Mehr Zü­ge, hö­he­re Prei­se

Die Bahn baut zum Fahr­plan­wech­sel ihr An­ge­bot bun­des­weit aus. Ex­per­ten kri­ti­sie­ren die Ver­teue­rung der Ti­ckets und das un­durch­sich­ti­ge Ta­rif­sys­tem.

Märkische Allgemeine - - WIRTSCHAFT - Von Frank-Tho­mas Wenzel

Ber­lin. Die Bahn baut zum Fahr­plan­wech­sel in der Nacht zum Sonn­tag ihr An­ge­bot aus. Doch zu­gleich wird die Kri­tik am Staats­kon­zern und am zu­stän­di­gen Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um mas­si­ver. Es geht nicht nur um Ti­cket­prei­se, son­dern um Grund­sätz­li­ches.

Po­si­tiv für die Fahr­gäs­te sind die Än­de­run­gen auf der neu­en ICEStre­cke von Ber­lin nach Mün­chen. Dort sol­len täg­lich in je­de Rich­tung künf­tig fünf statt bis­her drei Sprin­ter­zü­ge un­ter­wegs sein. Zu­dem soll auf der Stre­cke die neu­es­te Ver­si­on des In­ter­ci­ty-Ex­press auf die Schie­ne kom­men. Die Ver­bin­dung zwi­schen den bei­den Me­tro­po­len ist ei­ne Er­folgs­ge­schich­te ge­wor­den: Mit 4,4 Mil­lio­nen Fahr­gäs­ten seit der Er­öff­nung vor knapp ei­nem Jahr sind deut­lich mehr Pas­sa­gie­re ein­ge­stie­gen als er­war­tet.

Auch der Frank­fur­ter Flug­ha­fen wird mit dem Fahr­plan­wech­sel häu­fi­ger an­ge­fah­ren, näm­lich täg­lich von 14 statt elf Zü­gen in bei­de Rich­tun­gen. Mit dem ICE gibt es zu­dem ei­ne neue Di­rekt­ver­bin­dung von Ber­lin nach Wi­en.

Hin­zu kommt ei­ne Aus­wei­tung des An­ge­bots für ei­ne gan­ze Rei­he der lang­sa­me­ren In­ter­ci­ty-Ver­bin­dun­gen – et­wa von NRW in Rich­tung Os­ten. Im Re­gio­nal­ver­kehr in meh­re­ren Me­tro­po­len­re­gio­nen fah­ren S-Bah­nen sehr bald in ei­ner hö­he­ren Fre­quenz. Die Bahn re­agiert mit all dem auf stei­gen­de Fahr­gast­zah­len. An Nach­fra­ge nach Be­för- de­rung auf der Schie­ne ha­pert es al­so of­fen­bar nicht.

Je­den­falls scheut sich der Staats­kon­zern auch nicht, hö­he­re Prei­se von sei­nen Kun­den zu ver­lan­gen. Im Fern­ver­kehr wer­den die re­gu­lä­ren Ti­ckets im Durch­schnitt 1,9 Pro­zent teu­rer, wie die Bahn mit­teilt. We­gen Son­der­an­ge­bo­ten und Ra­bat­ten ge­be es aber nur ei­nen Auf­schlag von 0,9 Pro­zent. Im Re­gio­nal­ver­kehr wer­den 1,5 Pro­zent auf­ge­schla­gen – das gilt für Fahr­ten über die Ver­kehrs­ver­bün­de hin­weg. Viel­fah­rer wer­den deut­lich stär­ker zur Kas­se ge­be­ten. Die Bahn­card 100 ver­teu­ert sich um fast drei Pro­zent. Die Prei­se für Platz­re­ser­vie­run­gen so­wie für die Bahn­card 25 und Bahn­card 50 ver­än­dern sich nicht. Wer aber sein Ti­cket im Zug kauft, muss künf­tig 19 Eu­ro statt bis­lang 12,50 Eu­ro zah­len – ein Auf­schlag um sa­ge und schrei­be mehr als 50 Pro­zent.

