Pots­dam für Strom­aus­fall ge­rüs­tet

Be­hör­den, Ver­wal­tun­gen und Kli­ni­ken der Lan­des­haupt­stadt ha­ben für den Black­out of­fen­bar vor­ge­sorgt, mit Not­strom­ag­gre­ga­ten, Bat­te­ri­en und Die­sel­re­ser­ven

Märkische Allgemeine - - FRONT PAGE - Von Rai­ner Schü­ler

Pots­dam. Oh­ne Strom geht heu­te gar nichts mehr, und wir be­kom­men ihn stets und über­all aus dem Netz. Doch was pas­siert, wenn das Netz un­ver­hofft zu­sam­men­bricht? Be­hör­den, Ver­wal­tun­gen und Kli­ni­ken der Lan­des­haupt­stadt Pots­dam sind of­fen­bar für die­sen Ernst­fall ge­rüs­tet, mit Not­strom­ag­gre­ga­ten, Bat­te­ri­en und Die­sel­re­ser­ven. Das er­gab ei­ne Um­fra­ge der MAZ. Ein­schrän­kun­gen wird es beim so­ge­nann­ten Black­out den­noch ge­ben.

Pots­dam. An­schlag, Ex­trem­wet­ter, Bau­stel­len­un­fall, Tech­nikpan­ne – es gibt vie­le Grün­de für ei­nen Zu­sam­men­bruch der Strom­ver­sor­gung. Was tun die Ver­wal­tun­gen, Be­hör­den, Ver­sor­gungs- und Ver­kehrs­un­ter­neh­men Pots­dams bei ei­nem mas­si­ven Strom­aus­fall? Die MAZ hat nach­ge­fragt.

■ Das Strom­netz ist an meh­re­ren Ein­spei­se­punk­ten im Nor­den und Sü­den mit dem 110-Kilo­volt- Hoch­span­nungs­netz der Edis AG ver­bun­den. Dank ei­ner Di­rekt­ver­bin­dung zwi­schen den Um­spann­wer­ken Nu­the und Zep­pe­lin­stra­ße läuft die Ver­sor­gung, auch wenn ein­zel­ne Ein­spei­se­punk­te aus­fal­len.

■ Das Heiz­kraft­werk Süd mit 84 Me­ga­watt elek­tri­scher Leis­tung er­zeugt aus Gas 90 Pro­zent des Pots­da­mer Stroms. Wenn ei­ne oder bei­de Tur­bi­nen und da­mit Ge­ne­ra­to­ren aus­fal­len, kommt al­ler Strom aus dem Netz der Edis AG. Ein Leis­tungs­ab­fall wird aus­ge­gli­chen über an­de­re Um­spann­wer­ke; da­zu wer­den Lei­tun­gen um­ge­schal­tet. Des­halb ist nach Stö­run­gen die Ver­sor­gung re­la­tiv schnell wie­der her­ge­stellt. Gibt es star­ke Leis­tungs­ein­brü­che hat man so­ge­nann­te Las­t­ab­wür­fe ge­plant: Ei­nem Prio­ri­tä­ten­plan fol­gend, schal­ten die Um- spann­wer­ke au­to­ma­tisch ein­zel­ne Aus­gän­ge ab. Das ist je­doch in der Lan­des­haupt­stadt noch nie ge­sche­hen. Au­ßer dem Kraft­werk Süd gibt es klei­ne­re Block­heiz­kraft­wer­ke; das größ­te in der Zep­pe­lin­stra­ße hat ei­ne Strom­leis­tung von 4,3 Me­ga­watt. Auch wird an vie­len Punk­ten So­lar­strom ein­ge­speist. Zu­ge­kauf­ter Strom kommt im­mer aus dem Netz der Edis. „Un­ab­hän­gig­keit gibt es al­so nicht“, sagt Stadt­wer­ke­spre­cher Ste­fan Klotz. Für die wich­tigs­ten An­la­gen der Stadt­wer­ke gibt es ei­ne Not­strom­ver­sor­gung.

■ Im öf­fent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr rol­len beim Strom­aus­fall die Stra­ßen­bah­nen aus oder fah­ren dank Puf­fer­bat­te­ri­en noch ein Stück. Die Tü­ren al­ler Bah­nen und Bus­se las­sen sich durch den Fah­rer ma­nu­ell ent­rie­geln. Bus­se kön­nen not­be­tankt wer­den.

