Die Zeit ist reif

Ers­te Au­ber­gi­nen aus Bran­den­bur­ger Ge­wächs­häu­sern / Kun­den wol­len re­gio­na­les Ge­mü­se

Märkische Oderzeitung Angerm‎ünde - - Brandenburg - Von GU­DRUN JA­NI­CKE

Fretzdorf (dpa) Die dun­kel­vio­let­te bis schwar­ze Fär­bung ist das Er­ken­nungs­merk­mal der Frucht: Erst­mals wer­den Au­ber­gi­nen in Bran­den­burg nach An­ga­ben des Lan­des­gar­ten­bau­ver­ban­des ge­werbs­mä­ßig in gro­ßem Stil an­ge­baut. Die zwi­schen 225 und 350 Gramm schwe­ren und et­wa 20 Zen­ti­me­ter lan­gen Früch­te wer­den der­zeit in Nord­bran­den­burg in den Ge­wächs­häu­sern der Wer­der Frucht Gm­bh ge­ern­tet. „Die Zeit war reif, Kun­den wol­len vor al­lem re­gio­na­les Obst und Ge­mü­se“, sag­te Pe­tra Lack, Ge­schäfts­füh­re­rin der Wer­der Frucht Gm­bh in Wer­der (Pots­dam-mit­tel­mark). „Und wir woll­ten nach dem Er­folg mit Ge­wächs­hausPa­pri­ka aus Bran­den­burg ein neu­es Pro­dukt an­bie­ten.“

Au­ber­gi­nen stam­men ver­mut­lich aus Asi­en. Sie wer­den dort in vie­len Grö­ßen an­ge­baut: von klein und ku­ge­lig bis zu gro­ßen wuch­ti­gen Ex­em­pla­ren. Sie ge­hö­ren zu den Nacht­schat­ten­ge­wäch­sen.

„Au­ber­gi­nen sind sehr sen­si­ble Pflan­zen“, sag­te Andre­as Jen­de, Ge­schäfts­füh­rer des Gar­ten­bau­ver­ban­des Ber­lin-bran­den­burg. Deutsch­land­weit gibt es nach sei­nen An­ga­ben kei­ne an­de­ren Be­trie­be, die die­ses Ge­mü­se an­bau­en. Für das zu­neh­men­de In­ter­es­se sei vor al­lem der Trend zu me­di­ter­ra­ner Kü­che so­wie nach Obst und Ge­mü­se aus der Re­gi­on ver­ant­wort­lich. „Gärt­ner sind auch im­mer ex­pe­ri­men­tier­freu­dig und be­schäf­ti­gen sich mit dem An­bau auch von Exo­ten, die in un­se­ren Brei­ten nicht so üb­lich sind“, sag­te er.

In Fretzdorf (Ost­p­ri­gnitz-rup­pin) ge­dei­hen die Pflan­zen bei Wer­der Frucht auf et­wa 0,5 Hekt­ar un­ter Glas, die Tem­pe­ra­tu­ren lie­gen bei 16 und 21 Grad Cel­si­us. Die ers­ten Setz­lin­ge – et­wa 15 bis 20 Zen­ti­me­ter groß – ka­men En­de Fe­bru­ar in den Bo­den. Jetzt ha­ben die Sor­ten „Ky­lie“und „An­ge­la“ei­ne Grö­ße von et­wa ei­nem Me­ter er­reicht. Pro Pflan­ze wach­sen 100 bis 200 Früch­te in der Sai­son her­an. Mit der Ern­te­sche­re wer­den die rei­fen Au­ber­gi­nen ab­ge­schnit­ten – vier­mal in der Wo­che. Bis zum Herbst sol­len nach An­ga­ben von Lack ins­ge­samt 120 bis 140 Ton­nen an Ber­li­ner Su­per­märk­te ge­hen.

Die Nach­fra­ge sei sehr groß und ein gu­tes fi­nan­zi­el­les Er­geb­nis zu er­war­ten, sag­te Lack. 2015 hat­te der Be­trieb als ers­ter in Bran­den­burg Pa­pri­ka – eben­falls ein Nacht­schat­ten­ge­wächs – un­ter Glas an­ge­baut. Zu­nächst nur grü­ne und ro­te, mitt­ler­wei­le auch oran­ge­far­be­ne. Neue Ge­wächs­häu­ser ent­stan­den. Pro Tag wer­den in der Sai­son et­wa sie­ben Ton­nen Pa­pri­ka ge­ern­tet. Ins­ge­samt be­wirt­schaf­tet das Un­ter­neh­men 25 Hekt­ar Ge­wächs­häu­ser, vor al­lem für To­ma­ten und Gur­ken. Zu­dem ste­hen auf 150 Hekt­ar Obst­bäu­me und Bee­ren.

Der Prä­si­dent des Gar­ten­bau­ver­ban­des, Klaus Hen­schel, Ge­schäfts­füh­rer der Fon­ta­na Gar­ten­bau Gm­bh in Man­sch­now (Mär­kisch-oder­land), sieht noch nicht das En­de der Mög­lich­kei­ten für den hie­si­gen An­bau von Obst- und Ge­mü­se­sor­ten, die ei­gent­lich in süd­li­che­ren Ge­fil­den be­hei­ma­tet sind. „Bei Bee­ren­obst ist noch viel mög­lich, da ist noch nicht al­les aus­ge­reizt“, sag­te er. Auch mit Chi­li wer­de ge­ar­bei­tet. Im­mer in­ter­es­san­ter für pro­fes­sio­nel­len An­bau und Ver­mark­tung wer­de auch die Aro­nia­bee­re. „Es dau­ert auch nicht mehr lan­ge, dann küm­mern sich Obst­bau­ern um das Ge­dei­hen der Go­ji­bee­re“, sag­te er. Als Su­per­food wer­de die Frucht, die bis­lang im­por­tiert wer­den müs­se, im­mer be­lieb­ter.

Fo­to: dpa/bernd Sett­nik

Ge­frag­tes Ge­mü­se: Erst­mals wer­den Au­ber­gi­nen in Bran­den­burg in gro­ßem Stil ge­werbs­mä­ßig an­ge­baut.

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