Das Ak­ti­ons­bünd­nis „Bahn für al­le“nann­te die be­reits vor zwei Mo­na­ten an­ge­kün­dig­te Preis­er­hö­hung nicht nach­voll­zieh­bar. „Ab­ge­se­hen von den Son­der­an­ge­bo­ten sind die Prei­se grund­sätz­lich zu hoch, be­son­ders aber in An­be­tracht der vie­len Ver­spä­tun­gen und Zu­g­aus­fäl­le, die die DB AG of­fen­sicht­lich nicht in den Griff be­kommt“, mein­te Bünd­nis­spre­cher Bern­hard Knie­rim. Zu­dem wird be­män­gelt, dass das Ne­ben­ein­an­der von Nor­mal-, Spar- und Su­per­spar­prei­sen und sons­ti­gen Ver­güns­ti­gun­gen die Bahn nicht at­trak­ti­ver ma­che, son­dern eher ab­schre­ckend. Die Bahn brau­che ein ein­fa­che­res und preis­wer­te­res Ta­rif­sys­tem. Das Bünd­nis, zu dem Fahr­gast­ver­bän­de und Um­welt­schüt­zer ge­hö­ren, macht dar­auf auf­merk­sam, dass das Bahn­fah­ren sich in den ver­gan­ge­nen 15 An­ton Ho­frei­ter, Grü­nen-Frak­ti­ons­chef im Bun­des­tag

Jah­ren dop­pelt so stark wie die all­ge­mei­ne In­fla­ti­on ver­teu­ert ha­be. Be­son­ders hef­tig fällt der Zu­schlag bei der be­lieb­ten Bahn­card 50 aus – mit ei­nem Auf­schlag von 85 Pro­zent.

Kri­tik kam auch aus dem Bun­des­tag. „Das Zug­an­ge­bot sta­gniert, die Prei­se stei­gen, das Ti­cket-Wirr­warr bleibt“, sag­te Grü­nen-Frak­ti­ons­chef An­ton Ho­frei­ter. Das güns­tigs­te Ti­cket müs­se je­der auf ei­nen Blick am Au­to­ma­ten und im In­ter­net er­fas­sen kön­nen. Ho­frei­ter warb für das „Mo­bil­pass“-Kon­zept sei­ner Par­tei, mit dem Bür­ger al­le Bus­se und Bah­nen nut­zen könn­ten.

Dass da was grund­sätz­lich faul ist, ist Be­ob­ach­tern seit Län­ge­rem klar. Der Bun­des­rech­nungs­hof hat da­für nun vie­le Ar­gu­men­te ge­lie­fert. Ob­wohl der Bund seit 2009 rund 30 Mil­li­ar­den Eu­ro zur Ver­bes­se­rung der Bahn-In­fra­struk­tur zur Ver­fü­gung ge­stellt ha­be, sei das „kras­se Ge­gen­teil“ein­ge­tre­ten, so Kay Schel­ler, Prä­si­dent des Bun­des­rech­nungs­hofs. Das Sys­tem der Fi­nan­zie­rung durch den Staat sei ge­schei­tert. Es wer­de auf Ver­schleiß ge­fah­ren. Schel­ler greift Ver­kehrs­mi­nis­ter Scheu­er (CSU) di­rekt an: Des­sen Haus wis­se nicht, wie die Bahn die Mit­tel ein­set­ze und wol­le dar­an auch nichts än­dern.

Ein gra­vie­ren­des Bei­spiel für Miss­ma­nage­ment ist laut Schel­ler die Un­ter­schei­dung in In­stand­hal­tungs­in­ves­ti­tio­nen, die die Bahn mit ei­ge­nem Geld be­zah­len muss, und in Er­satz­in­ves­ti­tio­nen, die der Staat über­nimmt. Das be­deu­tet nichts an­de­res als die Auf­for­de­rung, die In­stand­hal­tung von Glei­sen und Brü­cken so lan­ge hin­aus­zu­zö­gern, bis sie er­setzt wer­den müs­sen. Denn da­mit spart die Bahn viel Geld. Dies ist aber auch ein Grund da­für, dass Ver­spä­tun­gen und Zu­g­aus­fäl­le im­mer mehr wer­den.

Das Zug­an­ge­bot sta­gniert, die Prei­se stei­gen, das Ti­cket-Wirr­warr bleibt.

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