Aus Sor­ge der Be­fan­gen­heit

Karls­ru­her Ver­hand­lung über Ster­be­hil­fe oh­ne Ex-cdu-po­li­ti­ker Mül­ler

Märkische Oderzeitung Angerm‎ünde - - Nachrichten -

Karls­ru­he (AFP) Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt wird oh­ne den Rich­ter und frü­he­ren saar­län­di­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Pe­ter Mül­ler über das Ver­bot der ge­schäfts­mä­ßi­gen Ster­be­hil­fe ent­schei­den. We­gen der Be­sorg­nis der Be­fan­gen­heit wird Mül­ler an dem Ver­fah­ren nicht mit­wir­ken, wie das Karls­ru­her Ge­richt am Di­ens­tag mit­teil­te. Hin­ter­grund ist dem­nach, dass er sich als saar­län­di­scher Re­gie­rungs­chef in der Fra­ge klar po­si­tio­nier­te und ent­schei­dend an den nun um­strit­te­nen Ge­set­zes­re­ge­lun­gen mit­wirk­te.

Mül­ler hat­te sich als Mi­nis­ter­prä­si­dent ge­gen ak­ti­ve Ster­be­hil­fe aus­ge­spro­chen und be­reits 2006 auch ei­nen Ge­setz­ent­wurf in den Bun­des­rat ein­ge­bracht. Die­ser fand in der Län­der­kam­mer zwar kei­ne Mehr­heit, doch ein En­de 2015 be­schlos­se­nes Ge­setz be­ruht laut dem Ver­fas­sungs­ge­richt auf ei­nem Ent­wurf, der mehr­fach auf die Initia­ti­ve Mül­lers Be­zug nimmt.

Das höchs­te deut­sche Ge­richt in Karls­ru­he will noch in die­sem Jahr über den um­strit­te­nen Pa­ra­gra­fen 217 des Straf­ge­setz­buchs zum Ver­bot der ge­schäfts­mä­ßi­gen För­de­rung der Selbst­tö­tung ver­han­deln. Ge­gen die­se Re­ge­lung rich­tet sich die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ei­nes Ster­be­hil­fe­ver­eins.

Noch vor der Ver­hand­lung ent­schied nun der zu­stän­di­ge zwei­te Se­nat des Ver­fas­sungs­ge­richts, dass Mül­ler dar­an we­gen der Be­sorg­nis der Be­fan­gen­heit nicht teil­neh­men darf. Das Ver­fas­sungs­ge­richt wies al­ler­dings auch aus­drück­lich dar­auf hin, Maß­stab für ei­ne Be­sorg­nis der Be­fan­gen­heit sei nicht, „ob ein Rich­ter tat­säch­lich par­tei­lich oder be­fan­gen ist“. Es ge­he dar­um, ob Ver­fah­rens­be­tei­lig­te An­lass ha­ben könn­ten, „an der Un­vor­ein­ge­nom­men­heit des Rich­ters zu zwei­feln“. Als Ver­tre­ter Mül­lers in dem Ver­fah­ren wird durch ein Los ein Rich­ter des ers­ten Se­nats des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts be­stimmt.

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