Kein El­tern­geld on­line – vor­erst

Wei­te We­ge zum Amt – Land be­fürch­tet Kos­ten und Da­ten­schutz­be­den­ken

Märkische Allgemeine - - BRANDENBURG / BERLIN - Von Tors­ten Gell­ner

Pots­dam. Bran­den­bur­ger müs­sen wei­ter­hin wei­te We­ge aufs Amt in Kauf neh­men, wenn sie El­tern­geld be­an­tra­gen wol­len. Das vor an­dert­halb Mo­na­ten in Ber­lin von Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Fran­zis­ka Gif­fey (SPD) vor­ge­stell­te neue, di­gi­ta­le An­trags­ver­fah­ren, könn­te in der Mark so­gar erst 2022 ein­ge­führt wer­den. Das geht aus ei­ner Ant­wort der Lan­des­re­gie­rung auf ei­ne An­fra­ge der SPD-Ab­ge­ord­ne­ten Hel­mut Bart­hel und Eli­sa­beth Al­ter her­vor. Sie sind ent­täuscht. Denn das Par­la­ment ha­be be­reits 2016 die Re­gie­rung auf­ge­for­dert, die Ver­wal­tung bür­ger­freund­li­cher zu ge­stal­ten mit den di­gi­ta­len Mög­lich­kei­ten.

Bran­den­burg ha­be zwar In­ter­es­se am Mo­dell­pro­jekt des Bun­des ge­zeigt, das be­reits seit 2016 ge­plant wird, teil­te das So­zi­al­mi­nis­te­ri­um mit. Doch sei­en zu vie­le Fra­gen of­fen – zum Da­ten­schutz und zu den Kos­ten. Zu­dem sei noch ei­ne Ab­stim­mung mit den Kom­mu­nen nö­tig.

Es könn­te al­so bis 2022 dau­ern, bis das El­tern­geld rein di­gi­tal be­an­tragt wer­den kann. Bis da­hin müs­sen die Län­der das so­ge­nann­te On­line-Zu­gangs­ge­setz um­ge­setzt ha­ben, das nicht we­ni­ger ver­spricht, als dass al­le Ver­wal­tungs­leis­tun­gen di­gi- tal an­ge­bo­ten und über ein Por­tal ge­bün­delt wer­den.

Die Zahl der El­tern­geld­be­zie­her im Land steigt. 2015 wur­den 42 654 An­trä­ge be­wil­ligt, 2016 wa­ren es 44 137, im Jahr dar­auf 47 330. El­tern müs­sen die mo­nat­li­che Un­ter­stüt­zung in ei­ner von 19 kom­mu­na­len El­tern­geld­stel­len be­an­tra­gen. Dort ar­bei­ten rund 80 Mit­ar­bei­ter. Wie lan­ge die durch­schnitt­li­che Be­ar­bei­tung dau­ert, ist un­be­kannt. Die Stel­len in Ber­lin sei­en be­müht, die An­trä­ge bin­nen ei­nes Mo­nats nach der Ge­burt zu ge­neh­mi­gen – so­fern die Un­ter­la­gen­kom­pletts­ind.

Ber­lin und Sach­sen be­tei­li­gen sich bis­lang am Pi­lot­pro­jekt von Mi­nis­te­rin Gif­fey. Noch hält sich der di­gi­ta­le Mehr­wert in Gren­zen: Wie bei der elek­tro­ni­schen Steu­er­er­klä­rung kann der An­trag zwar di­gi­tal über­mit­telt wer­den. Doch das For­mu­lar muss noch aus­ge­druckt und un­ter­schrie­ben wer­den. Das soll zu­min­dest auf Ver­wal­tungs­sei­te die Be­ar­bei­tung er­leich­tern und be­schleu­ni­gen. In ei­nem zwei­ten Schritt soll der Zwang zum Aus­druck weg­fal­len. Dann müs­sen aber An­la­gen wie Ge­halts­nach­wei­se oder Ge­burts­ur­kun­den wei­ter in Pa­pier­form über­mit­telt wer­den. Erst ab 2020 soll es ei­ne elek­tro­ni­sche Si­gna­tur ge­ben.

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