„Manch­mal wa­ren Flüs­sig­kei­ten ganz zu­fäl­lig aus­ge­lau­fen“

Pa­ke­te in die DDR sind ab 1972 sys­te­ma­tisch ge­plün­dert wor­den

Märkische Allgemeine - - LESERFORUM -

Mit­ar­bei­ter des Mi­nis­te­ri­ums für Staats­si­cher­heit ha­ben nach Re­cher­chen des MDR jähr­lich Hun­dert­tau­sen­de West­pa­ke­te ge­plün­dert. In den letz­ten vier Jah­ren der DDR sei­en 32 Mil­lio­nen D-Mark Bar­geld und Wa­ren im Wert von 10 Mil­lio­nen DDR-Mark aus Pa­ke­ten ge­stoh­len wor­den, be­rich­te­te das Ma­ga­zin un­ter Be­ru­fung auf die Be­hör­de des Bun­des­be­auf­trag­ten für die Sta­siUn­ter­la­gen. Dem­nach wur­den ab 1972 Pa­ke­te sys­te­ma­tisch aus­ge­raubt. So se­hen das Le­ser auf der MAZ-Face­book-Sei­te:

Kars­ten Stärck: Un­se­re West­pa­ke­te wur­den nicht ge­plün­dert. Es lag im­mer ein Zet­tel mit im Pa­ket, was al­les drin ist. Zur Si­cher­heit kam ei­ne Ko­pie per Post. Es hat nie et­was ge­fehlt.

Rei­ner Knut:

Kann ich nur be­stä­ti­gen.

Tho­mas Hei­se: Bei uns wur­de ge­plün­dert.

Fred Turan­ski: Bei uns hat öf­ter et­was ge­fehlt laut Zet­tel.

Lutz Nöl­te: Hat man beim Au­s­pa­cken ge­merkt. Wa­ren ganz an­de­re Kno­ten in der Pa­ket­schnur.

Ja, und nun? War doch be­kannt. Heu­te heißt das Bank, Fi­nanz­amt, Ren­ten­ver­si­che­rung. Al­les Sa­chen, wo man Geld hin­schickt um nix oder we­ni­ger wie­der­zu­be­kom­men.

Bernd Wi­chert: Zwi­schen Steu­ern, Ge­büh­ren, Kos­ten und Dieb­stahl durch die Sta­si ist ja wohl ein Un­ter­schied. Ich ha­be es nicht ge­wusst. Ge­kannt ha­ben kön­nen das ja nur be­stimm­te Per­so­nen.

Grenz Wolf: Das wuss­te zu DDRZei­ten je­der, der Ver­wand­te im Wes­ten hat­te und von die­sen Pa­ke­te be­kam.

Ma­rio Stärck: Die Pa­ke­te ka­men öf­ter auch oh­ne Zet­tel an oder wa­ren be­schä­digt. Manch­mal wa­ren Flüs­sig­kei­ten ganz zu­fäl­lig aus­ge­lau­fen und der Pa­ke­tin­halt un­brauch­bar.

Hei­ke Jeschke: Wen in­ter­es­siert die­ser Mist denn noch? Wir ha­ben doch wahr­lich ge­nug an­de­re Pro­ble­me. Und in un­se­ren West­pa­ke­ten hat auch nie et­was ge­fehlt.

Rai­ner Ach­ter­mann: Das rich­ti­ge Plün­dern be­gann aber erst nach 1989. Und da ging’s nicht nur um 32 Mil­lio­nen. Wä­re doch schön, wenn die MAZ auch dar­über mal be­rich­ten wür­de. Man­fred Krä­mer: Mich wür­de echt in­ter­es­sie­ren, wenn die­se In­for­ma­ti­on rich­tig ist, wie viel von den In­hal­ten der Pa­ke­te, die wir zu DDRZei­ten an un­se­re Freun­de in Leip­zig ge­schickt ha­ben, wirk­lich dort an­kam. Die Ideo­lo­gie war doch spä­tes­tens dann zum Teu­fel, wenn es dar­um ging, end­lich mal ein Pfund Kaf­fee klau­en zu dür­fen. Na ja, das Vor­recht des So­zia­lis­ten, den Ka­pi­ta­lis­ten aus­rau­ben zu dür­fen, wenn das denn rich­tig ist.

Peter Hild: Es wä­re in­ter­es­sant zu ver­öf­fent­li­chen, an wel­chen Schalt­stel­len der heu­ti­gen Ge­sell­schaft die­se Räu­ber heu­te ar­bei­ten und wei­ter­hin ihr Un­we­sen zum Scha­den arg­lo­ser Men­schen trei­ben.

Ste­phan Ney: Was war ich als Kind wü­tend und trau­rig, wenn ich zu Weih­nach­ten mein Pa­ket aus­ge­packt hat­te, in dem ein Zet­tel vom Zoll lag, auf dem stand, was al­les raus­ge­nom­men wur­de. Das ver­ges­se ich die­sen Bon­zen nie.

Ilo­na Ra­th­ge­ber: Wo bit­te kann ich mein Hab und Gut ab­ho­len? Das wür­de mich in­ter­es­sie­ren – so als Wie­der­gut­ma­chung.

Ka­trin Go­eh­le: Wenn auf dem Pa­ket der drei­ecki­ge schwar­ze Zolls­tem­pel drauf war, wuss­ten wir, dass der Zoll sich et­was aus dem Päck­chen raus­ge­nom­men hat: Kaf­fee, Sü­ßig­kei­ten. War halt so.

FO­TO: HER­BERT ROGGE

Weih­nachts­post. Pa­ke­te für die DDR auf ei­nem Trans­port­wa­gen. Das Ar­chiv­bild ist von De­zem­ber 1976.

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