Steckt noch Le­ben in der SPD?

Märkische Oderzeitung Bernau - - Meinungen Und Hintergrund - ma­thi­as Pud­dig

Die SPD steht mal wie­der vor ei­nem ent­schei­den­den Wo­che­n­en­de. Es ist schon das drit­te – in nur drei Wo­chen: Zu­erst war da die Hes­sen­wahl, aus der der un­er­müd­li­che Thors­ten Schä­ferGüm­bel als Sie­ger her­vor­ge­hen soll­te, bei der er aber zum er­mü­de­ten Ver­lie­rer wur­de. Dann folg­te ei­ne zwei­tä­gi­ge Klau­sur der Par­tei­spit­zen, vor der zu­erst die in­halt­li­chen Er­war­tun­gen hoch­ge­schraubt wur­den, von der dann aber nur ein Fo­to blieb, für das sich die Par­tei­füh­rung schüt­zend um Andrea Nah­les grup­pier­te. Jetzt kommt das De­bat­ten­camp, auf dem sich die Par­tei in Stil und Pro­gram­ma­tik neu er­fin­den will. Und muss.

Die Chan­cen, dass den So­zi­al­de­mo­kra­ten das jetzt ge­lingt, sind nicht gera­de groß, und das hat selbst­ver­ständ­lich auch mit der Che­fin zu tun. Andrea Nah­les führt die SPD seit sie­ben Mo­na­ten und hat bis­lang nach au­ßen so gut wie nichts er­reicht. Die SPD hat in die­ser Zeit in Um­fra­gen ein wei­te­res Drit­tel ih­rer Wäh­ler ver­lo­ren. Sie konn­te we­der in­halt­li­che Klar­heit schaf­fen noch Ver­trau­en ge­win­nen. Nah­les hat bei Wäh­lern und selbst bei Spd-mit­glie­dern ein ver­hee­ren­des Image, und das De­sas­ter rund um die Cau­sa Maa­ßen hat das noch ein­mal ze­men­tiert. Nah­les weiß das, und es hebt nicht gera­de ih­re Lau­ne. Wer sie bei öf­fent­li­chen Auf­trit­ten sieht, der kann ei­ne Frau be­ob­ach­ten, die mal ein­ge­schnappt ist und mal wü­tend. Mensch­lich ist ihr Frust nur all­zu nach­voll­zieh­bar, denn Nah­les schuf­tet und kämpft. Sie reibt sich in der Po­li­tik auf wie kaum je­mand sonst. Nur be­geis­tern kann sie nie­man­den. Da­mit ist Andrea Nah­les das per­fek­te Ab­bild ih­rer Par­tei. Auch die SPD ar­bei­tet or­dent­lich. Al­lein in die­ser Wo­che hat sie mit der Uni­on ei­ne gu­te Hand­voll Ge­set­ze durch den Bun­des­tag ge­bracht, von de­nen sehr vie­le Men­schen im Land pro­fi­tie­ren wer­den. Trotz­dem kommt die SPD der­zeit so alt und de­fen­siv da­her wie kei­ne zwei­te Par­tei. Wäh­rend al­le an­de­ren Par­tei­en sich ge­häu­tet ha­ben oder zu­min­dest gera­de da­bei sind, glaubt aus­ge­rech­net die SPD, oh­ne New­co­mer und Quer­ein­stei­ger in den Spit­zen­gre­mi­en aus­kom­men zu kön­nen. Doch wo die fri­schen Ge­sich­ter feh­len, da feh­len auch die fri­schen Ge­dan­ken. Es ist be­zeich­nend, dass ei­ne der jüngs­ten Ve­rän­de­run­gen in der SPD der Aus­tausch ei­nes Mot­tos war: #Spder­neu­ern heißt jetzt #die­neue­spd.

Ein Putsch ge­gen die Füh­rung im Wil­ly-brandt-haus wür­de trotz­dem nicht viel brin­gen. Denn die SPD ist bis weit in ih­re Ve­räs­te­lun­gen hin­ein genau­so blank wie ih­re Spit­ze, wenn es dar­um geht, den abs­trak­ten Kon­sens von Frei­heit, So­li­da­ri­tät, Ge­rech­tig­keit und Zu­sam­men­halt mit Le­ben und kon­kre­ten Kon­zep­ten zu fül­len. Für die So­zi­al­de­mo­kra­ten spricht ei­gent­lich nur noch, dass sie das De­fi­zit er­kannt ha­ben und es mit dem De­bat­ten­camp of­fen­siv an­ge­hen wol­len. Das Tref­fen in Ber­lin ist viel­leicht die letz­te die Ge­le­gen­heit, mal nach­zu­schau­en, ob und – falls ja – wie viel Le­ben noch in der Par­tei steckt: nicht nur pro­gram­ma­tisch, son­dern auch per­so­nell. Doch was bei die­ser Über­prü­fung her­aus­kommt, das ist wirk­lich nicht ab­seh­bar.

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