Ver­spiel­te Ob­jek­te und leuch­ten­de Far­ben

Haupt­mann-Mu­se­um zeigt Ar­bei­ten aus Pa­pier

Märkische Oderzeitung Eberswalde - - Kultur Regional - Von In­ga Drey­er

Erk­ner. Wie ein klei­ner Chor ste­hen sie ne­ben­ein­an­der: sie­ben Ke­gel aus Pa­pier, die auf schma­len Stahl­stre­ben thro­nen. Sie ha­ben kei­ne Au­gen, bli­cken ein­an­der al­so nicht an, son­dern be­ste­hen nur aus weit auf­ge­ris­se­nen Mün­dern, mit de­nen sie un­ent­wegt zu plap­pern schei­nen. Aus den hoh­len Köp­fen strömt nur Luft. „Kom­mu­ni­ka­ti­on II“lau­tet der be­zeich­nen­de Ti­tel, den Bar­ba­ra Ill­mer ih­rem Werk ge­ge­ben hat. Ge­mein­sam mit Wand­ob­jek­ten und Ma­le­rei von Kirs­tin Ra­be sind der­zeit Ob­jek­te der Pots­da­mer Künst­le­rin im Ger­hart-Haupt­mann-Mu­se­um in Erk­ner zu se­hen.

Durch ih­re star­ken, aber un­auf­dring­li­chen Far­ben und ih­re Ma­te­ria­li­tät har­mo­nie­ren die Wer­ke der bei­den Künst­le­rin in der Aus­stel­lung mit dem Ti­tel „5 Di­men­sio­nen in Pa­pier und Far­be“gut mit­ein­an­der. Bei­de Künst­le­rin­nen be­schäf­ti­gen sich auf un­ter­schied­li­che Ar­ten mit dem Ma­te­ri­al Pa­pier.

Bar­ba­ra Ill­mer, die in Dres­den Büh­nen­plas­tik stu­diert hat und so­wohl beim Thea­ter wie beim Film tä­tig war, bringt es in na­turähn­li­che For­men. Ein aus fei­nen Pa­pier­bah­nen zu­sam­men­ge­setz­ter, in ei­nem li­la an­ge­hauch­ten Rot ge­hal­te­ner Pom­pon et­wa, wirkt leicht und luf­tig auf sei­nem So­ckel. Ein an­de­res, ova­les Ob­jekt, dass die Form ei­ner über­di­men­sio­nier­ten Kar­tof­fel hat, hängt an trans­pa­ren­ten Schnü­ren, so­dass es zu schwe­ben scheint. Durch­lö­chert wie ein Kä­se, kann man durch die Öff­nun­gen des Wer­kes hin­durch­se­hen, das Bar­ba­ra Ill­mer „In die Röh­re schau­en“ge­nannt hat.

Pa­pier und Far­be sind auch bei Kirs­tin Ra­be prä­sent. Die in Ham­burg ge­bo­re­ne Künst­le­rin wohnt in Schil­dow (Ober­ha­vel). Sie hat un­ter an­de­rem Geo­dä­sie, die Wis­sen­schaft von der Ver­mes­sung und Ab­bil­dung der Erd­ober­flä­che, stu­diert und als In­ge­nieu­rin ge­ar­bei­tet, be­vor sie in Ber­lin ein Stu­di­um der frei­en Kunst auf­nahm. In Erk­ner zeigt sie un­ter an­de­rem qua­dra­ti­sche, hand­ge­schöpf­te Pa­pie­re aus dem Zy­klus „Viel­schich­tig“. Die Ober­flä­chen hat sie mit ver­schie­den­ar­ti­gen Tech­ni­ken be­han­delt, so­dass sie un­ter­schied­li­che, teil­wei­se sehr fei­ne Struk­tu­ren auf­wei­sen. Ei­ni­ge der klei­nen Pa­pier­qua­dra­te se­hen aus wie Flie­sen oder ver­ros­te­te Me­tall­plat­ten.

Auch zeigt Kirs­tin Ra­be mo­no­chro­me Ar­bei­ten, et­wa drei Qua­dra­te in un­ter­schied­li­chen, leuch­ten­den Blau­tö­ten. Sie hat da­für Pig­men­te auf Holz auf­ge­tra­gen, so­dass die Struk­tu­ren des na­tür­li­chen Un­ter­grun­des noch sicht­bar blei­ben.

Die sanf­ten Ma­te­ria­li­en, spie­le­ri­schen For­men und star­ken Far­ben er­gän­zen sich zu ei­ner klei­nen, se­hens­wer­ten Aus­stel­lung, die auch durch hu­mor­vol­le Werk­be­zeich­nun­gen ei­nen fröh­li­chen Nach­hall hin­ter­lässt.

Bis 17.8., Di–So 11–17 Uhr, Ger­hart-Haupt­mann-Mu­se­um Ger­hart-Haupt­mann-Str. 1–2, Erk­ner, Te­le­fon 03362 3663

Hu­mor­vol­le Werk­be­zeich­nun­gen hin­ter­las­sen ei­nen fröh­li­chen Nach­hall

Fo­to: In­ga Drey­er

Wie ein Chor aus plap­pern­den Mün­dern: „Kom­mu­ni­ka­ti­on II“(2010) von Bar­ba­ra Ill­mer

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