Die Macht­be­wuss­te

Wo­mög­lich frü­her als ge­plant muss sich Kramp-kar­ren­bau­er ent­schei­den: Will sie Kanz­ler­kan­di­da­tin werden?

Märkische Oderzeitung Angerm‎ünde - - Blickpunkt -

Ir­gend­wann ist sie ein­fach da. Kein Rein­rau­schen, kei­ne Will­kom­mens­mu­sik, kein Ge­fol­ge be­glei­ten die An­kunft der Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin. An­ne­gret Kramp-kar­ren­bau­er greift sich ein Glas Was­ser und ei­ne tro­cke­ne Bre­zel, dann ist sie start­klar.

Aber wo der her­aus­for­dern­de West­fa­le Spahn viel­leicht zu an­ders ist als Mer­kel, könn­te die Saar­län­de­rin als zu ähn­lich wahr­ge­nom­men werden: Frau, prak­ti­sche Fri­sur, schnell im Kopf, nüch­tern in der Art. Da­bei un­ter­schei­det die bei­den Po­li­ti­ke­rin­nen viel: Kramp-kar­ren­bau­er agiert zu­ge­wand­ter und wär­mer, ist fest ver­an­kert in der west­deut­schen CDU, sie ist ka­tho­lisch und Mut­ter von drei Kin­dern.

In ih­rem Buch ant­wor­tet sie auf die Fra­ge, was sie an Kanz­le­rin Mer­kel am meis­ten be­ein­dru­cke: „Die Klug­heit, mit der sie es zu ih­rem Vor­teil ge­nutzt hat, dass sie oft un­ter­schätzt wur­de. Aber auch die kla­re Här­te, mit der sie sich durch­ge­setzt hat, als es dar­auf an­kam.“Das klingt wie ei­ne per­fek­te Selbst­be­schrei­bung. Wo­bei das mit der Här­te bei der net­ten Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin aus dem Saar­land wo­mög­lich noch aus­ge­präg­ter ist als bei der Kanz­le­rin: Kalt­blü­tig bei­spiels­wei­se be­en­de­te sie 2012 die ers­te Ja­mai­ka-ko­ali­ti­on auf Lan­des­ebe­ne bei ihr da­heim in Saar­brü­cken. Üb­ri­gens ge­gen den aus­drück­li­chen Rat der Kanz­le­rin und aus­ge­rech­net am Drei­kö­nigs­tag, als die Li­be­ra­len sich tra­di­ti­ons­ge­mäß in Stutt­gart fei­ern woll­ten. In der Cdu-par­tei­zen­tra­le räum­te die Ge­ne­ra­lin auf. Sie schuf so­gar das Mit­tag­es­sen bei der Vor­stands­sit­zung ab. Wer Hun­ger hat, muss sich nun drau­ßen be­die­nen. Drin­nen wird ge­ar­bei­tet.

AKK kann aber auch hol­zen. Als es um ih­re Wie­der­wahl 2017 als Mi­nis­ter­prä­si­den­tin ging, un­ter­sag­te sie pu­bli­kums­wirk­sam tür­ki­sche Wahl­kampf­auf­trit­te, ob­wohl mit de­nen an der Saar

Zur Fast­nacht tritt sie als Putz­frau Gre­tel mit Kopf­tuch und Kit­tel­schür­ze auf

nicht wirk­lich zu rech­nen war. Die AFD be­zeich­ne­te sie als Rat­ten­fän­ger – und nahm auch nach Em­pö­rung über die­se Wort­wahl kei­ne Sil­be zu­rück. Für Kram­pKar­ren­bau­ers Selbst­be­wusst­sein spre­chen ih­re le­gen­dä­ren Fast­nacht-auf­trit­te als Putz­frau Gre­tel mit Kopf­tuch und Kit­tel­schür­ze. Auf dem Deutsch­land­tag der Jun­gen Uni­on ver­gan­ge­nes Wo­che­n­en­de zog sie sich um­stands­los die ge­schenk­te Re­gen­ja­cke über und stand dann wie ein über­di­men­sio­na­les Gelb­käpp­chen auf der Büh­ne. Lä­cher­lich wirkt so et­was bei ihr nie, nur lus­tig.

Die Fra­ge scheint al­so längst nicht mehr zu sein, ob die­se Frau auch Kanz­ler kann, son­dern ob sie will und ob sie wird. In Bay­ern wird jetzt ge­wählt und in Hes­sen in zwei Wo­chen. Und je nach Er­geb­nis wird Kramp-kar­ren­bau­er ih­ren Teil der Ant­wort frü­her ge­ben müs­sen als ei­gent­lich ge­dacht.

Mehr zum The­ma un­ter: www.moz.de/cdu

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