Die Prü­fung für AKK kommt noch

Märkische Allgemeine - - BLICKPUNKT - Von Gor­don Repinski

Wer am Frei­tag­nach­mit­tag durch die Mes­se­hal­len in Ham­burg ge­lau­fen ist, der konn­te ein be­mer­kens­wer­tes Schau­spiel be­ob­ach­ten. Wie elek­tri­siert stan­den die De­le­gier­ten des CDU-Par­tei­tags in al­len Ecken der Hal­le und rät­sel­ten nach den Re­den der drei Be­wer­ber um die Nach­fol­ge von An­ge­la Mer­kel dar­über, wer nun die Na­se vorn ha­ben könn­te. Fried­rich Merz mit sei­nem kla­ren An­satz ei­nes neu­en Stils? Jens Spahn, der Au­ßen­sei­ter?

Am En­de war es An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er – mit ih­rem An­satz der Umar­mung. Ge­won­nen hat aber nicht nur AKK. Die gan­ze CDU pro­fi­tiert von dem Pro­zess, der so­eben in Ham­burg ab­ge­schlos­sen wur­de.

Lan­ge sah es düs­ter aus für die CDU. Der Streit um die Flücht­lings­po­li­tik hör­te nicht auf, aus dem Sach­streit wur­de ei­ne Aus­ein­an­der­set­zung um die Per­son der Bun­des­kanz­le­rin. An­ge­la Mer­kels Po­si­ti­on war ge­schwächt wie nie. In die­ser La­ge wirk­te ih­re An­kün­di­gung des Rück­zugs vom CDU­Vor­sitz wie ei­ne Be­frei­ung. Die fol­gen­den Re­gio­nal­kon­fe­ren­zen brach­ten der Par­tei ei­ne Wie­der­be­le­bung mit fri­schen De­bat­ten, die fair, aber nicht über­vor­sich­tig ge­führt wur­den. Erst­mals seit Lan­gem wur­de wie­der ganz of­fen dis­ku­tiert in der CDU – und mit den drei Be­wer­bern stan­den tat­säch­lich auch drei un­ter­schied­li­che po­li­ti­sche Zu­kunfts­ent­wür­fe zur De­bat­te.

Erst bei Neu­wah­len im Bund wird sich zei­gen, ob Mer­kels Nach­fol­ge­rin die Din­ge im Griff be­hal­ten kann.

Doch die Par­tei soll­te sich auf die­sem Er­geb­nis nicht aus­ru­hen. Auf Kramp-Kar­ren­bau­er war­tet har­te Ar­beit. In den kom­men­den Wo­chen muss sie zu­nächst den vom Wah­l­er­geb­nis ent­täusch­ten Merz-Flü­gel ein­fan­gen und ihm ei­ne Per­spek­ti­ve auf­zei­gen. Zugleich aber muss sie in der gro­ßen Ko­ali­ti­on ein pro­duk­ti­ves Ar­beits­ver­hält­nis mit der ge­schwäch­ten und ner­vö­sen SPD ent­wi­ckeln. Wie soll das bei­des gleich­zei­tig ge­hen?

Im Mai 2019 ste­hen Eu­ro­pa­wah­len an, im Herbst ge­folgt von Land­tags­wah­len im Os­ten. Ob Uni­on und SPD dies al­les noch als Part­ner in der gro­ßen Ko­ali­ti­on er­le­ben wer­den, ist völ­lig of­fen.

Das wah­re En­de der Ära Mer­kel bräch­ten erst Neu­wah­len im Bund. Erst dann wird sich zei­gen, ob Mer­kels Nach­fol­ge­rin im Amt der CDU-Vor­sit­zen­den in der La­ge ist, die Din­ge im Griff zu be­hal­ten, in der Fra­ge der Kanz­ler­kan­di­da­tur eben­so wie in der künf­ti­gen Aus­rich­tung der Par­tei. Wel­che Ant­wort hat AKK auf den Rechts­po­pu­lis­mus? Was sagt sie zu den wach­sen­den Sor­gen vie­ler Men­schen an­ge­sichts des Vor­drin­gens von Ro­bo­tern und künst­li­cher In­tel­li­genz in ei­ne neue Ar­beits­welt, in der bald nichts mehr si­cher ist? Hier, we­ni­ger in der Aus­ein­an­der­set­zung mit der Flücht­lings­po­li­tik von 2015, liegt die ei­gent­li­che Her­aus­for­de­rung der Ära nach An­ge­la Mer­kel.

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