Schul­zen­dor­fer brin­gen die Welt zum Leuch­ten

Se.ser­vices Gmbh aus Schul­zen­dorf

Märkische Oderzeitung Angerm‎ünde - - Wirtschaft Regional - VON JAN SIE­GEL

Sie leis­ten Be­son­de­res in ih­rer Bran­che. Je­des Jahr wird an her­aus­ra­gen­de Un­ter­neh­men ein Wirt­schafts­preis ver­lie­hen: der Zu­kunfts­preis. Zu den Aus­ge­zeich­ne­ten 2018 ge­hört die se.ser­vices Gmbh aus Schul­zen­dorf.

Vie­le ha­ben es nicht ge­schafft. Pro­duk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten des Hand­werks (PGH) wa­ren bis ins Jahr 1989, als es ei­nen Mit­tel­stand hier­zu­lan­de ei­gent­lich kaum mehr gab, trotz­dem ein we­sent­li­cher wirt­schaft­li­cher Baustein im Os­ten Deutsch­lands. Nicht al­le Hand­wer­ker­ge­mein­schaf­ten über­leb­ten nach 1990. Sie wur­den in den Zei­ten des wirt­schaft­li­chen Um­bruchs nach der po­li­ti­schen Wen­de weg­ge­fegt.

Die Ge­schich­te der Schul­zen­dor­fer Elek­tro Gmbh im Land­kreis Dah­me­spree­wald ist ei­ne Aus­nah­me. Ih­re Wur­zeln lie­gen im Jahr 1958, als die PGH mit zwei Elek­tro­meis­tern und acht Mit­ar­bei­ tern an­fing. In die­sem Jahr konn­ten die Schul­zen­dor­fer da­her, nicht oh­ne Stolz, ih­ren 60. Fir­men­ge­burts­tag fei­ern. Weil sich die Elek­tro­f­ach­leu­te in den teils wil­den Wen­de­jah­ren schon bald wie­der auf ih­ren hand­werk­li­chen Sach­ver­stand be­san­nen und nicht das schnel­le Geld im da­mals wach­sen­den, aber un­be­re­chen­ba­ren Ver­kauf such­ten, steht die Elek­tro­tech­nik­fir­ma heu­te auf so­li­den Fü­ßen und ist in­zwi­schen auch im in­ ter­na­tio­na­len Ge­schäft er­folg­reich.

Ei­ne ein­hun­dert­pro­zen­ti­ge Toch­ter der Schul­zen­dor­fer Elek­tro Gmbh ist die se.ser­vices Gmbh, die in die­sem Jahr mit ei­nem Bran­den­bur­ger Zu­kunfts­preis aus­ge­zeich­net wird. „Die Aus­grün­dung der se.ser­vices war ei­ne Art Si­cher­heits­maß­nah­me“, sagt Tho­mas Trop­pens. Er ist ei­ner der Ge­schäfts­füh­rer in Schul­zen­dorf. Weil das Vo­lu­men von Ein­zel­auf­trä­gen in den 2000er Jah­ren im­mer grö­ßer ge­wor­den sei, hät­ten sie die Ri­si­ken für ihr Un­ter­neh­men mi­ni­mie­ren wol­len. Ein ein­zel­ner „ge­platz­ter“Groß­auf­trag soll­te nicht zur Ge­fahr für die ge­sam­te Fir­ma werden, be­schreibt Trop­pens die Mo­ti­va­ti­on zur Aus­grün­dung im Jahr 2008.

Heu­te funk­tio­nie­ren die Schul­zen­dor­fer Elek­tro Gmbh und die se.ser­vices – das „se“steht für Schul­zen­dor­fer Elek­tro – als idea­le Sym­bio­se. Ins­ge­samt 30 In­ge­nieu­re und Pro­jek­tan­ten der Elek­tro Gmbh le­gen die pla­ne­ri­schen Grund­ la­gen für die Ar­beit der in­zwi­schen 103 Meis­ter und Mon­teu­re der se.ser­vices.

Die Schul­zen­dor­fer ha­ben auch im­mer kon­se­quent aus­ge­bil­det und den jun­gen Leu­ten be­ruf­li­che Per­spek­ti­ven er­öff­net. Man­che ha­ben sich qua­li­fi­ziert und sind ge­blie­ben. Heu­te ar­bei­ten sie als Meis­ter, Tech­ni­ker oder In­ge­nieu­re in der Elek­tro­fir­ma. Part­ner des Un­ter­neh­mens beim dua­len Stu­di­um ist da­bei bei­spiels­wei­se die BTU Cott­bus­senf­ten­berg, die über das zu­kunfts­fä­hi­ge tech­ni­sche Know­how ver­fügt.

Ei­ner von ih­nen ist Mar­kus Szol­ko­vy. Der 28­Jäh­ri­ge woll­te ei­gent­lich ei­ne Aus­bil­dung als Elek­tro­tech­ni­ker „ab­rei­ßen“, um sei­nen Traum­be­ruf bei der Ber­li­ner Be­rufs­feu­er­wehr zu er­grei­fen. In­zwi­schen hat Szol­ko­vy sei­nen Ba­che­lor als Elek­tro­tech­ni­ker in der Ta­sche, ist nach wie vor Frei­wil­li­ger Feu­er­wehr­mann und ei­ner der Pro­jek­tan­ten in Schul­zen­dorf.

Es sind sol­che Le­bens­ge­schich­ten, die mit da­für sor­gen, dass sich die se.ser­vices Aus­zu­bil­den­de bei se.ser­vices in Schul­zen­dorf: Hus­sain Ham­ki, Phil­lipp Schen­ker, Ja­n­ek Ro­sin und Mar­vin Hart­wig (v.l.).

zu ei­nem ho­mo­ge­nen Un­ter­neh­men ent­wi­ckelt, das dem Fach­kräf­te­man­gel auch heu­te er­folg­reich trotzt. Seit Jah­ren ar­bei­ten die Schul­zen­dor­fer kon­ti­nu­ier­lich mit den um­lie­gen­den Schu­len zu­sam­men, bie­ten Schü­ler­prak­ti­ka an und zei­gen den Neu­en be­ruf­li­che Per­spek­ti­ven im Hand­werk auf. Und das hat an­ge­sichts der vol­len Auf­trags­bü­cher heu­te mehr denn je of­fen­sicht­lich doch ei­nen „gol­

de­nen Bo­den“. Der­zeit ler­nen bei den Schul­zen­dor­fern 18 Aus­zu­bil­den­de, dar­un­ter sind auch meh­re­re jun­ge Män­ner, die aus ih­ren Hei­mat­län­dern nach Deutsch­land ge­flo­hen sind.

Ihr Geld ver­die­nen die Schul­zen­dor­fer Hand­wer­ker als zu­ver­läs­si­ge Auf­trag­neh­mer bei na­tio­na­len und in­ter­na­tio­na­len Groß­pro­jek­ten. Das Spek­trum reicht da­bei von der elek­tro­tech­ni­schen

Pla­nung und Aus­stat­tung für mo­der­ne Fern­seh­stu­di­os, Büh­nen­tech­nik und Flug­hä­fen auf der gan­zen Welt über die Elek­tro­tech­nik in Kran­ken­häu­sern und Ein­kaufs­zen­tren bis hin zu Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen für Häus­le­bau­er. Und es ist auch die raf­fi­niert il­lu­mi­nier­te Fas­sa­de der Ber­li­ner Mer­ce­des­benz­are­na, die ein leuch­ten­der Be­weis ist, was die Schul­zen­dor­fer auf dem Kas­ten ha­ben.

Fo­to: se.ser­vices

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