Die Com­pu­ter­maus wird 50

Am 9. De­zem­ber 1968 wur­de in San Fran­cis­co ein mau­s­ähn­li­ches Ge­rät vor­ge­stellt

Märkische Oderzeitung Bad Freienwalde - - Wirtschaft - Von Christoph Dern­baCh

San Fran­cis­co. Wer hat vor 50 Jah­ren die Com­pu­ter­maus er­fun­den? Ste­ve Jobs? Oder Bill Ga­tes? Bei­de Ant­wor­ten sind falsch. Die Ant­wort auf die­se Fra­ge führt ins ka­li­for­ni­sche Si­li­con Val­ley.

Das Au­di­to­ri­um der Brooks Hall in der In­nen­stadt von San Fran­cis­co ist schon seit 1993 ge­schlos­sen. Nichts er­in­nert dar­an, dass hier vor 50 Jah­ren ein Mei­len­stein in der Com­pu­ter-Ge­schich­te ge­setzt wur­de. Lan­ge be­vor der ers­te Per­so­nal Com­pu­ter auf den Markt kam, de­mons­trier­te am 9. De­zem­ber 1968 der Tüft­ler Dou­glas C. En­gel­bart erst­mals ei­ne Com­pu­ter­maus.

En­gel­bart hat­te sich jah­re­lang mit dem Ent­wurf ei­nes Ge­rä­tes be­schäf­tigt, das die In­ter­ak­ti­on zwi­schen ei­nem Men­schen und ei­nem Röh­ren­bild­schirm er­laubt. Com­pu­ter wa­ren da­mals so teu­er, dass nur Uni­ver­si­tä­ten, gro­ße Un­ter­neh­men und das Mi­li­tär sich die gro­ßen Re­chen­schrän­ke leis­ten konn­ten. Und sie wa­ren un­glaub­lich kom­pli­ziert zu be­die­nen: Um mit der Ma­schi­ne kom­mu­ni­zie­ren zu kön­nen, muss­te man lan­ge Be­fehls­fol­gen ein­tip­pen oder vor­ab in Loch­strei­fen ge­stanz­te Be­feh­le ein­le­sen.

In der Vi­si­on von En­gel­bart soll­ten Sym­bo­le auf dem Bild­schirm er­schei­nen, die man mit ei­nem Zei­ger an­steu­ern und ak­ti­vie­ren kann. 1964 bau­te En­gel­bart zu­sam­men mit sei­nem Chef­in­ge­nieur Bill Eng­lish den ers­ten Maus-Pro­to­ty­pen. Die­se Ori­gi­nal­m­aus, die in ei­nem Holz­ge­häu­se un­ter­ge­bracht war, ent­hielt ein Rad, das die Be­we­gung des Ge­rä­tes in Cur­sor­be­we­gun­gen auf dem Bild­schirm um­setz­te. Ein Mit­ar­bei­ter in En­gel­barts La­bor mein­te, das Holz­käst­chen se­he mit der ro­ten Tas­te oben und dem Ka­bel hin­ten wie ei­ne Maus aus. Der Na­me blieb hän­gen.

Es dau­er­te dann bis zum 9. De­zem­ber 1968, bis En­gel­bart das Kon­zept der Öf­fent­lich­keit vor­stell­te. En­gel­bart führ­te da­mals den Ein­satz ei­ner Maus vor, die auf ei­nem Bild­schirm ei­nen schwar­zen Punkt be­weg­te. Er ha­be da­mals im Auf­trag der Welt­raum­or­ga­ni­sa­ti­on Na­sa ver­schie­de­ne Ge­rä­te aus­pro­biert, dar­un­ter ei­nen Licht­grif­fel und auch Joy­sticks. Es stell­te sich schnell her­aus, dass die Maus bes­ser als al­le an­de­ren Ge­rä­te funk­tio­nier­te.

Fast in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten ist, dass in die­ser Zeit auch in Deutsch­land an dem Kon­zept ei­ner Com­pu­ter­maus ge­ar­bei­tet wur­de. Für die Bun­des­an­stalt für Flug­si­che­rung (BFS) in Frank­furt ent­wi­ckel­te ei­ne Ab­tei­lung des Elek­tro-Pio­niers Te­le­fun­ken in Kon­stanz ein Sys­tem, in dem ein Zei­ger be­nö­tigt wur­de. Ei­ne „Roll­ku­gel­steue­rung“soll­te den Flug­lot­sen er­mög­li­chen, auf ei­nem gro­ßen Ra­dar-Bild­schirm Darstel­lun­gen von Flug­zeug­po­si­tio­nen zu mar­kie­ren. Ei­ni­ge Wo­chen vor der De­mo in San Fran­cis­co stell­te Te­le­fun­ken sein Kon­zept vor.

En­gel­bart hat­te die Idee al­so nicht al­lein. Doch im Ge­gen­satz zu den Deut­schen ließ sich sein Ar­beit­ge­ber SRI die Er­fin­dung 1970 un­ter der Num­mer 3,541,541 als Pa­tent ein­tra­gen. Ei­nen Er­folg im Mas­sen­markt konn­ten da­mals aber we­der Te­le­fun­ken noch das Team in Ka­li­for­ni­en fei­ern. Erst mit dem Ma­c­in­tosh er­reich­te die Maus 1984 dann den Durch­bruch. Die­ser Er­folg be­ein­druck­te wie­der­um Mi­cro­sof­tMit­be­grün­der Bill Ga­tes so sehr, dass er sich von der Kom­man­do­zei­le von MS-DOS ver­ab­schie­de­te und nach dem Vor­bild des App­le Ma­c­in­tosh dann Maus und Icon als Stan­dard bei Win­dows ein­führ­te.

Die von En­gel­bart ent­wi­ckel­te Com­pu­ter­maus hat mit den heu­ti­gen Mäu­sen nur we­nig ge­mein­sam. Der ers­te Maus-Pro­to­typ be­saß an­stel­le ei­ner Ku­gel ein Rad für die Cur­sor­be­we­gun­gen. In den sieb­zi­ger Jah­ren wur­den­die Re­gel­wi­der­stän­de durch op­ti­sche Mess­ge­ber er­setzt. Heu­ti­ge Com­pu­ter­mäu­se funk­tio­nie­ren zu­meist mit La­ser­di­oden, die auf In­fra­rot-Tech­nik ba­sie­ren. Als Ein­ga­bein­stru­ment wird die Maus aber in­zwi­schen vom mensch­li­chen Fin­ger über­holt. Auf Mil­li­ar­den von Smart­pho­nes und Ta­blet­com­pu­tern wird oh­ne Maus ge­wischt und ge­tippt.

Dou­glas C. En­gel­bart hat die­se Zei­ten­wen­de noch mit­be­kom­men. Er starb am 2. Ju­li 2013 im Al­ter von 88 Jah­ren in At­her­ton (Ka­li­for­ni­en). (dpa)

Fo­to: dpa/Lo­gi­tech

Die ers­te Com­pu­ter­maus: Sie be­stand aus ei­nem Holz­käst­chen mit Strip­pe, ei­ner ro­ten Tas­te und ei­nem Rad, das die Be­we­gun­gen auf dem Bild­schirm um­setz­te.

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