Ost­deut­sche miss­trau­en Ge­rich­ten

Nur 55 Pro­zent ha­ben noch Ver­trau­en / Bun­des­weit kri­ti­sie­ren die Jus­tiz so vie­le Men­schen wie nie

Märkische Oderzeitung Eberswalde - - Vorderseite - Von The­re­sa Münch

Ber­lin. Die Men­schen in Ost­deutsch­land sind be­son­ders un­zu­frie­den mit der deut­schen Jus­tiz. Das er­gab ei­ne Al­lens­bach-Um­fra­ge. Bun­des­weit ist die Kri­tik an der Jus­tiz mit 79 Pro­zent auf ei­nen neu­en Höchst­wert seit der ers­ten Be­fra­gung im Jahr 2010 ge­stie­gen.

Im­mer mehr Men­schen hal­ten die Ge­rich­te in Deutsch­land für über­las­tet. 88 Pro­zent der Be­frag­ten mei­nen, dass die meis­ten Ver­fah­ren in Deutsch­land zu lan­ge dau­ern. Ei­ne gro­ße Mehr­heit der Rich­ter und Staats­an- wäl­te teilt die Kri­tik. Be­son­ders Staats­an­wäl­te hal­ten ih­re Be­hör­den für schlecht be­setzt.

Un­zu­frie­den ist der Um­fra­ge zu­fol­ge be­son­ders die ost­deut­sche Be­völ­ke­rung, wo in die­sem Jahr in drei Bun­des­län­dern ge­wählt wird. 83 Pro­zent hal­ten die Ge­rich­te hier für über­las­tet, so­gar 90 Pro­zent be­kla­gen ei­ne viel­fach zu lan­ge Ver­fah­rens­dau­er. Hier ist auch das Ver­trau­en in die Jus­tiz deut­lich ge­rin­ger als in den west­li­chen Bun­des­län­dern: Nur 55 Pro­zent der Bür­ger ver­trau­en den Ge­rich­ten.

Die be­frag­ten Rich­ter und Staats­an­wäl­te for­der­ten die Po­li­tik mehr­heit­lich auf, mehr Fach- leu­te ein­zu­stel­len. 92 Pro­zent der Staats­an­wäl­te und 82 Pro­zent der Rich­ter se­hen laut Um­fra­ge Per­so­nal­lü­cken in ih­ren Be­rei­chen.

Ei­ne Mehr­heit be­klagt zu­dem, die Rah­men­be­din­gun­gen für ei­ne gu­te Recht­spre­chung hät­ten sich in Deutsch­land in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ver­schlech­tert. Aus Sicht des Deut­schen Rich­ter­bunds ist ei­ne ver­fehl­te Spar­po­li­tik vie­ler Län­der Schuld an der pre­kä­ren Per­so­nal­si­tua­ti­on der Jus­tiz. Doch Bund und Län­der hät­ten den Hand­lungs­be­darf jetzt er­kannt, sag­te Ge­schäfts­füh­rer Sven Re­behn.

Die Ge­sprä­che zum so­ge­nann­ten Pakt für den Rechts­staat, der un­ter an­de­rem 2000 zu­sätz­li­che Rich­ter und Staats­an­wäl­te in Aus­sicht stellt, sei­en weit fort­ge­schrit­ten. „Wir sind zu­ver­sicht­lich, dass der Pakt noch in die­sem Mo­nat kommt“, sag­te Re­behn. En­de Ja­nu­ar sol­le es da­zu ein Spit­zen­tref­fen von Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel mit den Re­gie­rungs­chefs der Län­der ge­ben.

Zu­letzt hat­te Jus­tiz­mi­nis­te­rin Ka­ta­ri­na Bar­ley (SPD) mit den Jus­tiz­mi­nis­tern der Bun­des­län­der dar­über ge­strit­ten, wer die ver­spro­che­nen Stel­len fi­nan­zie­ren soll. Die Kos­ten wer­den mit rund 400 Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr ver­an­schlagt. Mi­nis­te­rin Bar­ley hat­te den Mi­nis­tern zu- nächst vor­ge­schla­gen, ein­ma­lig 170 bis 200 Mil­lio­nen Eu­ro zu über­neh­men. Weil die Jus­tiz Län­der­sa­che ist, kann der Bund die Stel­len nicht di­rekt fi­nan­zie­ren. Die Al­lens­bach-Um­fra­ge wur­de im Auf­trag der Ro­land Rechts­schutz-Ver­si­che­rung für ih­ren neu­en Rechts­re­port er­stellt. (dpa)

Das In­sti­tut für De­mo­sko­pie Al­lens­bach hat­te im Auf­trag von Ro­land Rechts­schutz 1242 re­prä­sen­ta­tiv aus­ge­wähl­te Bür­ger ab 16 Jah­ren und 988 eben­falls re­prä­sen­ta­tiv aus­ge­wähl­te Rich­ter und Staats­an­wäl­te be­fragt. Der Rechts­re­port er­scheint am 19. Fe­bru­ar.

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