Drei To­te durch La­wi­ne

Auch am Wochenende zeich­ne­te sich in den schnee­ge­plag­ten Ge­bie­ten kei­ne Bes­se­rung ab

Märkische Oderzeitung Bernau - - Vorderseite - Von mat­thi­as Rö­der

Drei Ski­fah­rer aus Ba­denWürt­tem­berg sind im ös­ter­rei­chi­schen Lech un­ter ei­ner La­wi­ne ums Le­ben ge­kom­men. Wie die Be­hör­den am Sonn­tag be­rich­te­ten, wur­de zu­nächst ein Mann noch ver­misst. Die vier wa­ren am Sams­tag den An­ga­ben zu­fol­ge auf ei­ner ge­sperr­ten Ski­rou­te un­ter­wegs, ob­wohl in Lech ober­halb von 2000 Me­tern La­wi­nen­warn­stu­fe 3 auf der fünf­tei­li­gen Ska­la galt. We­gen wei­te­rer Schnee­fäl­le gilt in­zwi­schen die zweit­höchs­te Stu­fe. Bis Di­ens­tag wird in Hoch­la­gen mit we­nigs­tens ei­nem Me­ter Neu­schnee ge­rech­net. (dpa)

Seit Ta­gen schneit es fast oh­ne Pau­se in den Al­pen. Ei­ne kur­ze Wet­ter­be­ru­hi­gung am Sams­tag wol­len vier Freun­de aus dem Raum Bi­be­rach in Schwa­ben nut­zen. Sie trau­en sich auf ei­ne ex­trem stei­le Ab­fahrt im ös­ter­rei­chi­schen Lech.

Die sonst prä­pa­rier­te Pis­te war die­ses Mal aber ge­sperrt. Schon un­ter nor­ma­len Be­din­gun­gen ver­zeiht die­se Ab­fahrt kei­ne Feh­ler. In die­ser La­ge wird der Aus­flug min­des­tens drei der Män­ner zum Ver­häng­nis. Ob­wohl sie bes­tens prä­pa­riert wa­ren – La­wi­nen-air­bag, Peil­sen­der und Son­de – hat­ten sie kei­ne Chan­ce. Trotz Air­bag wur­den sie so tief un­ter den Schnee­mas­sen be­gra­ben, dass sie er­stick­ten.

Die Su­che nach ei­nem 28 Jah­re al­ten Ver­miss­ten wur­de am Sonn­tag bis auf wei­te­res ein­ge­stellt. Auf­grund des hef­ti­gen Schnee­falls wä­re es für die Ret­tungs­kräf­te viel zu ge­fähr­lich, sag­te Lechs Bür­ger­meis­ter Lud­wig Mu­xel am Sonn­tag­mit­tag. Es sei auch kein Zeit­fens­ter mit bes­se­rem Wet­ter ab­seh­bar. Auch in den nächs­ten Ta­gen soll es wei­ter schnei­en.

Auch in den baye­ri­schen Al­pen ist das seit Ta­gen an­dau­ern­de Schnee­cha­os noch lan­ge nicht vor­bei. Seit der Nacht zum Sonn­tag schnei­te es in den Ka­ta­stro­phen­re­gio­nen im Sü­den des Frei­staa­tes wei­ter. Im All­gäu sind Zu­fahr­ten zur Ge­mein­de Bal­der­schwang nach ei­nem La- wi­nen­ab­gang und we­gen La­wi­nen­ge­fahr ge­sperrt. Rund 1300 Ein­woh­ner und Tou­ris­ten sit­zen noch bis heu­te fest.

