For­scher: Ost­deut­sche Wirt­schaft vor Wan­del

För­de­rung auf Stär­ken kon­zen­trie­ren

Märkische Allgemeine - - WIRTSCHAFT -

Dres­den. Drei Jahr­zehn­te nach der Wen­de steht die ost­deut­sche Wirt­schaft nach An­sicht des For­schers Joa­chim Ra­gnitz er­neut vor ei­nem Struk­tur­wan­del. Ges­tern for­der­te der Vi­ze-Chef des Dresd­ner Ifo-In­sti­tu­tes die Po­li­tik auf, Vor­sor­ge zu tref­fen. „An­sons­ten könn­te es pas­sie­ren, dass der bis­lang gut ver­lau­fen­de Auf­hol­pro­zess in den nächs­ten Jah­ren ein ab­rup­tes En­de fin­det“, sag­te Ra­gnitz jetzt zum 29. Jah­res­tag des Mau­er­falls.

„Vie­le der klei­ne­ren Un­ter­neh­men im Os­ten ha­ben Be­sit­zer, die kurz vor dem Ru­he­stand ste­hen und des­we­gen kei­ne Ri­si­ken mehr ein­ge­hen wol­len. Aus de­mo­gra­fi­schen Grün­den fällt es schwer, für al­le die­se Be­trie­be er­folg­rei­che Nach­fol­ge­re­ge­lun­gen zu fin­den“, er­klär­te Ra­gnitz. Die Po­li­tik wä­re gut be­ra­ten, sich hier­auf ein­zu­stel­len und er­folg­rei­che Fir­men mit Wachs­tum­sam­bi­tio­nen zu un­ter­stüt­zen.

Ra­gnitz emp­fiehlt ei­ne För­de­rung, die sich auf Stär­ken kon­zen­triert und nicht auf Or­te. „Es muss künf­tig viel stär­ker dar­um ge­hen, For­schung, In­no­va­ti­on und Tech­no­lo­gie­trans­fer zu un­ter­stüt­zen, um die tech­no­lo­gi­sche Wett­be­werbs­fä­hig­keit vor­an­zu­trei­ben.“Neue An­sied­lun­gen sei­en eher schwie­rig. Es dür­fe kein Kri­te­ri­um für die För­de­rung sein, mög­lichst vie­le Fir­men zu un­ter­stüt­zen – un­ab­hän­gig da­von, wie stark sie sind.

Kenn­zeich­nend für die ost­deut­sche Wirt­schaft sei heu­te ei­ne Spal­tung zwi­schen sehr wett­be­werbs­fä­hi­gen Un­ter­neh­men und sol­chen, die nur knapp über die Run­den kom­men, be­ton­te Ra­gnitz wei­ter. „Die hoch wett­be­werbs­fä­hi­gen Fir­men ha­ben sich im Os­ten dort nie­der­ge­las­sen, wo sie gu­te Stand­ort­be­din­gun­gen ge­fun­den ha­ben: ei­ne güns­ti­ge In­fra­struk­tur-An­bin­dung, For­schungs­ein­rich­tun­gen, ein at­trak­ti­ves Wohn­um­feld und Ähn­li­ches mehr.“Vie­le klei­ne Fir­men hin­ge­gen sei­en häu­fig aus der Not des Über­gangs von der Staats- zur Markt­wirt­schaft ge­bo­ren wor­den.

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