Rus­si­scher Exi­lant tot in Lon­don auf­ge­fun­den

Streit zwi­schen Lon­don und Mos­kau es­ka­liert

Märkische Oderzeitung Angerm‎ünde - - Vorderseite - HEN­DRIK BEB­BER

Lon­don (AFP) Kurz nach dem Gift­an­schlag auf den rus­si­schen Ex-spi­on Ser­gej Skri­pal ist in Groß­bri­tan­ni­en der rus­si­sche Exi­lant Ni­ko­lai Glusch­kow tot auf­ge­fun­den wor­den. Bei dem in Lon­don ge­fun­de­nen Mann hand­le es sich um ei­nen frü­he­ren Mit­ar­bei­ter des Kreml-kri­ti­kers Bo­ris Be­re­sow­ski, der sei­ner­seits 2013 un­ter un­ge­klär­ten Um­stän­den na­he Lon­don ge­stor­ben war, be­rich­te­ten bri­ti­sche und rus­si­sche Me­di­en am Di­ens­tag. Die bri­ti­sche An­titer­ror-po­li­zei lei­te­te nach ei­ge­nen An­ga­ben ei­ne Un­ter­su­chung ein. Es sei „noch nicht klar, ob es sich um ei­nen Mord oder Selbst­mord han­delt“. Ein Spre­cher der Po­li­zei be­ton­te, es ge­be „kei­ne Hin­wei­se auf ei­ne Ver­bin­dung zu dem Vor­fall in Sa­lis­bu­ry“.

In der eng­li­schen Kle­in­stadt war am 4. März ein Gift­an­schlag auf den Ex-dop­pel­agen­ten Ser­gej Skri­pal und des­sen Toch­ter ver­übt wor­den. Bei­de lie­gen seit dem im Kran­ken­haus. Der Fall lös­te ei­nen hef­ti­ge Streit aus, weil Lon­don Russ­land des An­schlags be­schul­digt. Heu­te Vor­mit­tag läuft ein Ul­ti­ma­tum von Lon­don aus.

Schon kur­sie­ren im In­ter­net al­te Ka­ri­ka­tu­ren aus dem Krim­krieg (1853-1856), auf de­nen der bri­ti­sche Lö­we dem rus­si­schen Bä­ren die Zäh­ne zeigt. The­re­sa Mays An­kla­ge, dass „der rus­si­sche Staat ei­nen un­ge­setz­li­chen Ge­walt­akt ge­gen das Ver­ei­nig­te Kö­nig­reich aus­üb­te“, steht nur ei­ne Stu­fe un­ter ei­ner Kriegs­er­klä­rung. Die Rhe­to­rik bei­sei­te ge­las­sen wa­ren die rus­sisch-bri­ti­schen Be­zie­hun­gen wohl seit den acht­zi­ger Jah­ren nie so schlecht wie heu­te.

Die bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin steht jetzt im Zug­zwang, die an­ge­droh­ten Sank­tio­nen zu ver­hän­gen. Da­bei ist sie auf ei­ne in­ter­na­tio­na­le Al­li­anz an­ge­wie­sen, wenn sie wirk­lich die mut­maß­li­chen Draht­zie­her des An­schlags tref­fen will. Doch da­bei hat sie nicht die bes­ten Kar­ten. Us-prä­si­dent Trump ist ein Be­wun­de­rer Wla­di­mir Pu­tins, den er als „smart guy“be­zeich­net, und die EU ist zur So­li­da­ri­tät mit sei­nem ab­trün­ni­gen Mit­glied ge­for­dert. Die­se wur­de May zwar zu­ge­si­chert, doch gleich­zei­tig ist nicht nur die Bun­des­kanz­le­rin dar­an in­ter­es­siert, den Mins­ker Frie­dens­pro­zess mit Mos­kau wie­der in Gang zu brin­gen.

Wla­di­mir Pu­tin ge­nießt der­weil Mays „Zir­kus­num­mer“– so die rus­si­sche Re­gie­rungs­spre­che­rin –, wäh­rend in Lon­don be­reits die Mög­lich­keit ei­nes „Cy­ber­kriegs“ge­gen Russ­land dis­ku­tiert wird.

Fo­to: dpa/and­rew Mat­t­hews

Ein Po­li­zist steht vor ei­nem Pub in Sa­lis­bu­ry, in dem Spu­ren ei­nes Ner­ven­gifts ge­fun­den wur­den.

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