Fens­ter­lo­se Kam­mer mit Stahl­tür

Märkische Allgemeine - - LESERFORUM - An­selm Fitz­kow, Gli­e­ni­cke

Zu „Kein Mit­leid, kei­ne Reue“, 12. 9., Kul­tur:

Des Öf­te­ren hört man zum The­ma Ju­gend­werk­hö­fe in der DDR die Mei­nun­gen: Na, so schlimm war das ja nicht. Oder: Bes­ser als heu­te, wo den Ju­gend­li­chen sei­tens El­tern, Schu­le und Jus­tiz al­les ver­zie­hen wird. Es ist gut, dass Grit Pop­pe die Aus­wüch­se der da­ma­li­gen Ver­hält­nis­se in ei­nem Buch ver­öf­fent­licht hat. Von 1965 bis 1967 war ich in ei­nem Lehr­lings­in­ter­nat bei Jo­hann­ge­or­gen­stadt. Wir „Azu­bis“über­nah­men die Unterkünfte und Auf­se­her ei­nes un­mit­tel­bar zu­vor ge­schlos­se­nen Ju­gend­werk­ho­fes. Letz­te­re nann­ten sich dann Er­zie­her. Um uns Neu­an­kömm­lin­ge zu er­schre­cken, wur­de die noch vor­han­de­ne Dun­kel­kam­mer prä­sen­tiert, fens­ter­los mit Stahl­tür und Guck­loch. Als „At­trak­ti­on“zeig­te man uns die Stel­le in der Wand des Ne­ben­rau­mes, wo sich je­mand in sei­ner Ver­zweif­lung durch das Mau­er­werk ge­kratzt hat­te.

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