„Tat­ort“: Das sind die Lo­gik­feh­ler

Un­ge­reimt­hei­ten im Wie­ner Fall

Märkische Allgemeine - - MEDIEN / WETTER - Von Tilmann P. Gang­loff

Wi­en. Po­lit­thril­ler neh­men sel­ten ein gu­tes En­de: Die klei­nen Fi­sche blei­ben auf der Stre­cke, die Draht­zie­her kom­men un­ge­scho­ren da­von; der Schluss die­ses „Tat­orts“aus Wi­en war al­so ei­gent­lich recht rea­lis­tisch.

Ei­ni­ge Aspek­te wa­ren das aber nicht: Das Duo Eis­ner/Fell­ner jagt ei­nen skru­pel­lo­sen Waf­fen­händ­ler, der of­fen­bar kalt­blü­tig ei­ne läs­ti­ge Jour­na­lis­tin aus dem Weg ge­räumt hat. Am En­de ent­puppt sich der Mord doch wie­der als Be­zie­hungs­tat; da­bei mach­te die Freun­din der To­ten ei­nen ver­nünf­ti­gen Ein­druck.

Doch hier wirkt die Hand­lung kon­stru­iert: Weil sie kei­ne Waf­fe hat­te, ließ sich die Freun­din auf ein Sex­spiel ein, um den Mann an­schlie­ßend zu stran­gu­lie­ren – mehr Ef­fekt als Lo­gik. Ähn­lich kom­pli­ziert war ih­re Ins­ze­nie­rung der to­ten Freun­din: Erst hat sie der Frau die Mord­waf­fe in die Hand ge­drückt und die Pis­to­le mit Kle­be­band fi­xiert; und dann hat sie das Au­to mit der Lei­che in ei­nen See ge­scho­ben. Das er­gab zwar ein reiz­vol­les Mo­tiv für die Ka­me­ra, aber we­nig Sinn. Und die Pis­to­le hät­te sie ja spä­ter durch­aus für den Mord an dem Waf­fen­händ­ler ge­braucht.

An­de­rer­seits ist es ein kla­res Qua­li­täts­merk­mal, dass die­se Un­ge­reimt­hei­ten nicht zu Stol­per­stei­nen wur­den; „Wah­re Lü­gen“ist trotz­dem ein von vorn bis hin­ten fes­seln­der Kri­mi. Am En­de blieb zwar noch die ei­ne oder an­de­re Fra­ge of­fen – wie ist der Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter vor 37 Jah­ren wirk­lich ge­stor­ben, wer hat den In­for­man­ten auf dem Ge­wis­sen? –, aber auch das ge­hört zu ei­nem gu­ten Po­lit­thril­ler. Und wer weiß: Viel­leicht greift Tho­mas Roth (Buch und Re­gie) das The­ma ja noch ein­mal auf.

FO­TO: P. DOMENIGG/ARD

Mo­ritz Eis­ner (Ha­rald Krass­nit­zer)

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