Po­li­ti­sche Ad­op­tio­nen kaum er­forscht

Bil­dungs­mi­nis­te­ri­um prä­sen­tiert Vor­stu­die zu Ddr-zwangs­ent­zie­hun­gen

Märkische Oderzeitung Angerm‎ünde - - Brandenburg -

Pots­dam (ndt) Das Phä­no­men po­li­tisch mo­ti­vier­ter Ad­op­tio­nen in der DDR ist nach Aus­sa­gen von Bran­den­burgs Bil­dungs­mi­nis­te­rin Brit­ta Ernst (SPD) bis­lang nur punk­tu­ell er­forscht. Ernst prä­sen­tier­te am Di­ens­tag mit der Ost­be­auf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung Iris Glei­cke ei­ne Vor­stu­die zu „Di­men­sio­nen und wis­sen­schaft­li­che Nach­prüf­bar­keit po­li­ti­scher Mo­ti­va­ti­on in Ddr-ad­op­ti­ons­ver­fah­ren 1966 – 1990“, die das Zen­trum für Zeit­his­to­ri­sche For­schung Pots­dam (ZZF) im Auf­trag der Bun­des­re­gie­rung und des Bil­dungs­mi­nis­te­ri­ums er­ar­bei­tet hat.

Die Stu­die zei­ge, dass es bis 1990 in der DDR zu po­li­tisch be­grün­de­ten Ad­op­ti­ons­ver­fah­ren ge­kom­men ist, die nach all­ge­mei­nen rechts­staat­li­chen Maß­stä­ben als Un­recht be­zeich­net wer­den kön­nen, heißt es in ei­ner Pres­se­mit­tei­lung. „Sie zeigt auch, dass die Be­deu­tung und in ge­wis­sen Gren­zen auch der Um­fang po­li­tisch mo­ti­vier­ter Ad­op­ti­ons­ver­fah­ren in der Sed-dik­ta­tur im Rah­men ei­ner Haupt­stu­die er­forscht wer­den kön­nen“, sagt Ernst und si­chert ei­nen sen­si­blen Um­gang mit Ein­zel­schick­sa­len zu. Man wol­le sich ei­nem Aspekt des Sed-un­rechts nä­hern, „der kaum nach­voll­zieh­ba­re Spu­ren hin­ter­ließ und des­sen Aus­maß un­be­kannt ist.“

De­fi­niert wer­den po­li­tisch mo­ti­vier­te Ad­op­tio­nen in der DDR durch die Au­to­ren als „staat­li­che Maß­nah­me der Her­aus­nah­me ei- nes oder meh­re­rer Kin­der aus ei­ner Fa­mi­lie und de­ren Wie­der­ein­glie­de­rung in ei­ne an­de­re Fa­mi­lie ge­gen den of­fen­sicht­li­chen Wil­len der leib­li­chen El­tern, wo­bei die Ahn­dung von Ver­hal­tens­wei­sen der El­tern, die of­fen­kun­dig nicht das Wohl des be­tref­fen­den Kin­des ge­fähr­de­ten, das zen­tra­le Mo­tiv die­ser Maß­nah­me dar­stell­te.“Die Au­to­ren ha­ben hoch­ge­rech­net, dass es ins­ge­samt zu et­wa 340 Fäl­len ge­kom­men sein könn­te, was nun ei­ne um­fang­rei­che­re Stu­die auf­hel­len soll. Die Au­f­ar­bei­tung, be­to­nen Ernst und Glei­cke, stel­le ei­ne ge­schichts­wis­sen­schaft­li­che und ge­sell­schafts­po­li­ti­sche Her­aus­for­de­rung dar und er­for­de­re die Ein­be­zie­hung von Op­fer­ver­bän­den.

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