Su­che nach Kin­der­geld-be­trü­gern

Be­hör­den wol­len bes­ser ko­ope­rie­ren / Po­li­zei­ge­werk­schafts-chef Wendt: „Da sind wir noch auf St­ein­zeit­ni­veau“

Märkische Oderzeitung Angerm‎ünde - - Vorderseite - VON MICHA­EL GA­BEL

Ber­lin. Die Fa­mi­li­en­kas­sen in­ten­si­vie­ren ih­re Su­che nach Kin­der­geld-be­trü­gern. Mit ge­fälsch­ten Ge­burts­ur­kun­den oder Päs­sen wür­den die Be­hör­den ge­täuscht und in vie­len Fäl­len un­be­rech­tig­ter­wei­se Kin­der­geld be­zo­gen, hieß es am Frei­tag.

Der Chef der Deut­schen Po­li­zei­ge­werk­schaft, Rai­ner Wendt, hält bei der Auf­de­ckung von Be­trugs­fäl­len „ein Min­dest­maß an Ver­net­zung der un­ter­schied­li­chen Be­hör­den“für zwin­gend er­for­der­lich. „Da sind wir noch auf St­ein­zeit­ni­veau“, be­klagt er im Ge­spräch mit die­ser Zei­tung. Auch sei­en Plau­si­bi­li­täts­prü­fun­gen bis­her nicht die Re­gel. Ent­spre­chend an­fäl­lig sei das Sys­tem.

Be­gin­nen sol­len die Kon­trol­len laut „Spie­gel“in Ham­burg und Bre­men. Ab kom­men­dem Jahr sind für die ins­ge­samt 14 re­gio­na­len Fa­mi­li­en­kas­sen je zwei zu­sätz­li­che Be­schäf­tig­te vor­ge­se­hen, die aus­schließ­lich nach Miss­brauchs­fäl­len fahn­den. Zu­dem wol­len die Be­hör­den künf­tig in­ten­si­ver mit Zoll, Schul­äm­tern, Ein­woh­ner­mel­de­äm­tern, Steu­er­be­hör­den so­wie aus­län­di­schen Äm­tern ko­ope­rie­ren.

Mit der Aus­wei­tung der Kon­trol­len re­agie­ren die Fa­mi­li­en­kas­sen auf den deut­li­chen An­stieg der Zahl der Aus­län­der aus dem eu­ro­päi­schen Wirt­schafts­raum, die in Deutsch­land Kin­der­geld be­zie­hen. Kon­trol­len in Nord­rhein-west­fa­len er­ga­ben Hin­wei­se auf zahl­rei­che Be­trugs­fäl­le. Meist wa­ren Ro­ma-fa­mi­li­en aus Ru­mä­ni­en oder Bul­ga­ri­en da­rin ver­wi­ckelt. Spd-che­fin Andrea Nah­les sprach von „Kin­der­geld-ab­zo­cke“als „Or­ga­ni­sier­ter Kri­mi­na­li­tät“. „Es gibt kei­ne Ver­an­las­sung, dass wir das dul­den“, be­ton­te sie.

Nah­les setzt sich schon seit Län­ge­rem da­für ein, dass das Kin­der­geld je nach Her­kunfts­land der El­tern ge­staf­felt wird. Die Eu-kom­mis­si­on hat sol­chen Plä­nen am Frei­tag aber ei­ne Ab­sa­ge er­teilt. „Mo­bi­le Ar­beit­neh­mer ha­ben un­ab­hän­gig vom Wohn­ort ih­rer Kin­der An­spruch auf die glei­chen Kin­der­zu­la­gen wie ein­hei­mi­sche Ar­beit­neh­mer“, teil­te ei­ne Spre­che­rin mit.

Die In­te­gra­ti­ons­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung, An­net­te Wid­mann-mauz, geht nicht da­von aus, dass es sich bei den Be­trü­ge­rei­en mit Kin­der­geld um ein Mas­sen­phä­no­men han­delt. „Die meis­ten aus­län­di­schen Staats­bür­ger, die in Deutsch­land le­ben, ar­bei­ten hier und zah­len in die So­zi­al­kas­sen ein“, sag­te sie.

Al­ler­dings gibt es bei den Be­trugs­fäl­len ein gro­ßes Dun­kel­feld, wie der von den Be­hör­den ver­mu­te­te Scha­den in Hö­he von 100 Mil­lio­nen Eu­ro jähr­lich zeigt. Bei den Kon­trol­len in Nord­rheinwest­fa­len war auf­ge­fal­len, dass El­tern aus Ru­mä­ni­en und Bul­ga­ri­en ge­fälsch­te Ge­burts­ur­kun­den über Kin­der vor­leg­ten, die gar nicht exis­tier­ten.

Der Ober­bür­ger­meis­ter von Duis­burg, Sö­ren Link (SPD), hat­te dar­über be­rich­tet, dass kri­mi­nel­le Schlep­per „ge­zielt Ro­ma nach Duis­burg brin­gen, ih­nen ei­ne häu­fig her­un­ter­ge­kom­me­ne Woh­nung ver­schaf­fen, da­mit sie ei­nen Wohn­sitz zum Be­zug des Kin­der­gel­des ha­ben.“

Mehr zu dem The­ma un­ter: www.moz.de/kin­der­geld

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