Hoff­nung für Lärm­geg­ner

Ver­wal­tungs­ge­richt gibt Klä­ge­rin aus Klein Oß­nig an der B 169 recht / Lkw droht Durch­fahrts­ver­bot

Märkische Oderzeitung Beeskow - - Brandenburg - Von Har­riet Stür­mer

Klein Oß­nig (MOZ) Ein ak­tu­el­les Ur­teil könn­te im Land Brandenburg erst­mals da­zu füh­ren, dass stö­ren­der Last­kraft­ver­kehr aus be­son­ders be­trof­fe­nen Or­ten ver­bannt wird. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Cott­bus gab ei­ner An­woh­ne­rin aus Klein Oß­nig an der B 169 recht, die für ein Durch­fahrts­ver­bot von Lkw kämpft.

Die Ein­woh­ner von Klein Oß­nig (Spree-Nei­ße) ha­ben den Lärm, Gestank und die Er­schüt­te­run­gen im ei­ge­nen Haus satt: Je­den Tag rol­len rund 12 000 Au­tos durch den klei­nen Ort an der Bun­des­stra­ße 169 in der Nä­he von Cott­bus – dar­un­ter weit mehr als 1000 Last­kraft­wa­gen, mit­un­ter kei­ne zwei Me­ter von der Haus­wand ent­fernt. Seit Jah­ren for­dern die An­rai­ner vom Landkreis, ein Durch­fahrts­ver­bot für Lkw über zwölf Ton­nen zu ver­hän­gen. Bis­lang je­doch oh­ne Er­folg. Nun aber gab das Ver­wal­tungs­ge­richt Cott­bus ei­ner Klä­ge­rin aus Klein Oß­nig recht, die sich ge­gen die über­mä­ßi­ge Ge­sund­heits­be­las­tung durch Lärm und Ab­ga­se zur Wehr setzt und für den Schutz ih­res Ei­gen­heims kämpft.

Der Kreis hat­te zu­vor wei­te­re Ver­kehrs­be­schrän­kun­gen ab­ge­lehnt. Seit ge­rau­mer Zeit gilt in dem Ort zwar Tem­po 30. An der Lärm­be­läs­ti­gung ha­be die Ge­schwin­dig­keits­re­du­zie­rung je­doch we­nig ge­än­dert, be­kla­gen An­woh­ner. Zum Groß­teil wür­den Au­to- und Lkw-Fah­rer das Tem­po­li­mit igno­rie­ren.

Ei­gent­lich könn­ten Las­ter auf ih­rer Fahrt zwi­schen Cott­bus und Dres­den die Au­to­bah­nen 13 und 15 über das Drei­eck Spree­wald nut­zen. Tat­säch­lich aber neh­men die Fah­rer oft die Ab­kür­zung über die B 169 – im­mer­hin spa­ren sie da­durch mehr als 30 Ki­lo­me­ter Stre­cke und die da­für fäl­li­ge Maut­ge­bühr.

Die Ab­kür­zung führt nicht nur durch Klein Oß­nig. Auch an­de­re Or­te wie Neu­pe­ters­hain, Lind­chen, All­mo­sen und Groß­räs­chen kla­gen über zu­neh­men­den Lkw-Ver­kehr und so­mit über Lärm, Gestank und wa­ckeln­de Wän­de. Vor ei­ni­gen Jah­ren schon ha­ben sich meh­re­re ört­li­che Bür­ger­initia­ti­ven ent­lang der B 169 von Cott­bus bis zur Auf­fahrt auf die A 13 bei Schwarz­hei­de/Ruh­land zu ei­ner In­ter­es­sen­ge­mein­schaft zu­sam­men­ge­schlos­sen. Ei­gent­lich ist dort ei­ne Orts­um­fah­rung ge­plant. Wann die kommt, ist al­ler­dings of­fen.

Da­bei han­delt es sich bei der Bun­des­stra­ße zwi­schen Cott­bus und Senf­ten­berg in Rich­tung Sach­sen um die am stärks­ten be­las­te­te im Sü­den Bran­den­burgs. Al­lein der Last­kraft­ver­kehr in Klein Oß­nig hat laut Bun­des­an­stalt für Stra­ßen­we­sen in­ner­halb von fünf Jah­ren seit Ein­füh­rung der Au­to­bahn-Maut um knapp 74 Pro­zent zu­ge­nom­men. Zu­dem ha­ben Lärm­mes­sun­gen er­ge­ben, dass die zu­läs­si­gen Wer­te bei Tag und Nacht über­schrit­ten wer­den.

Der Landkreis hat bis­lang kei­ne Stel­lung­nah­me zum Ur­teil der Cott­bu­ser Ver­wal­tungs­rich­ter ab­ge­ge­ben. Dort heißt es, dass man zu­nächst die Ur­teils­be­grün­dung ab­war­ten will.

In­des bli­cken Lärm­geg­ner auch an­dern­orts in Brandenburg nach dem Ur­teil hoff­nungs­voll in die Zu­kunft. Jür­gen Ru­dorf, Vor­sit­zen­der der Bür­ger­initia­ti­ve GLAS (Ge­sund Le­ben am Sti­en­itz­see) aus Hen­ni­cken­dorf (Mär­kisch-Oder­land), spricht von ei­nem „groß­ar­ti­gen Er-

folg“. „Die­ser Er­folg wird uns neue Hoff­nung ge­ben und Ansporn sein, sich mit al­len Rechts­mit­teln ge­gen die ge­sund­heits­ge­fähr­den­de Ver­kehrs­po­li­tik zur Wehr zu set­zen“, sagt er. Die Hen­ni­cken­dor­fer Initia­ti­ve for­dert, den Lkw-Ver­kehr in der Nacht über­all zu ver­bie­ten – auch auf Au­to­bah­nen. Dar­über hin­aus sei­en Stadt­zen­tren ge­ne­rell für den Lkw-Durch­gangs­ver­kehr zu sper­ren, meint Ru­dorf.

In­zwi­schen hat die Bür­ger­initia­ti­ve ge­mein­sam mit an­de­ren

un­ter an­de­rem aus Rü­ders­dorf, Bir­ken­wer­der und Fre­ders­dor­fVo­gels­dorf das „Bünd­nis der Bür­ger­initia­ti­ven ge­gen Lärm“ge­grün­det. In ei­ner ers­ten Ak­ti­on soll im Ja­nu­ar ei­ne Bun­des­tags­Pe­ti­ti­on auf den Weg ge­bracht wer­den. „Da­bei geht es dar­um, dass al­le Kom­mu­nen, die in ih­ren Lärm­ak­ti­ons­plä­nen Maß­nah­men zum Schutz ih­rer Bür­ger fest­ge­legt ha­ben, die­se ge­gen­über Stra­ßen­ver­kehrs­be­hör­den auch durch­set­zen kön­nen“, sagt Ru­dorf. (Mit Ad­ler­au­gen)

Fo­to: ZB/Patrick Pleul

Ge­wohn­tes Bild: In vie­len bran­den­bur­gi­schen Or­ten kla­gen An­woh­ner über zu­neh­men­den Last­kraft­ver­kehr. In Klein Oß­nig könn­te die Durch­fahrt für Brum­mis nun nach ei­nem Ge­richts­ur­teil ver­bo­ten wer­den.

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