Lau­si­ge Zei­ten

Co­che­nil­le­schild­läu­se lie­fern den ro­ten Farb­stoff, der vie­len Weih­nachts­plätz­chen den Glanz ver­leiht

Märkische Allgemeine - - WISSENSCHAFT - Von Ina Schmie­de­berg

Bun­te Zu­cker­streu­sel, glän­zen­de Kü­gel­chen, win­zi­ge Ein­hör­ner – die Su­per­märk­te fah­ren ei­ni­ges auf für den Plätz­chen­bä­cker. Wer möch­te da noch schlicht ei­ne hal­be Man­del auf dem Mür­be­teig plat­zie­ren? Eben­falls win­zig, wenn auch nicht kurz, ist in der Re­gel die Zu­ta­ten­lis­te auf der Ver­pa­ckung.

Die kom­plet­ten Be­zeich­nun­gen der In­halts­stof­fe sind dort schwer un­ter­zu­brin­gen. Ab­hil­fe schaf­fen die E-Num­mern, die in der EU für Le­bens­mit­tel­zu­satz­stof­fe wie Sü­ßungs­mit­tel, Sta­bi­li­sa­to­ren und Ge­schmacks­ver­stär­ker ver­wen­det wer­den. Bei bun­ten De­ko­ra­tio­nen für weih­nacht­li­ches Back­werk ist E 120 fast im­mer mit da­bei. Da­hin­ter ver­birgt sich Ech­tes Kar­min.

Der na­tür­li­che Farb­stoff wird aus der Co­che­nil­le­schild­laus ge­won­nen. Ih­ren Bei­trag leis­ten aus­schließ­lich be­fruch­te­te, weib­li­che Läu­se, die ge­trock­net wer­den, be­vor aus ih­nen die Kar­min­säu­re ex­tra­hiert wird. Ei­gent­lich soll die tief­ro­te Sub­stanz die Tier­chen vor Fress­fein­den schüt­zen. Das ist im Fall der Co­che­nil­le­schild­laus gründ­lich nach hin­ten los­ge­gan­gen. Für 50 Gramm Kar­min ist ein Ki­lo­gramm ge­trock­ne­te Läu­se not­wen­dig, al­so bis zu 100 000 der sechs bis sie­ben Mil­li­me­ter klei­nen Läu­se­weib­chen.

Die In­sek­ten al­lein ma­chen je­doch noch kein E 120, denn Kar­min ist ein Alu­mi­ni­um­lack der Kar­min­säu­re. Um ei­nen sta­bi­len Farb­stoff zu be­kom­men, wird die Kar­min­säu­re in der Re­gel im Ver­hält­nis zwei zu eins mit Alu­mi­ni­um­sal­zen „ver­lackt“. Das heißt, auf zwei Mo­le­kü­le Kar­min­säu­re kommt ein Alu­mi­ni­uma­tom. Es ent­steht ein hit­ze­be­stän­di­ger Farb­stoff mit bril­lan­tem Ton, der sich gut mit den Le­bens­mit­teln ver­bin­det und zum Bei­spiel den Zu­cker­per­len für Weih­nachts­plätz­chen den fest­li­chen Glanz ver­leiht.

Her­stel­ler ver­ar­bei­te­ter Le­bens­mit­tel müs­sen al­le Zu­satz­stof­fe in der Zu­ta­ten­lis­te auf den Ver­pa­ckun­gen an­ge­ge­ben. Denn auch wenn die­se von der Eu­ro­päi­schen Le­bens­mit­tel­be­hör­de streng ge­prüft wer­den, wie auf der In­ter­net­sei­te des Bun­des­er­näh­rungs­mi­nis­te­ri­ums zu le­sen ist, soll­ten sich emp­find­li­che Per­so­nen und klei­ne Kin­der mög­lichst zu­satz­stoff­arm er­näh­ren. Wäh­rend der Farb­stoff als E120 oder Ech­tes Ka­min an­ge­ge­ben wer­den muss, „muss der Alu­mi­ni­um­ge­halt von Le­bens­mit­teln, die un­ter Ver­wen­dung von Alu­mi­ni­um­la­cken von Farb­stof­fen her­ge­stellt wer­den, nicht de­kla­riert wer­den“, er­klärt das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Er­näh­rung und Land­wirt­schaft auf Nach­fra­ge.

Die Eu­po­pean Food Sa­fe­ty At­ho­ri­ty (EFSA), die für die Über­wa­chung der Le­bens­mit­tel­si­cher­heit in Eu­ro­pa zu­stän­dig ist, hat 2008 ei­ne to­le­rier­ba­re wö­chent­li­che Men­ge von ei­nem Mil­li­gramm Alu­mi­ni­um pro Ki­lo­gramm Kör­per­ge­wicht fest­ge­legt. Stu­di­en zu­fol­ge wer­de die­se Men­ge al­ler­dings ins­be­son­de­re von Kin­dern und Ju­gend­li­chen zum Teil über­schrit­ten.

Alu­mi­ni­um ist ein Leicht­me­tall, das häu­fig vor­kommt. Auch in un­ver­ar­bei­te­ten Le­bens­mit­teln und im Trink­was­ser ist es zu fin­den. Bis­lang ist un­ge­klärt, wel­che ge­sund­heit­li­chen Ri­si­ken mit der Auf­nah­me ein­her­ge­hen. Das Bun­des­in­sti­tut für Ri­si­ko­be­wer­tung (BfR) sieht For­schungs­be­darf. Für die Zu­cker­de­ko­ra­tio­nen gilt laut BfR: „Es darf nur so viel Alu­mi­ni­um ein­ge­setzt wer­den, wie für den ge­wünsch­ten Ef­fekt un­be­dingt not­wen­dig ist.“Wie viel E120 auf den ei­ge­nen Weih­nachts­plätz­chen not­wen­dig ist, darf zum Glück je­der selbst ent­schei­den.

FO­TOS: DPA, THO­MAS FRAN­COIS - STOCK.ADOBE.COM

Co­che­nil­le­schild­läu­se – Roh­stoff für Farb­stoff auf dem Weih­nachts­ge­bäck.

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