Von Frau zu Frau: „AKK“folgt Mer­kel als CDU-Che­fin

Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin Kramp-Kar­ren­bau­er setzt sich knapp ge­gen Merz durch – Bran­den­burgs CDU-Chef Senft­le­ben: „Jetzt mit Mut durch­star­ten“

Märkische Allgemeine - - ERSTE SEITE - Von Ste­ven Gey­er

Ham­burg. Für die CDU be­ginnt ei­ne neue Zeit: In ei­ner Stich­wahl um den Par­tei­vor­sitz setz­te sich die bis­he­ri­ge Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er (56) mit nur 35 Stim­men Vor­sprung ge­gen den eins­ti­gen Uni­ons­frak­ti­ons­chef Fried­rich Merz durch. Mit 51,75 Pro­zent wähl­ten sie die 999 De­le­gier­ten auf dem Ham­bur­ger CDU-Bun­des­par­tei­tag zur Nach­fol­ge­rin von An­ge­la Mer­kel, die nach 18 Jah­ren die Spit­ze der Uni­on ver­lässt. Merz hat­te mit 48,25 Pro­zent der Stim­men nur hauch­dünn hin­ter der Mer­kelVer­trau­ten ge­le­gen. Für ei­nen Sieg im ers­ten Wahl­gang wä­re ei­ne ab­so­lu­te Mehr­heit von 500 Stim­men nö­tig ge­we­sen.

Nach ih­rer Wahl be­schwor Kramp-Kar­ren­bau­er die Ein­heit und Ge­schlos­sen­heit der Uni­on. Sie nahm ih­re un­ter­le­ge­nen Kon­kur­ren­ten in die Pflicht, sich zu en­ga­gie­ren und die ei­ge­nen An­hän­ger in der CDU zu hal­ten. „Das ist jetzt ei­ne Ver­ant­wor­tung, die nicht nur die Vor­sit­zen­de, son­dern auch Jens Spahn und auch Fried­rich Merz ha­ben“, sag­te sie am Abend in der ARD-Sen­dung „Far­be be­ken­nen“. Mit Merz wer­de sie des­sen Rol­le in den nächs­ten Ta­gen er­ör­tern. In der ZDF-Sen­dung „Was nun?“sag­te Kramp-Kar­ren­bau­er, es ge­he dar­um „al­len Flü­geln Raum zu ge­ben, das ist ab­so­lut not­wen­dig, aber das wird kei­ne ein­fa­che Auf­ga­be sein“.

In ih­rer Be­wer­bungs­re­de hat­te die ehe­ma­li­ge Mi­nis­ter­prä­si­den­tin des Saar­lands die CDU zu­dem zu mehr Mut und Selbst­be­wusst­sein auf­ge­ru­fen. Die Par­tei dür­fe nicht Schwarz­ma­lern hin­ter­her­lau­fen, son­dern müs­se mu­tig auch ge­gen den Zeit­geist Kurs hal­ten, so Kramp­Kar­ren­bau­er.

Fried­rich Merz hat­te in sei­ner Re­de vor­ab be­tont, dass er der CDU wie­der Wah­l­er­geb­nis­se um die 40 Pro­zent zu­traue. Da­für sei je­doch ein schär­fe­res Pro­fil nö­tig. „Oh­ne kla­re Po­si­tio­nen be­kom­men wir kei­ne bes­se­ren Wah­l­er­geb­nis­se“, hat­te er be­tont. Die CDU brau­che ei­nen Stra­te­gie­wech­sel im Um­gang mit Bür­gern und Wäh­lern so­wie mit dem po­li­ti­schen Geg­ner.

Bei der Wahl der fünf stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­den be­kam Hes­sens Mi­nis­ter­prä­si­dent Vol­ker Bouf­fier mit 90,04 Pro­zent den größ­ten Zu­spruch. Wei­te­re Vi­ze sind Agrar­mi­nis­te­rin Ju­lia Klöck­ner (86 Pro­zent), NRW-Mi­nis­ter­prä­si­dent Ar­min La­schet (75,62), Ba­den-Würt­tem­bergs In­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl (59,34) und Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ursula von der Ley­en (57,47).

Be­reits im ers­ten Wahl­gang hat­te Kramp-Kar­ren­bau­er mit 45 Pro­zent vorn ge­le­gen, ge­folgt von Merz mit 39,2 Pro­zent und Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn, dem mit 15,7 Pro­zent ein Ach­tungs­er­folg ge­lang. Er ist ges­tern ins wei­te­re Prä­si­di­um ge­wählt wor­den. Die neue Par­tei­che­fin sag­te, sie kön­ne be­reits am heu­ti­gen Sams­tag ei­nen neu­en Ge­ne­ral­se­kre­tär prä­sen­tie­ren.

Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel wur­de mit ei­nem knapp zehn­mi­nü­ti­gen, ste­hen­den Ap­plaus und in et­li­chen Re­den mit Dank be­dacht. Zu­vor hat­te sie sich mit ei­ner selbst­be­wuss­ten, hu­mor­vol­len Re­de nach 18 Jah­ren an der Spit­ze ver­ab­schie­det. „Für mei­ne Ver­bun­den­heit mit der Par­tei brau­che ich kei­nen Par­tei­vor­sitz – und Bun­des­kanz­le­rin bin ich ja auch noch“, sag­te sie. Sie hof­fe, dass die CDU trotz des Wett­be­werbs um die Par­tei­spit­ze mit Ge­schlos­sen­heit und Kom­pro­miss­fä­hig­keit in die nächs­ten Wahl­kämp­fe ge­he. „Wo­hin uns nicht en­den wol­len­der Streit führt, dass ha­ben CDU und CSU in den letz­ten Jah­ren bit­ter er­fah­ren“, sag­te Mer­kel.

Bran­den­burgs Mi­nis­ter­prä­si­dent und SPD-Lan­des­chef Diet­mar Wo­id­ke so­wie CDU-Lan­des­chef In­go Senft­le­ben ha­ben Kramp-Kar­ren­bau­er zur Wahl gra­tu­liert. „Ich wün­sche ihr in tur­bu­len­ten Zei­ten für ih­re ver­ant­wor­tungs­vol­le Auf­ga­be viel Er­folg und ei­ne or­dent­li­che Por­ti­on Steh­ver­mö­gen“, sag­te Wo­id­ke. Senft­le­ben sag­te: „Den Schwung der letz­ten Wo­chen müs­sen wir jetzt mit­neh­men, die Art der Dis­kus­si­on wei­ter­füh­ren. Jetzt heißt es, mit Mut durch­zu­star­ten.“

Für mei­ne Ver­bun­den­heit mit der Par­tei brau­che ich kei­nen Par­tei­vor­sitz. An­ge­la Mer­kel, Bun­des­kanz­le­rin

FO­TO: DPA

Die neue und die al­te Che­fin: An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er (l.) und An­ge­la Mer­kel auf dem Par­tei­tag in Ham­burg.

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