Ge­heim­sa­che Wahl­rechts­re­form

Das Pro­jekt braucht nach An­sicht von Bun­des­tags­prä­si­dent Schäu­b­le wo­mög­lich mehr Zeit

Märkische Oderzeitung Angerm‎ünde - - Nachrichten - VON EL­LEN HA­SEN­KAMP

Ber­lin. Es ist ei­ne Art Ge­heim­kom­man­do des Ber­li­ner Par­la­ments­be­triebs. Acht Ab­ge­ord­ne­te aus al­len Frak­tio­nen ta­gen seit Mo­na­ten un­ter Aus­schluss der Öf­fent­lich­keit, ihr Auf­trag lau­tet: Wahl­rechts­re­form. Aus­ge­rech­net der Vor­sit­zen­de, Bun­des­tags­prä­si­dent Wolf­gang Schäu­b­le (CDU), hat jetzt das Schwei­ge­ge­lüb­de ge­bro­chen und an­ge­regt, „die Än­de­rung erst für die über­nächs­te Wahl­pe­ri­ode vor­zu­se­hen“. Pro­jekt ver­scho­ben al­so? Ge­schei­tert gar? Schon der letz­te Bun­des­tag hat­te die an­ge­kün­dig­te Re­form samt Ver­klei­ne­rung des Par­la­ments nicht ge­schafft.

Die Op­po­si­ti­on macht Druck. „Es ist kom­pli­ziert, und es gibt kei­ne ein­fa­che Ant­wort, aber wir müs­sen das trotz­dem an­ge­hen. Dann be­darf es eben ei­nes Kraft­akts, um in den nächs­ten zwei Jah­ren ei­ne or­dent­li­che Wahl­rechts­re­form hin­zu­be­kom­men“, sagt der Par­la­men­ta­ri­sche Ge­schäfts­füh­rer der Links­frak­ti­on, Jan Kor­te. Auch der Fdp-ver­tre­ter in der Ar­beits­grup­pe Wahl­rechts­re­form, Ste­fan Rup­pert, drängt: „Wir müs­sen den Bun­des­tag ver­klei­nern. Und das am bes­ten mög­lichst bald.“Rup­pert, der sich mit dem The­ma seit rund 15 Jah­ren be­schäf­tigt, weiß: „Das wird nur ge­lin­gen, wenn al­le ei­ne ge­wis­se Kom­pro­miss­be­reit­schaft zei­gen.“Das Pro­blem ist da­bei dem Ver­neh­men nach we­ni­ger die AG Wahl­recht selbst. Aber je­de Ver­klei­ne­rung des Par­la­ments be­deu­tet für die ei­ne oder an­de­re Frak­ti­on schmerz­haf­te Ver­lus­te. Und spä­tes­tens von dort wan­dern die Kom­pro­miss­vor­schlä­ge dann zu­rück zu den Fach­leu­ten.

Der Bun­des­tag ist mit der­zeit 709 Sit­zen in­zwi­schen ei­nes der größ­ten Par­la­men­te der Welt. Vor­ge­se­hen sind ei­gent­lich nur 598 Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te. Dass ih­re Zahl in den ver­gan­ge­nen Jah­ren der­art in die Hö­he schnell­te, ist Fol­ge ei­nes kom­pli­zier­ten Zu­sam­men­spiels aus Wahl­recht, Wah­l­er­geb­nis­sen und Ge­richts­ur­tei­len. Die Auf­blä­hung führt auch zu ganz prak­ti­schen Pro­ble­men: So hock­te in die­sem Som­mer – knapp ein Jahr nach der Wahl – manch Bun­des­tags­neu­ling noch im­mer zwi­schen Um­zugs­kis­ten, weil die nö­ti­gen neu­en Bü­ros erst all­mäh­lich be­zugs­fer­tig wur­den. Und wenn sich nichts än­dert, muss die nächs­te Bun­des­prä­si­den­ten­wahl wo­mög­lich un­ter frei­em Him­mel oder in ei­ner Mehr­zweck­hal­le statt­fin­den. Denn die ihn be­stim­men­de Bun­des­ver­samm­lung hat dop­pelt so vie­le Mit­glie­der wie der Bun­des­tag. Über 1400 Sit­ze aber sind un­ter der Reichs­tags­kup­pel beim bes­ten Wil­len nicht un­ter­zu­brin­gen. (mit abo)

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