Neu­gier auf das Un­ver­trau­te

Das bran­den­bur­gi­sche Lan­des­mu­se­um star­tet mit drei Aus­stel­lun­gen in Frank­furt und Cott­bus ins neue Jahr

Märkische Oderzeitung Angerm‎ünde - - Wo?hin! - Kunst -

Frank­furt/cott­bus. Drei neue Prä­sen­ta­tio­nen zeit­ge­nös­si­scher Kunst bringt das Lan­des­mu­se­um in Cott­bus und Frank­furt zum Jah­res­be­ginn an den Start. Be­vor mit gro­ßem ku­ra­to­ri­schen Auf­wand der 100. Ge­burts­tag des Bau­hau­ses be­gan­gen wird, kon­zen­triert sich das Mu­se­um vor­erst auf die Wer­ke von vier ex­po­nier­ten Künst­lern der jün­ge­ren Ge­ne­ra­ti­on.

Die Neu­gier auf das Un­ver­trau­te führt den Pots­da­mer Fo­to­gra­fen Frank Gaud­litz seit 30 Jah­ren im­mer wie­der nach Russ­land, um die Ei­gen­heit die­ses Lan­des er­grün­den. Be­reits als Stu­dent fuhr Gaud­litz im Jahr 1988 das ers­te Mal in die da­ma­li­ge So­wjet­uni­on. Die frü­hen Auf­nah­men ver­mit­teln et­was von den Be­find­lich­kei­ten der Men­schen und dem Le­ben in der Zeit von Glas­nost und Pe­re­s­troi­ka. 2017 und 2018 schloss er mit Rei­sen nach Mos­kau und St. Pe­ters­burg die­ses fo­to­gra­fi­sche Lang­zeit­pro­jekt ab.

Die Fo­to­gra­fi­en ver­mit­teln ei­nen Ein­blick in die rus­si­sche Wirk­lich­keit und ver­deut­li­chen gleich­falls die künst­le­ri­sche Ent­wick­lung des Fo­to­gra­fen. Im Lau­fe der Zeit än­dern sich The­men­schwer­punk­te, Bild­spra­che und Ar­beits­wei­sen. Ei­nes je­doch ist bei all den fo­to­gra­fi­schen Be­fra­gun­gen der Wirk­lich­keit zu spü­ren – sei­ne Em­pa­thie für die Men­schen, ins­be­son­de­re für die Ver­lie­rer der ge­sell­schaft­li­chen Um­brü­che. Gaud­litz wur­de 1958 im Spree­wald ge­bo­ren. Er stu­dier­te Fo­to­gra­fie an der Hoch­schu­le für Grafik und Buch­kunst in Leip­zig.

Auch der Ma­ler Mat­thi­as Kör­ner und der Fo­to­graf Alex­an­der Ja­netz­ko sind Rei­sen­de im wei­ten Sin­ne. Seit et­li­chen Jah­ren sind sie re­gel­mä­ßig für län­ge­re Zeit in Ugan­da, um dort ih­re künst­le­ri­schen Pro­jek­te zu ver­wirk­li­chen. Seit dem Jahr 2014 ar­bei­ten bei­de un­ter an­de­rem an dem Film „Kö­nigs­land“, der die Le­bens­ver­hält­nis­se des ost­afri­ka­ni­schen Lan­des an Hand von zwei Prot­ago­nis­ten er­zählt. Ei­ne In­stal­la­ti­on spielt Vi­deo­clips, die wäh­rend der Dreh­ar­bei­ten zum Film ent­stan­den sind. Sie ver­dich­ten sich zu ei­nem Ge­samt­bild aus Ar­beit, Ver­kehr und

Mat­thi­as Kör­ner und Alex­an­der Ja­netz­ko rei­sen re­gel­mä­ßig nach Ugan­da

Bil­der von Dü­rer, Rem­brandt und Pi­cas­so bil­den die Vor­la­gen für Plogsties Ma­le­rei

Na­tur; Bil­der, die so­wohl die pul­sie­ren­de Ge­schäf­tig­keit der mo­der­nen Groß­stadt als auch die schein­ba­re Be­schau­lich­keit des dörf­li­chen Le­bens ver­an­schau­li­chen. Die Ar­beits­ab­läu­fe der Men­schen sind rou­ti­niert, al­le Hand­lun­gen grei­fen in­ein­an­der – in ei­ner mi­ni­ma­lis­ti­schen Cho­reo­gra­fie des All­tags.

