Ein Pakt – vie­le Mei­nun­gen

Über den UN-Mi­gra­ti­ons­pakt ist in brei­ter Öf­fent­lich­keit ei­ne hit­zi­ge Dis­kus­si­on ent­stan­den

Märkische Oderzeitung Eberswalde - - Leserbriefe -

Zu „Bun­des­re­gie­rung steht hin­ter UN-Mi­gra­ti­ons­pakt“und „Pro und Kon­tra“(Aus­ga­be vom 20. No­vem­ber):

Von was will Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Spahn die Bür­ger ab­len­ken? An­ge­sichts der Wah­l­er­geb­nis­se, der vie­len ge­sell­schaft­li­chen Pro­ble­me im so­zia­len Be­reich und bei der bis­he­ri­gen In­te­gra­ti­on, kann ei­ne sol­che Schlag­zei­le nur als wei­te­rer De­mo­kra­tie­ver­lust emp­fun­den wer­den. Die Um­sied­lung von Mil­lio­nen Ara­bern und Afri­ka­nern kann und wird we­der die­sen hoff­nungs­vol­len Men­schen noch den Eu­ro­pä­ern hel­fen, und das nicht nur we­gen den zu er­war­ten­den Fol­gen der an­ste­hen­den Di­gi­ta­li­sie­rung.

War­um al­so or­ga­ni­siert die Uno nicht ei­nen Pakt ge­gen Aus­beu­tung, Krieg und Ver­trei­bung? War­um stel­len die Län­der der west­li­chen Welt nicht ih­re Waf­fen­ex­por­te, Kriegs­ein­sät­ze und die Zer­stö­rung gan­zer Re­gio­nen ein? Was ist aus die­ser „Welt­ge­mein­schaft“ge­wor­den, wenn sie nur noch die Fol­gen ver­tei­len will, aber nicht ge­gen die Ur­sa­chen vor­geht? Was ist nur aus un­se­ren Po­li­ti­kern ge­wor­den? andRe­as hei­sing stORKOW Hät­te ihr Au­tor den In­halt des Mi­gra­ti­ons­pak­tes ge­le­sen, wä­re ihm auf­ge­fal­len, dass es eben nicht nur um die Ge­wäh­rung von Es­sen, Un­ter­kunft und me- di­zi­ni­scher Ver­sor­gung geht. Viel­mehr sol­len Mi­gran­ten un­ein­ge­schränk­ten Zu­gang zu So­zi­al­leis­tun­gen er­hal­ten und eben bei de­ren Be­an­tra­gung und Be­zug der ein­hei­mi­schen Be­völ­ke­rung gleich­ge­stellt sein. Deutsch­land wä­re nach ei­ner Ab­leh­nung des Pak­tes eben nicht al­lein, son­dern in gu­ter Ge­sell­schaft mit de­nen, die be­reits ab­ge­lehnt ha­ben. Auch von groß an­ge­leg­ten Pro­gram­men zur Ge­bur­ten­kon­trol­le in afri­ka­ni­schen Län­dern steht nichts im Mi­gra­ti­ons­pakt. Da­mit wird der Pakt dem ei­gent­li­chen Pro­blem der stän­dig wach­sen­den Be­völ­ke­rungs­zah­len in den är­me­ren Län­dern der Welt nicht im An­satz ge­recht. Er zielt ein­zig dar­auf, Mi­gra­ti­on in Rich­tung Eu­ro­pa zu för­dern, um durch ver­spro­che­ne und ge­währ­te Voll­ver­sor­gung zu schaf­fen. tORs­ten gRa­beRt fRanK­fuRt (OdeR) Ihr Kom­men­ta­tor ver­sucht dem Le­ser mit wohl­ge­setz­ten For­mu­lie­run­gen und ge­schlif­fe­nen Wor­ten die Al­ter­na­tiv­lo­sig­keit des Mi­gra­ti­ons­pak­tes nä­her­zu­brin­gen. Glück­li­cher­wei­se gibt er dem Le­ser auch gleich ei­ne Richt­schnur mit, da­mit die­ser sich nicht un­frei­wil­lig in Ver- schwö­rungs­theo­ri­en, bös­wil­li­gen Un­ter­stel­lun­gen, blöd­sin­ni­gen An­sich­ten ver­hed­dert. Al­ler­dings er­wähnt er nicht, dass auch an­de­re Län­der Schwie­rig­kei­ten mit dem Pakt ha­ben, z. B. Aus­tra­li­en und die Schweiz. geRd-Wil­helM aschen­bRucK fRanK­fuRt (OdeR) Der Mi­gra­ti­ons­pakt ist le­dig­lich für die­je­ni­gen eu­ro­päi­schen Staa­ten ei­ne Be­dro­hung, die Flücht­lin­ge aus­beu­ten und un­ter wid­ri­gen Be­din­gun­gen un­ter­brin­gen. So bin ich froh, dass Ita­li­en die Ak­kla­ma­ti­on ver­wei­gert. Die An­we­sen­heit ita­lie­ni­scher Ge­sand­ter wä­re zy­nisch und ei­ne Be­lei­di­gung für die­sen Pakt ge­we­sen. stef­fen Michael fRanK­fuRt (OdeR) Nach­dem es nicht ge­lun­gen ist, den UN-Mi­gra­ti­ons­pakt an Öf­fent­lich­keit und Be­völ­ke­rung vor­bei mit der Un­ter­schrift der Bun­des­re­gie­rung in tro­cke­ne Tü­cher zu brin­gen, wird nun­mehr zur Be­ru­hi­gung die Lo­sung aus­ge­ge­ben: Die­ser Pakt sei nur ei­ne gut­ge­mein­te Ab­sichts­er­klä­rung oh­ne recht­li­che Ver­bind­lich­keit. Der die­ser Po­si­ti­on ent­ge­gen­tre­ten­de Vor­wurf, ge­ra­de in Deutsch­land wer­de aus mo­ra­li­schem Druck dann doch po­li­ti­sches Han­deln zur wei­te­ren Be­feue­rung der Mi­gra­ti­on, ist nicht so ein­fach weg­zu­wi­schen. haRald bRaun WOl­teRs­dORf

Fo­to: epd/Chris­ti­an Ditsch

Strit­tig: Um den UN-Mi­gra­ti­ons­pakt gibt es in Deutsch­land, aber auch in­ner­halb Eu­ro­pas ei­ne hit­zi­ge De­bat­te.

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