Kampf dem to­ten Win­kel

Bun­des­tag for­dert elek­tro­ni­sche Ab­bie­ge­as­sis­ten­ten für Lkw zur Ver­mei­dung töd­li­cher Un­fäl­le mit Rad­fah­rern

Märkische Oderzeitung Eisenhüttenstadt - - Vorderseite - Von Die­ter Kel­ler

Ber­lin. Der Bun­des­tag macht Druck, schnell Ab­bie­ge­as­sis­ten­ten für Last­kraft­wa­gen vor­zu­schrei­ben, um töd­li­che Un­fäl­le mit Rad­fah­rern zu ver­mei­den. Doch Ver­kehrs­mi­nis­ter Andre­as Scheu­er (CSU) lehnt ei­nen Al­lein­gang Deutsch­lands ab.

In die­sem Jahr star­ben bun­des­weit be­reits 23 Rad­fah­rer durch ab­bie­gen­de Lkw, hat der All­ge­mei­ne Deut­sche Fahr­rad-Club (ADFC) er­mit­telt. Ber­lin und Bran­den­burg wa­ren mit je­weils zwei ge­tö­te­ten Rad­fah­rern be­son­ders be­trof­fen. Zu­letzt wur­de vor zwei Wo­chen ein acht­jäh­ri­ger Jun­ge in Span­dau von ei­nen Lkw über­fah­ren. Die Zahl der töd­li­chen Fahr­rad-Un­fäl­le durch ab­bie­gen­de Last­wa­gen nimmt zu: 2013 wa­ren es nach der Sta­tis­tik des ADFC 28, im ver­gan­ge­nen Jahr be­reits 38. Ins­ge­samt star­ben in Deutsch­land 383 Rad­fah­rer bei Ver­kehrs­un­fäl­len.

Der Bun­des­rat hat­te erst kürz­lich, un­ter an­de­rem auf Be­trei­ben von Ber­lin, den Bund auf­ge­for­dert, sich bei der EU für ei­ne Ein­baupflicht von As­sis­ten­ten für Lkw ab 7,5 Ton­nen ein­zu­set­zen. Jetzt platz­te den Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten von Uni­on, SPD und Grü­nen der Kra­gen: In un­ge­wöhn­li­cher Ei­nig­keit for­der­ten sie die Re­gie­rung auf, na­tio­na­le Re­ge­lun­gen für ei­ne schnel­le Ein­füh­rung zu prü­fen und um­zu­set­zen, „wenn ei­ne eu­ro­päi­sche Lö­sung nicht zeit­nah ver­ein­bart wer­den kann“. Das sol­le be­reits bei Fahr­zeu­gen ab 3,5 Ton­nen Ge­samt­ge­wicht zur Pflicht wer­den. Die In­ves­ti­tio­nen soll­ten vom Staat ge­för­dert wer­den. Die AfD stimm­te da­ge­gen, FDP und Lin­ke ent­hiel­ten sich. Die Ab­stim­mung er­folg­te oh­ne De­bat­te weit nach Mit­ter­nacht.

Scheu­er will der Auf­for­de­rung nicht fol­gen. Denn er be­fürch­tet ei­ne Kla­ge vor dem Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof, weil ein na­tio­na­ler Al­lein­gang ge­gen EU-Recht ver­sto­ße. Die Vor­schrif­ten sei­en in­ter­na­tio­nal ge­re­gelt. Er ha­be erst vo­ri­ge Wo­che beim EU-Ver­kehrs­mi­nis­ter­rat sei­ne Kol­le­gen „sen­si­bi­li­siert“, weil er nicht bis 2022 war­ten wol­le. So viel Angst hat­te sein Vor­gän­ger Alex­an­der Do­brindt (CSU) nicht, als er die Pkw­Maut in Brüssel mit Bra­chi­al­ge­walt durch­setz­te, ge­gen die sich die EU-Kom­mis­si­on zu­nächst hef­tig ge­wehrt hat­te.

Durch die Ab­bie­ge­as­sis­ten­ten könn­ten 60 Pro­zent der schwe­ren Un­fäl­le ver­hin­dert wer­den, schätzt die Un­fall­for­schung der Au­to­ver­si­che­rer. Der Spe­di­ti­ons­ver­band spricht sich zwar für die Ein­füh­rung aus. Doch frei­wil­lig wer­den die Un­ter­neh­men kaum ak­tiv: Bis­her bie­tet nur Daim­ler für Lkw ei­nen Tot­win­kel­war­ner für rund 2500 Eu­ro an. Doch nur je­der vier­te neue Schwer­last­wa­gen ab zwölf Ton­nen wird mit die­sem Ex­tra ver­kauft.

Auch den Ab­ge­ord­ne­ten ist klar, dass nur ei­ne eu­ro­pa­wei­te Aus- und Nach­rüst­pflicht die Ver­kehrs­si­cher­heit um­fas­send ver­bes­sert. Denn 40 Pro­zent der Lkw auf deut­schen Stra­ßen stam­men aus dem Aus­land. „Mit ei­ner schnel­len Ein­füh­rung ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wol­len wir ein Si­gnal für Deutsch­land set­zen und den Druck auf die EU er­hö­hen, zeit­nah ei­ne Lö­sung zu fin­den“, sag­te die ver­kehrs­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Uni­ons­frak­ti­on, Da­nie­la Lud­wig (CSU).

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