Die Stra­ße nach Bu­chen­hö­he ist seit ei­ner Wo­che ge­sperrt. Bäu­me dro­hen un­ter der Schnee­last zu bre­chen. Das Asth­ma­zen­trum im hoch ge­le­ge­nen Orts­teil von Berch­tes­ga­den läuft im Not­be­trieb, Mit­ar­bei­ter müs­sen von der Bun­des­wehr ge­bracht und ab­ge­holt wer­den, wie des­sen Lei­ter Christian Hin­ter­brand­ner be­rich­tet. Die Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin ist ge­kom­men – bei ih­rem Be­such sagt Ur­su­la von der Ley­en (CDU) wei­te­re Hil­fe zu. Sie ist nicht die ein­zi­ge Po­li­ti­ke­rin, die sich der­zeit im Ka­ta­stro­phen­ge­biet ein Bild von der La­ge macht. Vor­bei ist das seit Ta­gen an­dau­ern­de Schnee­cha­os noch lan­ge nicht. Von heu­te an soll es wie­der käl­ter wer­den. Auf dem Weg nach Bu­chen­hö­he war zeit­wei­se selbst das Ab­sä­gen von ge­fähr­de­ten Bäu­men zu ge­fähr­lich. Am Sonn­tag­mit­tag be­gin­nen nun Sol­da­ten, die Stra­ße frei­zu­schnei­den. „Die Stra­ße ist für uns der Dreh- und An­gel­punkt“, sagt Hin­ter­brand­ner.

„Wir ver­spre­chen uns durch den Be­such von Mi­nis­te­rin von der Ley­en mehr Auf­merk­sam­keit für die­ses Pro­blem.“Wenn die Zu­fahrt nicht rasch frei­ge­ge­ben wer­de, müs­se das Asth­ma­zen­trum mit sei­nen rund 100 chro­nisch kran­ken Kin­dern und Ju­gend­li­chen not­falls eva­ku­iert wer­den – „zu­mal wir bis Di­ens­tag wei­te­ren Nass­schnee­zu­wachs von bis zu ei­nem hal­bem Me­ter er­war­ten“. Bei Plus­gra­den be­gann es zu­dem zu tau­en. Da- durch könn­te der Schnee nass und schwer wer­den – ei­ne zu­sätz­li­che Be­las­tung für die Dä­cher.

Die Men­schen in fünf ober­baye­ri­schen Land­krei­sen – wo seit Ta­gen der Ka­ta­stro­phen­fall gilt – muss­ten mit zu­sätz­li­chen Schnee­mas­sen zu­recht­kom­men. Die Me­teo­ro­lo­gen rech­ne­ten zu­dem mit star­ken Bö­en, die tags­über Ver­we­hun­gen und Schnee­bruch aus­lö­sen könn­ten. Von heu­te an soll es wie­der käl­ter wer­den – dann könn­te ört­lich mehr als ein Me­ter Neu­schnee fal­len. In den Al­pen herrscht La­wi­nen­ge­fahr. An zahl­rei­chen Schu­len wird auch heu­te wie­der der Un­ter­richt aus­fal­len.

Sol­da­ten so­wie meh­re­re Tau­send Hel­fer von Feu­er­weh­ren, Baye­ri­schem Ro­ten Kreuz, Be­reit­schafts­po­li­zei und wei­te­rer Or­ga­ni­sa­tio­nen schau­feln seit Ta­gen Dä­cher frei, räu­men Stra­ßen und si­chern Bäu­me.

Der Bahn­ver­kehr in Bay­ern ist er­heb­lich ein­ge­schränkt. Zwi­schen Kemp­ten und Lin­dau sperr­te die Bahn die Stre­cke kom­plett. Auf der Haupt­stre­cke zwi­schen Mün­chen und Kemp­ten kommt es nach An­ga­ben der Bahn im Fern- und Nah­ver­kehr zu er­heb­li­chen Ver­spä­tun­gen. „Von Rei­sen ins All­gäu wird ab­ge­ra­ten.“In Tei­len Ös­ter­reichs wird we­gen der neu­en Schnee­fäl­le wie­der die höchs­te La­wi­nen­warn­stu­fe aus­ge­ru­fen. Für heu­te gel­te für den Wes­ten Ti­rols kurz­zei­tig Warn­stu­fe fünf, teil­ten die Be­hör­den mit. Zum Wo­chen­start wird in vie­len Hoch­la­gen er­neut mit min­des­tens ei­nem Me­ter Neu­schnee ge­rech­net. (dpa)

Von der Ley­en sagt die Un­ter­stüt­zung der Bun­des­wehr zu

Foto: dpa/armin Weigel

Ge­fahr auf dem Dach: Durch das Tau­wet­ter wird der sehr ho­he Schnee auf den Dä­chern noch schwe­rer und könn­te die Häu­ser zum Ein­sturz brin­gen. Ein­satz­kräf­te schau­feln den Schnee – wie hier in baye­ri­schen Eli­sa­beths­zell – des­halb vom Dach.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.