Huf­schmied sorgt für ei­ser­ne Soh­len

Das 2000 Jah­re al­te Hand­werk des Huf­schmieds ist ge­frag­ter denn je / Ul­rich Purtz hat gut zu tun

Märkische Oderzeitung Beeskow - - Vorderseite - Von Ruth Bu­deR

Lie­be­ro­se. Huf­schmied Ul­rich Purtz sorgt mit sei­nem mo­bi­len Di­enst in der Re­gi­on da­für, dass Pfer­de gut und si­cher lau­fen kön­nen. Je­des Huf­ei­sen – auch Glücks­sym­bol – wird pass­ge­nau an­ge­setzt.

Bees­kow (MOZ) Der Huf­schmied Ul­rich Purtz sorgt mit sei­nem mo­bi­len Di­enst in der Re­gi­on da­für, dass Pfer­de gut und si­cher lau­fen kön­nen. Je­des Huf­ei­sen wird pass­ge­nau an­ge­setzt.

Ul­rich Purtz hat je­de Men­ge Huf­ei­sen. Glücks­brin­ger, wie der Volks­mund sagt. „Aber ei­gent­lich sol­len ja nur die Huf­ei­sen Glück brin­gen, die man zu­fäl­lig auf der Stra­ße fin­det. Und das kommt sel­ten vor“, weiß der Lie­be­ro­ser. Al­le ab­ge­latsch­ten Huf­ei­sen, die er von den Pfer­de­fü­ßen ent­fernt, hebt er auf. „Bei mir kommt keins in den Schrott. Denn die Zahl der Ab­neh­mer ist groß.“Kin­der wür­den gern Huf­ei­sen be­ma­len, auch das Huf­ei­sen­wer­fen sei wie­der in Mo­de ge­kom­men.

Man­che sag­ten auch, man müs­se das Huf­ei­sen mit der Öff­nung nach oben auf­hän­gen, da­mit das Glück hin­ein­fal­le. „Je­der er­klärt sich was an­de­res“, hat Purtz kei­ne ein­deu­ti­ge Ant­wort. Er zi­tiert dann gern sei­nen Spruch: Ob mir‘s ge­lang bei Tag und Nacht mein eig­nes Glück zu schmie­den. Oft hab ich an­de­ren Glück ge­bracht, mein Lohn war Schweiß und Frie­den.“

Ul­rich Purtz ist in drit­ter Ge­ne­ra­ti­on Huf­schmied. Die al­te Schmie­de in Lie­be­ro­se, in der schon sein Groß­va­ter ge­ar­bei­tet hat, steht noch. Dass sein Be-

ruf vom Auss­ter­ben be­droht ist, wie vie­le an­de­re Hand­wers­gil­den, kann er nicht sa­gen. „Im Ge­gen­teil, es gibt wie­der mehr Huf­schmie­de, seit­dem das Frei­zeit- und Sport­rei­ten und das Fah­ren mit Krem­sern und Kut­schen zu­ge­nom­men hat.“Mo­der­ne Tech­nik wer­de auch in Zu­kunft den Huf­schmied nicht er­set­zen kön­nen, glaubt Purtz, der seit sei­ner Kind­heit mit Pfer­den ver­traut ist. „Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass das Ro­bo­ter er­le­di­gen kön­nen. Denn je­des Huf­ei­sen muss in­di­vi­du­ell an­ge­passt und be­ar­bei­tet wer­den.“

Wie das funk­tio­niert, zeigt er beim Be­schla­gen der Pfer­de bei Micha­el Kül­per, der in Birk­holz seit zehn Jah­ren ei­nen Ne­ben-

er­werbs­be­trieb für Kutsch-und Krem­ser­fahr­ten be­treibt. Sei­ne sie­ben Pfer­de be­kom­men heu­te ei­nen Win­ter­be­schlag: In das Huf­ei­sen wird ein Gum­mi­ring ein­ge­legt, der ver­hin­dern soll, dass Schnee (soll­te er tat­säch­lich noch kom­men) am Ei­sen an­backt. „Wir nen­nen das Auf­stol­len“, er­klärt der Fach­mann. Zu­sätz­lich mög­lich sind Stahl­stif­te, die wie Spi­kes wir­ken und das Aus­rut­schen auf glat­tem Bo­den ver­hin­dern.

Aber be­vor das neue Huf­ei­sen an­ge­setzt wird, muss erst das al­te ent­fernt, der Huf mit spe­zi­el­lem „Pe­di­kü­re-Werk­zeug“aus­ge­schnit­ten und ab­ge­schlif­fen wer­den. Das neue Ei­sen wird warm an­ge­passt. Die­ses bringt

der 57-Jäh­ri­ge in sei­nem mo­bi­len, gas­be­trie­be­nen Schmie­de­ofen zum Glü­hen und drückt es un­ter Zi­schen und Qual­men auf den Huf. „Das sieht für den Lai­en ge­fähr­lich aus, aber das Pferd merkt nichts“, sagt Purtz, „denn ich ar­bei­te am to­ten Horn.“Je nach Be­las­tung und Ab­nut­zung hält ein Huf­ei­sen sechs bis acht Wo­chen.

Huf­schmie­de, weiß Purtz, gibt es seit 2000 Jah­ren, seit­dem der Mensch in der La­ge ist, Ei­sen zu be­ar­bei­ten. Da­vor ha­be man die Hu­fe mit Bast, Holz oder Le­der um­wi­ckelt. Sei­ne Huf­ei­sen könn­te Purtz auch sel­ber aus Flach­ei­sen her­stel­len. Das aber sei zu auf­wen­dig. Sie wer­den heu­te in­dus­trie­mä­ßig her-

ge­stellt. Purtz be­zieht sie in der Re­gel von der Fir­ma Werk­mann aus Hol­land.

Ob­wohl er mit schar­fen und hei­ßen Sa­chen und am le­ben­den Tier ar­bei­tet – ver­letzt hat sich der „Staat­lich ge­prüf­te Huf­be­schlags­schmied“bis­her nur sel­ten. Vor ein­ein­halb Jah­ren ha­be ein Pferd mal ge­schla­gen, da­bei sei das Mes­ser in die Hand ge­rutscht. „Aber al­les halb so schlimm“, sagt der op­ti­mis­ti­sche, fröh­li­che Mann, der stän­dig von Huf­ei­sen um­ge­ben ist. Wie vie­le Pfer­de er im Jahr be­schlägt und ob ein Huf­schmied gut mit sei­nem Ver­dienst le­ben kann, will er nicht sa­gen: „Über Geld und Stück­zah­len re­de ich nicht.“

Fo­tos (4): MOZ/Ruth Bu­der

Es zischt und qualmt: Huf­schmied Ul­rich Purtz passt dem Haf­lin­ger Ne­rus ein glü­hen­des Huf­ei­sen an, wäh­rend Pfer­de­be­sit­zer Micha­el Kül­per (rechts) das Tier be­ru­higt und fest­hält. Schmer­zen lei­det es da­bei nicht: Das Horn am Fuß ist tot.

Im­mer gu­ter Lau­ne: Ul­rich Purtz aus Lie­be­ro­se ist mit sei­nem mo­bi­len Schmie­de­ofen im Um­kreis von 80 Ki­lo­me­tern un­ter­wegs, um Pfer­den neue „Schu­he“zu ver­pas­sen.

Win­ter­be­schlag: Da­mit Schnee nicht am Ei­sen an­ba­cken kann, kommt ein Gumm­ring da­zu.

Pe­di­kü­re: Be­vor das Huf­ei­sen drauf­kommt, wird das Horn ab­ge­schnit­ten und be­schlif­fen.

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