Lu­n­a­pharm wei­ter blo­ckiert

Har­tes Rin­gen um Her­stel­lungs­er­laub­nis / Grü­nen-Po­li­ti­ke­rin fühlt sich un­ter Druck ge­setzt

Märkische Oderzeitung Eberswalde - - Aus Aller Welt - Von ul­rich thies­sen

Pots­dam. Der um­strit­te­ne Phar­mahänd­ler Lu­n­a­pharm darf auch wei­ter­hin nicht pro­du­zie­ren. Das Lan­des­ge­sund­heits­amt ver­län­ger­te am Frei­tag den Stopp der Pro­duk­ti­on. Die Fir­ma ver­such­te in­des ei­ne Land­tags­ab­ge­ord­ne­te un­ter Druck zu set­zen.

Es war still in den ver­gan­ge­nen Wo­chen um den Me­di­ka­men­ten­her­stel­ler und -händ­ler Lu­n­a­pharm. Nach­dem im Som­mer Be­rich­te die Öf­fent­lich­keit er­schüt­ter­ten, dass even­tu­ell gestoh­le­ne Me­di­ka­men­te aus Ita­li­en und auf zwei­fel­haf­tem Weg er­wor­be­ne Phar­ma­ka aus Grie­chen­land durch die Fir­ma aus Blan­ken­fel­de in Um­lauf ge­bracht wor­den wa­ren, hat­te das Lan­des­ge­sund­heits­amt zu­nächst dem Un­ter­neh­men die Be­triebs­er­laub­nis ent­zo­gen.

Das er­wies sich je­doch als recht­lich schwie­rig. Lu­n­a­pharm leg­te Wi­der­spruch ein und das Pots­da­mer Ver­wal­tungs­ge­richt äu­ßer­te Zwei­fel am Ent­zug der Be­triebs­er­laub­nis. Dar­auf­hin wur­de vom Mi­nis­te­ri­um die Her­stel­lung- und die Groß­han­dels­er­laub­nis ru­hend ge­stellt. Letz­te­re gilt noch bis zum Fe­bru­ar kom­men­den Jah­res.

Die Her­stel­lungs­er­laub­nis lief am Frei­tag die­ser Wo­che aus. Da­mit hät­te die Fir­ma wie­der Me­di­ka­men­te bei­spiels­wei­se um­ver­pa­cken und in den Han­del brin­gen kön­nen. Der rbb hat­te in sei­ner Nach­rich­ten­sen­dung vom Don­ners­tag be­rich­tet, dass die Vor­be­rei­tun­gen zur Wie­der­auf­nah­me der Pro­duk­ti­on in Blan­ken­fel­de-Mahlow schon lau­fen. Ge­zeigt wur­den Bil­der ei­nes Last­wa­gens, der vor dem Un­ter­neh­men vor­ge­fah­ren sein soll. Ein Spre­cher des Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums er­klär­te am Frei­tag, dass das Ru­hen der Her­stel­lungs­er­laub­nis wei­ter gilt. Wei­te­re Aus­künf­te könn­ten zum jet­zi­gen Zeit­punkt nicht ge­macht wer­den, um das schwe­ben­de Ver­fah­ren nicht zu ge­fähr­den.

Zu­letzt hat­te dem Un­ter­neh­men ein vom Arz­nei­mit­tel­ge­setz ge­for­der­ter sach­kun­di­ger Mit­ar­bei­ter ge­fehlt. Im Land­tag wird da­von aus­ge­gan­gen, dass Lu­n­a­pharm ge­gen die er­neu­te Ver­län­ge­rung Rechts­mit­tel ein­le­gen wird, be­zie­hungs­wei­se feh­len­de Un­ter­la­gen noch bei­brin­gen wird, um die Pro­duk­ti­on wie­der auf­neh­men zu kön­nen.

Die ju­ris­ti­schen Mög­lich­kei­ten sei­en be­grenzt, heißt es. Zu­mal bei Feh­lern Re­gress­for­de­run­gen dro­hen könn­ten. Des­halb baut man auf die Pots­da­mer Staats­an­walt­schaft, die be­reits seit an­dert­halb Jah­ren ge­gen Lu­n­a­pharm er­mit­telt. Zu­nächst als Rechts­hil­fe für grie­chi­sche Be­hör­den. Spä­ter auf der Grund­la­ge ei­ge­ner Er­kennt­nis­se und Ver­dachts­mo­men­te. Ob und wann es je­doch zu ei­ner An­kla­ge kom­men wird und ob bis da­hin die Pro­duk­ti­on ver­sagt wer­den kann, scheint der­zeit of­fen.

Für Auf­re­gung sorgt in die­sem Zu­sam­men­hang im Land­tag das Vor­ge­hen des Un­ter­neh­mens ge- gen­über ei­ner Ab­ge­ord­ne­ten der Op­po­si­ti­on. Die ge­sund­heits­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen, Ursula Non­ne­ma­cher, be­stä­tig­te den Ein­gang ei­nes Schrei­bens ei­ner PR-Agen­tur im Auf­trag des Phar­ma-Un­ter­neh­mens. Dar­in wer­de die po­li­ti­sche Ar­beit Non­ne­ma­chers im Zu­sam­men­hang mit dem Lu­n­a­pharm-Skan­dal kri­ti­siert. Die Grü­nen-Po­li­ti­ke­rin, die vor ih­rer Ab­ge­ord­ne­ten­tä­tig­keit als Ärz­tin wirk­te, hat­te mehr­fach ein strin­gen­tes Vor­ge­hen ge­gen die Fir­ma ge­for­dert.

Ehe­mann der Ge­schäfts­füh­re­rin woll­te Non­ne­ma­cher zur Re­de stel­len

Am Frei­tag er­klär­te die Grü­nen-Po­li­ti­ke­rin ge­gen­über die­ser Zei­tung, dass sie den Brief als Ver­such wer­te, sie un­ter Druck zu set­zen. Bei ei­ner Bür­ger­sprech­stun­de sei zu­dem der Ehe­mann der Ge­schäfts­füh­re­rin von Lu­n­a­pharm auf­ge­taucht und ha­be ver­sucht sie zur Re­de zu stel­len. Zu dem dar­auf fol­gen­den Ge­spräch woll­te sich Non­ne­ma­cher nicht nä­her äu­ßern.

Mehr zum The­ma un­ter www.moz.de/lu­n­a­pharm

Fo­to: MOZ

Grü­nen-Po­li­ti­ke­rin Ursula Non­ne­ma­cher

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.