Viel Ar­beit im Zwerg­staat

Fürst Al­bert II. ver­sucht, sich mo­dern zu ge­ben / Heu­te fei­ert Mo­na­cos Staats­chef sei­nen 60. Ge­burts­tag

Märkische Oderzeitung Angerm‎ünde - - Aus Aller Welt - Von SE­BAS­TI­AN KU­NI­GKEIT und CHRIS­TI­AN BÖH­MER

Mo­na­co (dpa) Mo­na­co gibt sich ger­ne als schil­lern­der Jet­set-tum­mel­platz an der Côte d’azur. Staats­chef Al­bert II. ver­sucht, das Mi­ni-land fit für die Zu­kunft zu ma­chen. Nun fei­ert der Sou­ve­rän ei­nen run­den Ge­burts­tag.

Al­bert II. ist kein Fürst spek­ta­ku­lä­rer Auf­trit­te. Mo­na­cos Ober­haupt ab­sol­viert im Hei­mat­land und in der gan­zen Welt eher dis­kret Hun­der­te Ter­mi­ne im Jahr. Sei­nen 60. Ge­burts­tag heu­te nimmt der bis­wei­len zu­rück­hal­tend wir­ken­de Sou­ve­rän zum An­lass, um für sein Her­zens­an­lie­gen zu wer­ben: den Um­welt­schutz. Das gro­ße Kon­zert zu sei­nen Eh­ren in der Ka­the­dra­le von Mo­na­co steht un­ter dem Mot­to „Er­halt der Schöp­fung“.

Als Fürst ist der seit zwölf Jah­ren re­gie­ren­de Al­bert längst aus dem Schat­ten sei­nes Va­ters Rai­nier III. her­aus­ge­tre­ten. Da­bei ver­folgt er kla­re Zie­le. Er be­müht sich, das Jet­set-pa­ra­dies an der Ri­vie­ra vom Schmud­deli­mage ei­nes Steu­er­pa­ra­die­ses zu be­frei­en. Zu­dem muss wie­der Ru­he in den Jus­tiz­ap­pa­rat des Lan­des ge­bracht wer­den, nach­dem der mäch­ti­ge Lei­ter der Jus­tiz­ver­wal­tung nach Me­di­en-ent­hül­lun­gen 2017 vor­zei­tig in den Ru­he­stand wech­sel­te.

Der Staats­chef ver­sucht, sich mo­dern und auf­ge­schlos­sen zu ge­ben. Er kön­ne sich durch­aus vor­stel­len, sein Amt ir­gend­wann vor­zei­tig ab­zu­ge­ben – al­so nicht bis zu sei­nem Tod Staats­ober­haupt zu blei­ben, be­kann­te er ein­mal in ei­nem Fern­seh­in­ter­view. Kör­per­lich sei­en die fürst­li­chen Ver­pflich­tun­gen teil­wei­se an­stren­gend. Die Mo­der­ni­tät hat aber auch Gren­zen. So wird Al­bert im fran­zö­si­schen Fern­se­hen im­mer noch pro­to­koll­ge­recht mit der förm­li­chen Adels-an­re­de „Mons­ei­gneur“an­ge­spro­chen.

Als Sohn von Hol­ly­woo­dschön­heit Gra­ce Kel­ly (1929– 1982) weiß Al­bert, wie es ist, im Schein­wer­fer­licht zu ste­hen. Er stu­dier­te in den USA und wur­de seit En­de der 80er-jah­re im­mer stär­ker in die Ver­wal­tung des Kle­in­staa­tes ein­ge­bun­den. Als er nach dem Tod sei­nes Va­ters 2005 die Amts­ge­schäf­te über- nahm, zog er auch ei­nen Strich un­ter sein bis da­hin eher flat­ter­haf­tes Pri­vat­le­ben und er­kann­te zwei un­ehe­li­che Kin­der an.

Zu Al­berts 50. war­te­te sein Zwerg­staat noch sehn­süch­tig auf Hoch­zeit und Nach­wuchs des Re­gen­ten. In­zwi­schen hat er die­se Er­war­tun­gen er­füllt und ist da­mit ge­wis­ser­ma­ßen auch end­gül­tig in sei­ne Re­gen­ten­rol­le ge­schlüpft: Bil­der­buch­hoch­zeit mit Fürs­tin Char­lè­ne 2011, Ge­burt von Erb­prinz Jac­ques und Zwil­lings­schwes­ter Ga­b­ri­el­la drei Jah­re spä­ter. Der Mann, der lan­ge als ewi­ger Jung­ge­sel­le galt, sin­niert jetzt als für­sorg­li­cher Va­ter öf­fent­lich dar­über nach, wie sei­ne Kin­der lang­sam an ih­re künf­ti­ge Rol­le her­an­ge­führt wer­den kön­nen.

Drei Jah­re sind die bei­den Blond­schöp­fe in­zwi­schen alt, und sie ver­zü­cken mit Auf­trit­ten an der Sei­te ih­rer El­tern. Vor Kur­zem erst schau­ten sie mit gro­ßen Au­gen zu, wie Al­bert und Char­lè­ne beim Fest der Hei­li­gen De­vo­ta – der Schutz­pa­tro­nin Mo­na­cos – tra­di­ti­ons­ge­mäß ein Holz­boot an­zün­de­ten. Die Ge­burt der Zwil­lin­ge ha­be sein Le­ben völ­lig ver­än­dert, sagt Al­bert.

Da­ne­ben be­geis­tert Al­bert sich vor al­lem für den Sport – ein Fai­b­le, das er mit der frü­he­ren Pro­fi­schwim­me­rin Char­lè­ne ge­mein­sam hat. Bei den Olym­pi­schen Win­ter­spie­len in Pyeong­chang kom­men­tier­te er im fran­zö­si­schen Fern­se­hen ex­per­ten­mä­ßig den Bob-wett­kampf, fünf­mal war er selbst in die­ser Dis­zi­plin für sein Land bei Olym­pia an­ge­tre­ten.

Fo­to: dpa/ap/clau­de Pa­ris

Ist end­gül­tig in sei­ne Re­gen­ten­rol­le ge­schlüpft: Fürst Al­bert II. von Mo­na­co, sei­ne Frau Char­lè­ne so­wie die Zwil­lin­ge Jac­ques und Ga­b­ri­el­la ste­hen wäh­rend der Fei­er­lich­kei­ten an­läss­lich des mo­ne­gas­si­schen Na­tio­nal­fei­er­ta­ges am Fens­ter des Fürs­ten­pa­las­tes.

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