Wen­de im Die­sel­streit: Scheu­er will Hard­ware-Nach­rüs­tun­gen

Ver­kehrs­mi­nis­ter kün­digt ein neu­es Kon­zept an – die Kos­ten für mög­li­che Um­bau­ten an Die­sel­au­tos wer­den „auf meh­re­re Mil­li­ar­den Eu­ro“be­zif­fert

Märkische Allgemeine - - POLITIK - Von Ras­mus Buch­stei­ner

Ber­lin. Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Andre­as Scheu­er (CSU) voll­zieht in der De­bat­te um ei­ne tech­ni­sche Nach­rüs­tung von Die­sel­fahr­zeu­gen ei­ne Kehrt­wen­de. „Wir wer­den uns tech­ni­sche Ge­dan­ken ma­chen, wie wir be­ste­hen­de Fahr­zeu­ge noch sau­be­rer be­kom­men“, sag­te der Mi­nis­ter in ei­ner am Frei­tag ver­öf­fent­lich­ten Vi­deo­bot­schaft. „Wir las­sen be­trof­fe­ne Die­sel­fah­rer nicht im Re­gen ste­hen.“

Lan­ge hat Scheu­er Hard­ware­Nach­rüs­tun­gen bei Pkw strikt ab­ge­lehnt, un­ter Ver­weis auf un­ver­än­dert be­ste­hen­de tech­ni­sche, recht­li­che und fi­nan­zi­el­le Be­den­ken. Das Mil­li­ar­den­pro­gramm „Sau­be­re Luft“der Bun­des­re­gie­rung, aus dem in­zwi­schen auch die tech­ni­sche Um­rüs­tung gro­ßer Nutz­fahr­zeu­ge in den Kom­mu­nen ge­för­dert wird, hielt Scheu­er für aus­rei­chend.

Nun kün­digt der Ver­kehrs­mi­nis­ter ein Kon­zept an, das in­ner­halb der nächs­ten Ta­ge kon­kre­ti­siert wer­den soll. Nach In­for­ma­tio­nen des Re­dak­ti­ons­Netz­werks Deutsch­land (RND) ist Scheu­ers Kurs­wech­sel Fol­ge der In­ter­ven­ti­on von Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU), die da- mit auf das Drän­gen der schwarz­grü­nen Lan­des­re­gie­rung in Hes­sen re­agiert. Dort spielt das Die­selthe­ma im lau­fen­den Land­tags­wahl­kampf ei­ne zen­tra­le Rol­le; das Ver­wal­tungs­ge­richt in Wiesbaden hat die Stadt Frank­furt ver­pflich­tet, im kom­men­den Jahr weit­rei­chen­de Fahr­ver­bo­te für Die­sel-Pkw zu er­las­sen.

Scheu­er sag­te ges­tern, Prio­ri­tät ha­be für ihn „die Aus­wei­tung schlau­er Um­stiegs­mo­del­le“. Die 3,1 Mil­lio­nen Die­sel-Pkw der Eu­ro-4Norm sei­en tech­nisch „gar nicht um­rüst­bar“. Von den 5,5 Mil­lio­nen Eu­ro-5-Wa­gen könn­te ein Drit­tel bis die Hälf­te nach­ge­rüs­tet wer­den. Die tech­ni­schen Lö­sun­gen müss­ten mit den Her­stel­lern ge­fun­den wer­den. Der Ver­band der deut­schen Au­to­mo­bil­in­dus­trie (VDA) äu­ßer­te sich am Frei­tag zu­nächst nicht.

Of­fen lässt Scheu­er, wer die Kos­ten tra­gen soll, die sich nach Schät­zun­gen des Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­ums auf 1000 bis 3000 Eu­ro pro Fahr­zeug be­lau­fen könn­ten. In Ko­ali­ti­ons­krei­sen war ges­tern die Re­de von ei­nem Vo­lu­men „von meh­re­ren Mil­li­ar­den Eu­ro“. Aus der Uni­on gibt es da­zu be­reits ei­nen Fi­nan­zie- rungs­vor­schlag. Frak­ti­ons­vi­ze Cars­ten Lin­ne­mann for­dert ei­ne staat­li­che Be­tei­li­gung an den Kos­ten. „Um fi­nan­zi­ell un­ter­stüt­zen zu kön­nen, drängt sich der För­der­topf zur E-Prä­mie ge­ra­de­zu auf“, sag­te der CDU-Po­li­ti­ker dem RND. „Da sind noch ge­nug Mit­tel vor­han­den, Staat und Au­to­mo­bil­in­dus­trie sind hälf­tig hier be­tei­ligt. Bei­de se­he ich auch in der Pflicht.“Kanz­le­rin Mer­kel hat­te Ver­kehrs­mi­nis­ter Scheu­er und Um­welt­mi­nis­te­rin Sven­ja Schul­ze (SPD) auf­ge­for­dert, sich im Sep­tem­ber im Hard­ware-Streit zu ei­ni­gen.

Die Kom­mu­nen re­agier­ten er­leich­tert auf die An­kün­di­gun­gen des Ver­kehrs­mi­nis­ters. „Die Hard­ware-Nach­rüs­tung von Die­sel­fahr­zeu­gen ist ein rich­ti­ger und wich­ti­ger Schritt, da­mit un­se­re Städ­te sau­be­rer wer­den“, sag­te Gerd Lands­berg, Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Deut­schen Städ­te- und Ge­mein­de­bun­des, dem RND. „Es kommt jetzt ent­schei­dend dar­auf an, dass die Hard­ware-Nach­rüs­tun­gen zü­gig in An­griff ge­nom­men und um­ge­setzt wer­den, so­dass schnell ei­ne Wir­kung er­zielt wer­den kann. Wir wol­len Fahr­ver­bo­te ver­mei­den.“

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