Feu­er­wehr­ver­band: Leh­rer und Se­kre­tä­rin­nen in die Weh­ren

Der Mit­glie­der­schwund bei den Frei­wil­li­gen­or­ga­ni­sa­tio­nen be­droht die Ein­satz­be­reit­schaft – jetzt sol­len öf­fent­lich Be­diens­te­te aus­hel­fen

Märkische Allgemeine - - BRANDENBURG / BERLIN - Von Ul­rich Wan­ge­mann

Pots­dam. Im Kampf ge­gen den Per­so­nal­schwund bei den Frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren will der ein­fluss­rei­che Feu­er­wehr­ver­band Mit­ar­bei­ter des öf­fent­li­chen Di­ens­tes stär­ker ein­bin­den. „Von der Se­kre­tä­rin bis zum Amts­lei­ter und Grund­schul­leh­rer müs­sen Leu­te be­reit­ste­hen, die im Brand­fall al­les ste­hen- und lie­gen­las­sen“, sag­te Prä­si­dent Wer­nerSieg­wart Schip­pel. Dies um­zu­set­zen, wer­de ei­ne Her­aus­for­de­rung, auch in recht­li­cher Hin­sicht.

„Wir be­tre­ten mit sol­chen Mo­del­len Neu­land.“Schip­pel sieht „kei­ne Al­ter­na­ti­ve“. Es müs­se si­cher­ge­stellt wer­den, dass „an kri­ti­schen Stel­len“Spe­zia­lis­ten be­reit­stün­den, die mit Atem­schutz Men­schen ret­ten oder Dreh­lei­tern be­die­nen könn­ten. „Die­se sechs Leu­te müs­sen so­fort greif­bar sein.“Zu­dem: „Das ak­tu­el­le Zu­brin­ger­ver­fah­ren ist auf die Dau­er nicht halt­bar.“

Die Lan­des­re­gie­rung will im Zug der Re­form des Brand- und Ka­ta­stro­phen­schut­zes ein neu­es Be­rufs­bild eta­blie­ren. „Kom­mu­nal­be­diens­te­te mit Feu­er­wehr­auf­ga­ben sol­len über ei­ne feu­er­wehr­tech­ni­sche Qua­li­fi­ka­ti­on ver­fü­gen, die ober­halb der Be­fä­hi­gung ei­ner eh­ren­amt­li­chen und un­ter­halb der ei­ner haupt­amt­li­chen Ein­satz­kraft an­zu­sie­deln ist.“Ex­pli­zit er­wähnt der Ent­wurf Mit­ar­bei­ter von kom­mu­na­len Bau­hö­fen. Es rei­che aber nicht aus, wenn Kom­mu­nen künf­tig ein paar Bau­hof­mit­ar­bei­ter zu­sätz­lich aus­bil­de­ten, um die Ein­satz­re­ser­ve der Feu­er­weh­ren zu stär­ken, wand­te der Ver­bands­vor­sit­zen­de Schip­pel ein: „Das muss sich auf die Ge­samt­ver­wal­tung be­zie­hen.“

Die Vor­schlä­ge Schip­pels stün­den „nicht im Ge­gen­satz zu de­nen des Mi­nis­te­ri­ums“, sagt Spre­cher Lothar Wie­gand. „Wir wen­den uns an al­le, die in Fra­ge kom­men.“Je­mand, der vor Ort ar­bei­te, sei da­bei in be­son­de­rem Ma­ße ge­eig­net, die Ta­ges­be­reit­schaft der Frei­wil­li­gen- weh­ren zu ver­stär­ken. Ei­ne Di­enst­pflicht sei aber recht­lich nicht mach­bar. Viel­mehr müs­se das Eh­ren­amt ins­ge­samt at­trak­ti­ver wer­den.

Für die Ge­werk­schaft Er­zie­hung und Wis­sen­schaft (GEW) ist die De­bat­te nicht neu, wie de­ren Lan­des­vor­sit­zen­der Gün­ther Fuchs sagt. Nach dem Oder­hoch­was­ser sei ähn­lich dis­ku­tiert wor­den. Zwangs­ver­pflich­tun­gen sei­en schon jetzt nach Be­am­ten­recht mög­lich – al­ler­dings nur im Ka­ta­stro­phen­fall. Ei­ne all­ge­mei­ne Hilfs­pflicht für Leh­rer und an­de­re Mit­ar­bei­ter des öf­fent­li­chen Di­ens­tes sei laut Fuchs „nicht sinn­voll“. Schon heu­te sei­en vie­le Leh­rer in Frei­wil­li­gen Weh­ren ak­tiv.

Und: Vie­le Orts­weh­ren könn­ten tags­über nicht mehr ge­nug Leu­te stel­len, um die Fahr­zeu­ge aus­rei­chend zu be­set­zen. „Leu­te zu­sam­men­zie­hen kos­tet Zeit“, so Schip­pel. Bei ei­nem Woh­nungs­brand sei­en 17 Mi­nu­ten ei­ne kri­ti­sche Zeit­span­ne, wol­le man Le­ben ret­ten.

FO­TO: RALF HIRSCHBERGER/DPA

Feu­er­weh­ren im Groß­ein­satz.

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