chen: Fast 20 Mil­li­ar­den Eu­ro muss­te der Fis­kus am En­de ab­schrei­ben. Ge­mes­sen an den Ga­ran­ti­en und Bürg­schaf­ten, die zwi­schen­zeit­lich bei weit über 100 Mil­li­ar­den Eu­ro la­gen, ist der Staat da­bei al­ler­dings noch gut weg­ge­kom­men.

Auch die Si­che­rung der Deut­schen In­dus­trie­bank (IKB) ist für den Steu­er­zah­ler ein teu­res Un­ter­fan­gen ge­wor­den. Mit dem Düs­sel­dor­fer In­sti­tut, das sich auf In­dus­trie­kun­den spe­zia­li­siert hat­te, war die ame­ri­ka­ni­sche Fi­nanz­kri­se im Som­mer 2007 nach Deutsch­land ge­kom­men – mehr als ein Jahr vor der Leh­man-Plei­te. Über ein Wo­che­n­en­de wa­ren hek­tisch Ret­tungs­pa­ke­te ge­schnürt wor­den, zu Be­ginn be­tei­lig­ten sich auch die üb­ri­gen Ban­ken dar­an. Als es rich­tig teu­er wur­de, stand al­ler­dings nur noch der Steu­er­zah­ler ge­ra­de. Ein Ver­lust von fast 9 Mil­li­ar­den Eu­ro blieb nach dem Ver­kauf der zwi­schen­zeit­lich ver­staat­lich­ten Bank üb­rig.

In der Fol­ge der Fi­nanz­kri­se ge­rie­ten auch die Lan­des­ban­ken rei­hen­wei­se ins Strau­cheln. Vie­le Pro­ble­me bei den staats­ei­ge­nen In­sti­tu­ten wa­ren haus­ge­macht, die Kri­se leg­te al­ler­dings die Schwä­chen der Fi­nanz­häu­ser scho­nungs­los of­fen. Bay­ern­LB, Lan­des­bank Ba­den-Würt­tem­berg (LBBW) und HSH Nord­bank muss­ten mit Mil­li­ar­den­zu­schüs­sen ge­ret­tet wer­den. Letz­te­re wur­de in­zwi­schen nach jah­re­lan­gem Streit pri­va­ti­siert. Die eben­falls kri­seln­de Sach­sen­LB wur­de mit der LBBW ver­schmol­zen.

Am här­tes­ten war der Ein­schnitt in Düsseldorf, wo die ehe­mals stol­ze nord­rhein­west­fä­li­sche Lan­des­bank West­LB voll­stän­dig un­ter­ging. Ih­re Auf­lö­sung kos­te­te den Steu­er­zah­ler be­reits jetzt mehr als 6 Mil­li­ar­den Eu­ro. Die Sum­me könn­te sich noch ein­mal ver­dop­peln, denn die Ab­wick­lung ist noch lan­ge nicht ab­ge­schlos­sen. Por­ti­gon heißt das Nach­fol­geinsti­tut, das sich nun um den Ver­kauf und die Ab­wick­lung des Wert­pa­pier­port­fo­li­os küm­mert. Es ist ei­ne von ei­ner gan­zen Rei­he so­ge­nann­ter Bad Banks, in die fau­le Kre­di­te und to­xi­sche Wert­pa­pie­re der Kri­sen­ban­ken über­tra­gen wor­den sind.

Auch die Ret­tung der Com­merz­bank ver­schlang Mil­li­ar­den, an­ders als bei den Lan­des­ban­ken be­steht aber noch Hoff­nung, dass der Staat zu­min­dest ei­nen Teil sei­ner Fi­nanz­sprit­zen zu­rück­be­kommt. 15 Pro­zent der Com­merz­bank-Ak­ti­en hält der Bund bis heu­te. Fi­nanz­mi­nis­ter Scholz könn­te sie an der Bör­se ver­kau­fen, wür­de da­mit aber der­zeit ein sehr schlech­tes Ge­schäft ma­chen. Et­wa 18 Eu­ro müss­te er pro Ak­tie er­lö­sen, um oh­ne Ver­lus­te aus dem In­vest­ment her­aus­zu­kom­men. Ak­tu­ell steht der Kurs bei rund 8,70 Eu­ro.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.