Kor­re­spon­die­rend zu den Fil­men wer­den Ma­le­rei­en von Kör­ner und Fo­to­gra­fi­en von Ja­netz­ko prä­sen­tiert. Die Ar­bei­ten ent­stan­den zum The­ma Re­gen­zeit, der fa­vo­ri­sier­ten Rei­se­sai­son der bei­den Künst­ler. Zu se­hen sind die zwei Aus­stel­lun­gen im Cott­bu­ser Lan­des­mu­se­um. Kör­ner ist zwei­fa­cher bran­den­bur­gi­scher Kunst­preis­trä­ger und prä­sen­tiert sich ge­mein­sam mit Ja­netz­ko in ei­ner neu­en künst­le­ri­schen Spra­che. Ja­netz­ko ist be­son­ders in letz­ter Zeit durch sei­ne emo­tio­nal star­ken Afrika-mo­ti­ve auf­ge­fal­len. Im Jah­re 2014 er­hielt er den Kunst­för­der­preis des Lan­des Bran­den­burg. Am Di­ens­tag (22.1.) um 16.30 Uhr lädt das Mu­se­um zu ei­ner Füh­rung mit Frank Gaud­litz und der Ku­ra­to­rin Carmen Schlie­be ein.

Aus ei­ner an­de­ren Ge­dan­ken­welt her­aus ent­wi­ckelt sich die Schau von Jo­chen Plogsties in Frank­furt (Oder). „Im Tai Chi gibt es zwei Fa­mi­li­en, die et­was im Zwist dar­über sind, wel­che von bei­den den au­then­ti­sche­ren Stil aus­führt – Fa­mi­lie Yang und Fa­mi­lie Chen“, sagt Plog­sies (geb.1974) an­deu­tungs­voll über sei­ne Ar­bei­ten. Der Aus­stel­lungs­ti­tel „Yang Chen“greift die Na­men die­ser bei­den Fa­mi­li­en und so­mit auch das The­ma ih­res Wett­strei­tes auf – Au­then­ti­zi­tät. Denn Bil­der von be­rühm­ten Künst­lern wie Pi­cas­so, da Vin­ci, Dü­rer oder Rem­brandt bil­den die Vor­la­gen für Plogsties Ma­le­rei.

Da­bei sind nicht die Ori­gi­na­le die Im­puls­ge­ber, son­dern de­ren Re­pro­duk­tio­nen in Kunst­bü­chern, Ka­ta­lo­gen, im In­ter­net und auf Post­kar­ten. Das „Ab­ma­len“er­folgt kon­se­quen­ter­wei­se nicht im Sti­le des Ori­gi­nals. Al­les auf der Re­pro­duk­ti­on ge­rät zum „Vor-bild“und wird gleich­be­deu­tend wahr­ge­nom­men.

So sucht der ein­set­zen­de ma­le­ri­sche Pro­zess im Re­pro­du­zier­ten ei­ne ei­ge­ne Struk­tur der Ober­flä­che und de­ren Rhyth­mi­sie­rung. „Der Pin­sel­duk­tus kann lo­cke­rer, ex­pres­si­ver, im­pres­si­ver, rea­lis­ti­scher oder kon­struk­tiv-kon­kre­ter wer­den als im Ori­gi­nal“, heißt es bei den Ku­ra­to­ren.

Die drei neu­en Prä­sen­ta­tio­nen er­gän­zen in Cott­bus die Schau­en der „Spät­im­pres­sio­nis­ten“so­wie die Fo­to­gra­fi­en von Wolf­gang G. Schröter mit sei­nen Leip­zi­ger Im­pres­sio­nen der 50er-jah­re, aber auch die un­ge­wöhn­li­che „Re­alpop“-aus­stel­lung in Frank­furt.

(klt)

Frank Gaud­litz: „Rus­si­an Ti­mes“/ Mat­thi­as Kör­ner und Alex­an­der Ja­netz­ko: „Kö­nigs­land“. bei­de Er­öff­nung Frei­tag (18.1.), 19 Uhr, Lan­des­musu­em für mo­der­ne Kunst, Cott­bus (dkw) / Jo­chen Plogsties. „Yang Chen“, Ma­le­rei, Lan­des­mu­se­um für mo­der­ne Kunst, Frank­furt (Pack­hof), Er­öff­nung am Sonn­tag (20.1.) um 11 Uhr.

Foto: Ste­fan Fi­scher/co­py­right: VG Kunst-bild Bonn

In­spi­riert von Adria­en Co­or­te, ei­nem nie­der­län­di­scher Ba­rock-ma­ler: „Lie­bes­zau­ber“nann­te Jo­chen Plogsties sein Bild.

Foto: Frank Gaud­litz

Land im War­te­mo­dus: Mos­kau im Mai 1989

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