■ Der Kom­mu­na­le Im­mo­bi­li­en­ser­vice (Kis) hat ei­nen Not­fall­plan, um wich­ti­ge Funk­tio­nen bis zur Wie­der­her­stel­lung der Strom­ver­sor­gung zu er­hal­ten. Für Schlüs­sel-An­la­gen gibt es ei­ne un­ter­bre­chungs­freie Ver­sor­gung durch Not­strom­ag­gre­ga­te oder Bat­te­rie­an­la­gen, al­ler­dings nur et­wa ei­ne St­un­de; län­ger hält auch die Te­le­fon­an­la­ge un­ter Last nicht durch. Die Com­pu­ter-Ser­ver der Ver­wal­tung sind ab­ge­si­chert. Brand­mel­de­an­la­gen und Si­cher­heits­be­leuch­tun­gen er­hal­ten Not­strom.

■ Die Feu­er­wehr hat ei­ge­ne Strom­er­zeu­ger für die Wa­chen. Auch der Stab für au­ßer­ge­wöhn­li­che Er­eig­nis­se an der Holz­markt­stra­ße ist not­strom­ver­sorgt. Die Fahr­zeu­ge ha­ben Funk. Das Funk­netz für Be­hör­den und Or­ga­ni­sa­tio­nen mit Si­cher­heits­auf­ga­ben ist bis zu 100 St­un­den mit Brenn­stoff­zel­len und Ak­kus ver­sorgt.

■ Die Po­li­zei will dank ei­ner Not­strom­ver­sor­gung „min­des­tens zwei Ta­ge“oh­ne Elek­tri­zi­tät von au­ßen durch­kom­men, sagt Tors­ten Herbst als Spre­cher des Prä­si­di­ums. Bei ei­nem groß­flä­chi­gen Strom­aus­fall wür­den Maß­nah­men grei­fen, die „ge­eig­net sind, den Di­enst­be­trieb und die öf­fent­li­che Ord­nung auf­recht­zu­er­hal­ten“. Mit Not­strom wür­den aber nicht al­le Di­enst­be­rei­che kom­plett be­trie­ben, son­dern nur die „po­li­zei­li­chen Kern­auf­ga­ben“ge­si­chert, die No­t­ruf­an­nah­me et­wa und die in­ne­re Kom­mu­ni­ka­ti­on per Te­le­fon und Com­pu­ter. „Fahr­stüh­le zäh­len da­zu nicht.“Man kön­ne Trep­pen be­nut­zen.

„Groß­flä­chi­ge Strom­aus­fäl­le mit Aus­wir­kun­gen auf das Po­li­zei­prä­si­di­um hat­ten wir bis­her nicht“, sag­te Herbst ge­gen­über der MAZ. „Zu klei­ne­ren, re­gio­nal sehr be­grenz­ten Strom­aus­fäl­len kam es im­mer mal wie­der. Die öf­fent­li­che Si­cher­heit und Ord­nung war nicht ge­fähr­det.

■ Das städ­ti­sche Kli­ni­kum „Ernst von Bergmann“be­kommt Strom di­rekt von der Edis. Beim Netz­aus­fall über­neh­men bin­nen 15 Se­kun­den zwei 2800 PS star­ke Die­sel­ag­gre­ga­te am Stand­ort Char­lot­ten­stra­ße. Die Kli­nik für Psych­ia­trie In der Aue hat ei­ne 600 PS star­ke Netzer­satz­an­la­ge. Not­strom ver­sorgt In­ten­siv­bet­ten, OPs, Hei­zungs-, Lüf­tungs-, Käl­te-, und Druck­luft­an­la­gen, Si­cher­heits­licht, Brand­mel­der so­wie die Re­chen- und Da­ten­tech­nik. Die Rech­ner fal­len dank Ak­kus und Bat­te­ri­en auch in den 15 Se­kun­den Um­schalt­zeit nicht aus. Die Die­sel kom­men sie­ben Ta­ge oh­ne neu­en Kraft­stoff aus. Die Re­ser­ven sind kurz­fris­tig auf­füll­bar.

■ Das St. Jo­sefs-Kran­ken­haus der Ale­xia­ner si­chert ei­nen Not­be­trieb der „ret­ten­den Ab­tei­lun­gen“per Die­sel­ag­gre­gat. Bin­nen zwei St­un­den be­kommt man auch neu­en Brenn­stoff. Der Not­strom re­agiert bin­nen Se­kun­den schon bei Schwan­kun­gen. 85 Pro­zent des Kran­ken­hau­ses kön­nen so ver­sorgt wer­den. Fahr­stüh­le fah­ren beim Strom­aus­fall in den Kel­ler, öff­nen die Tü­ren, blei­ben un­ten, sind aber ein­zeln mit Not­strom zu be­trei­ben. Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on und Com­pu­ter bre­chen nicht zu­sam­men.

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