Ent­schleu­ni­gung tut not

Wenn al­les im Fluss ist, kann we­ni­ger Tem­po ein Se­gen sein

Märkische Oderzeitung Angerm‎ünde - - Vorderseite -

Es geht ja al­les so schnell die­ser Tage. Man wacht mor­gens auf, und plötz­lich ist An­ge­la Mer­kel nicht mehr Cdu-vor­sit­zen­de, die Lin­den­stra­ße wird ab­ge­setzt und Hei­no ver­ab­schie­det sich mit ei­nem al­ler­letz­ten Al­bum aus der deut­schen Mu­sik­ge­schich­te. Nun kann man Hei­no nicht vor­wer­fen, er ha­be sei­ne Kar­rie­re über­has­tet, doch da ist er heu­te eher ei­ne Ausnahme. In der rast­lo­sen Ge­sell­schaft wech­seln die Menschen ih­re Ar­beit­ge­ber fast so oft wie ih­re Un­ter­ho­sen, ih­ren Wohn­ort wie ih­re Au­to­rei­fen und ih­re Part­ner wie ih­ren Strom­an­bie­ter. Al­les ist im Fluss.

Ein Fluss der mal mit mehr oder we­ni­ger Was­ser, da­für aber mit kon­stan­ter Ge­schwin­dig­keit in die Nord­see fließt, ist der Rhein. Und von ihm könn­te die drin­gend not­wen­di­ge Ent­schleu­ni­gung der Ge­sell­schaft ih­ren An­fang neh­men. Der Köl­ner Ober­bür­ger­meis­te­rin Hen­ri­et­te Re­ker geht auch al­les zu schnell, vor al­lem der Was­ser­ver­kehr. Ein Tem­po­li­mit für Schif­fe sei un­um­gäng­lich, sag­te sie. Das ist ein gu­ter An­satz, es braucht mehr Tem­po­li­mits. Wer zu schnell um­zieht, kün­digt oder Schluss macht, wer in Fuß­gän­ger­zo­nen drän­gelt und sei­nen Cap­puc­ci­no run­ter stürzt, dem soll­te ein Zwangs­auf­ent­halt im Schwei­ge­klos­ter dro­hen. Am Rhein ste­hen be­stimmt wel­che, dann kann man auch in Ru­he den lang­sa­men Schif­fen zu­schau­en. (toc)

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