Kein Gly­pho­sat mehr auf Tram-Glei­sen

Ver­kehrs­be­trieb setzt ab Ok­to­ber auf ma­nu­el­le Rei­ni­gung und will mit­tel­fris­tig Ra­sen­bet­ten

Märkische Allgemeine - - POTSDAM - Von Vol­ker Oel­schlä­ger

Pots­dam. Der Ver­kehrs­be­trieb (ViP) wird bei der War­tung von Tram-Gleis­bet­ten ab Ok­to­ber kom­plett auf den Ein­satz des Un­kraut­be­kämp­fungs­mit­tels Gly­pho­sat ver­zich­ten. Das hat das Rat­haus mit­ge­teilt. Ak­tu­ell ge­be es im Pots­da­mer Stre­cken­netz rund 25 Ki­lo­me­ter Schot­ter­glei­se. 5,3 Ki­lo­me­ter da­von wür­den schon jetzt be­darfs­wei­se ma­nu­ell ge­rei­nigt, weil aus Um­welt­schutz­grün­den kein Her­bi­zid ein­ge­setzt wer­den dür­fe.

Ge­nannt wer­den un­ter an­de­rem die Gleis­ab­schnit­te Watt­stra­ßeFon­ta­ne­stra­ße, Zep­pe­lin­stra­ßePirsch­hei­de und Ab­zweig SternNew­ton­stra­ße. Die Be­sei­ti­gung von wil­dem Pflan­zen­wuchs im Schot­ter­bett ist laut Ver­kehrs­be­trieb nö­tig, um die Ent­wäs­se­rung, Iso­lie­rung und Plas­ti­zi­tät der An­la­gen zu ge­währ­leis­ten.

Die Stadt­ver­ord­ne­ten hat­ten im April auf An­trag der Grü­nen be­schlos­sen, dass die Stadt „ab so­fort“bei al­len von ihr be­wirt­schaf­te­ten Flä­chen auf den Ein­satz von Her­bi­zi­den mit dem Wirk­stoff Gly­pho­sat ver­zich­ten und die­sen Ver­zicht auch bei all ih­ren Ver­trags­part­nern durch­set­zen soll. Gly­pho­sat gilt als „wahr­schein­lich krebs­er­re­gend“und wird vom Um­welt­bun­des­amt mit­ver­ant­wort­lich ge­macht für den dra­ma­ti­schen Rück­gang an bio­lo­gi­scher Viel­falt in der Agrar­land­schaft. Nach An­ga­ben der Na­tur- schutz­or­ga­ni­sa­ti­on BUND ha­ben sich mitt­ler­wei­le 250 Kom­mu­nen bun­des­weit ent­schie­den, ih­re Grün­flä­chen oh­ne den Ein­satz von gly­phos­at­hal­ti­gen Pes­ti­zi­den zu be­wirt­schaf­ten.

In Pots­dam ist der Ein­satz so­ge­nann­ter Pflan­zen­schutz­mit­tel auf öf­fent­li­chen Grün­flä­chen und städ­ti­schen Grund­stü­cken be­reits 1991 per Ma­gis­trats­be­schluss ver­bo­ten wor­den. Die Stadt­ver­ord­ne­ten ha­ben das Ver­bot 2003 per Be­schluss er­neu­ert, so die Ver­wal­tung in der Ant­wort auf ei­ne klei­ne An­fra­ge der An­de­ren. In der Dis­kus­si­on des von den Grü­nen An­fang 2018 ein­ge­brach­ten An­trags auf ge­ne­rel­len Gly­pho­sat-Ver­zicht er­gab sich je­doch, dass der Ver­kehrs­be­trieb das Gift zur Pfle­ge des Tram­gleis­betts ein­setzt, um es von Un­kraut, Gras und Wur­zel­werk frei­zu­hal­ten. Der ak­tu­el­le Aus­nah­me­be­scheid gilt noch bis 30. Sep­tem­ber.

Der Ein­satz al­ter­na­ti­ver Sub­stan­zen sei ge­prüft wor­den, er­klär­te ViP-Gech­äfts­füh­rer Oliver Gla­ser im Um­welt­aus­schuss. Es ha­be sich aber ge­zeigt, dass Gly­pho­sat „noch das un­schäd­lichs­te Mit­tel“sei. Al­ter­na­ti­ven zum Gift-Ein­satz sind die ma­nu­el­le Rei­ni­gung oder der Um­bau der Schot­ter- in Ra­sen­glei­se, der „theo­re­tisch mög­lich und an ei­ni­gen Stel­len auch schon um­ge­setzt“sei, so Gla­ser im Um­welt­aus­schuss. Die Kos­ten für den Kom­plett­um­bau des Stre­cken­net­zes auf Ra­sen­gleis schätz­te er auf sie­ben Mil­lio­nen Eu­ro.

Der Um­bau zum Ra­sen­gleis stel­le „per­spek­ti­visch grund­sätz­lich ei­ne gu­te Lö­sung dar“, heißt es in der ak­tu­el­len Mit­tei­lung der Stadt. Nach jüngs­ten Er­fah­run­gen bei der Stre­cken­er­wei­te­rung zum Camps Jung­fern­see rech­ne man mit 100 000 Eu­ro Kos­ten pro 100 Me­ter Dop­pel­gleis. Pro Jahr könn­ten bei ent­spre­chen­den Re­ge­lun­gen 800 bis 1000 Me­ter Dop­pel­gleis um­ge­baut wer­den.

Ak­tu­ell ge­be es da­zu aber noch kei­ne Vor­ga­ben durch die Stadt­ver­wal­tung, hieß es. Das nächs­te Ra­sen­gleis sei mit dem Um­bau der Stre­cke Fried­hofs­gas­se bis Ab­zweig Stern­stre­cke an der Hein­richMann-Al­lee ge­plant. Ge­schot­tert blei­ben man­gels Eig­nung für das Ra­sen­gleis un­ter an­de­rem die Wen­de­schlei­fe Fon­ta­ne­stra­ße, der Ab­zweig Stern­stra­ße-Turm­stra­ße, und der Ab­schnitt Clau­di­us-Stra­ßeBahn­hof Reh­brü­cke.

FO­TO: BERND GARTENSCHLÄGER

Noch her­kömm­lich mit Schot­ter­bett: das neue Tram­gleis an der End­hal­te­stel­le Jung­fern­see.

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