Zahl der Ar­beits­lo­sen auch im Ju­ni ge­sun­ken

Et­wa 2,3 Mil­lio­nen Men­schen sind oh­ne Job

Märkische Oderzeitung Eisenhüttenstadt - - Vorderseite - Von Ina Mat­thes

Nürn­berg. Die Ar­beits­lo­sen­zahl in Deutsch­land ist im Ju­ni auf 2,276 Mil­lio­nen ge­sun­ken. Das ist der nied­rigs­te Wert in die­sem Mo­nat seit der Wie­der­ver­ei­ni­gung. Im Ver­gleich zum Vor­mo­nat wa­ren 40 000 Män­ner und Frau­en we­ni­ger oh­ne Job, wie die Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) am Frei­tag in Nürn­berg mit­teil­te. Ge­gen­über dem Vor­jahr ging die Zahl der Job­su­cher um 197 000 zu­rück. Die Ar­beits­lo­sen­quo­te sank um 0,1 Punk­te auf 5,0 Pro­zent.

Auch sai­son­be­rei­nigt sank die Zahl der Job­su­cher: Die um jah­res­zeit­li­che Ein­flüs­se be­rei­nig­te Er­werbs­lo­sen­zahl lag im Ju­ni bei 2,342 Mil­lio­nen. Da­mit wa­ren 15 000 Men­schen we­ni­ger oh­ne Ar­beit als im Mai. Im Wes­ten ging die Zahl um rund 11 000 zu­rück, im Os­ten um et­wa 4000.

Die Zahl der Er­werbs­tä­ti­gen lag nach An­ga­ben des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes im Mai bei 44,8 Mil­lio­nen – das ist ein Plus von 37 000 ge­gen­über dem Vor­mo­nat. (dpa)

Frankfurt (Oder). Ab Sonn­tag wird die Lkw-Maut auch auf Bun­des­stra­ßen fäl­lig. Was heißt das für Un­ter­neh­men und Ver­brau­cher?

Zwei­mal am Tag fährt ein Müll­au­to von Fürs­ten­wal­de nach Bees­kow und zu­rück. Ins­ge­samt rund 100 Ki­lo­me­ter Fahr­stre­cke legt es da­bei zu­rück. Die­se 100 Ki­lo­me­ter kos­ten den Be­sit­zer des Müll­au­tos ab dem 1. Ju­li 13,40 Eu­ro mehr. Be­sit­zer des Müll­au­tos ist das Kom­mu­na­le Wirt­schafts­un­ter­neh­men Ent­sor­gung des Land­krei­ses Oder­Spree (KWU). Und die Bees­kow­Tour ist nur ei­ne von vie­len, die jetzt teu­rer wird. Denn ab ers­ten Ju­li wird für Fahr­zeu­ge ab 7,5 Ton­nen auf al­len Bun­des­stra­ßen Maut fäl­lig. Bis­lang galt sie nur für Au­to­bah­nen und aus­ge­wähl­te Ab­schnit­te von Bun­des­stra­ßen. Zwi­schen 8,1 und 21,8 Cent pro Ki­lo­me­ter zah­len die Be­trei­ber der Flot­ten. Der ge­naue Preis hängt von Fak­to­ren wie Schad­stoff­aus­stoß und An­zahl der Ach­sen ab. Das Ent­sor­gungs­un­ter­neh­men KWU be­sitzt 20 Fahr­zeu­ge, für die Maut zu zah­len ist. „Wir sind viel auf Bun­des­stra­ßen un­ter­wegs“, sagt Re­né Schar­din, der Fuhr­park­chef des Un­ter­neh­mens. Bis­her hat die KWU pro Jahr rund 28 000 Eu­ro Maut ge­zahlt. Bis Jah­res­en­de kom­men nun noch ein­mal 16 000 Eu­ro da­zu – macht 44 000 Eu­ro für 2018.

Das Ent­sor­gungs­un­ter­neh­men ist nur ei­nes von vie­len Be­trof­fe­nen. Da­zu zäh­len bei­spiels­wei­se auch Bau­stoff­händ­ler, Um­zugs­fir­men, Obst- und Ge­mü­se­lie­fe­ran­ten, Con­tai­ner­diens­te oder Wä­sche­rei­en. Auch für Un­ter­neh­men, die selbst kei­ne 7,5-Ton­ner fah­ren, kön­nen die Kos­ten stei­gen: Weil Spe­di­tio­nen und Lie­fer­diens­te teu­rer wer­den.

Die Maut-Aus­wei­tung soll auch Po­si­ti­ves be­wir­ken. Die Bun­des­re­gie­rung rech­net mit Mehr­ein­nah­men um die zwei Mil­li­ar­den Eu­ro pro Jahr. Ein Groß­teil soll für Aus­bau und Er­halt von Stra­ßen ein­ge­setzt wer­den. In Bran­den­burg kom­me das lei­der nur ei­nem klei­nen Teil des Ge­samt­stra­ßen­net­zes zu­gu­te, be­dau­ert Jens Graf, Ge­schäfts­füh­rer des Städ­te- und Ge­mein­de­bun­des Bran­den­burg. Für den über­gro­ßen An­teil der Stra­ßen, ins­be­son­de­re in kom­mu­na­ler Hand, ge­be es kei­ne Ver­bes­se­run­gen

Vi­el­leicht gibt es zu­min­dest ei­ne Ent­las­tung der Bun­des­stra­ßen: „Es freut uns, wenn die Maut die gro­ßen Lkw von den Bun­des­stra­ßen ver­treibt“, sagt Uwe Hoppe, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Hand­werks­kam­mer Frankfurt (Oder) – Re­gi­on Ost­bran­den­burg. Von der Au­to­bahn auf die Bun­des­stra­ße aus­zu­wei­chen, um Maut zu spa­ren, funk­tio­niert nicht mehr so gut. Gun­dolf Schül­ke, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer Ost­bran­den­burg (IHK), sieht das ähn­lich. Aber: „Das Pro­blem ist, dass ein gro­ßer Teil re­gio­na­ler Ver­keh­re be­trof­fen ist.“Klei­ne Mit­tel­ständ­ler zah­len eben­so viel wie gro­ße Un­ter­neh­men. Ins Geld dürf­te das vor al­lem für die ge­hen, die schwe­re Gü­ter trans­por­tie­ren, die ei­nen ver­gleichs­wei­se ge­rin­gen Wert ha­ben, wie Ab­fäl­le, man­che Bau­stof­fe oder Erd­aus­hub.

„Es wird teu­rer“, sagt Pe­ter Glaetz­ner, Ge­schäfts­füh­rer der Stol­zen­ha­ge­ner Di­enst­leis­tungs­und Lo­gis­tik Gm­bH mit Haupt­sitz in See­low. Das Un­ter­neh­men leert Ab­was­ser­gru­ben im Auf­trag von Zweck­ver­bän­den und bie­tet au­ßer­dem Con­tai­ner­diens­te an. Die zu­sätz­li­chen Kos­ten, sagt Glaetz­ner, müss­ten auf die Prei­se um­ge­legt wer­den. Mit den Ver­bän­den ist das Un­ter­neh­men in Ver­hand­lung. Die Prei­se für Con­tai­ner­diens­te stei­gen ab 1. Ju­li. Die Maut, meint Glaetz­ner, sei ein The­ma für die Kun­den. „Denn letzt­end­lich zahlt der End­ver­brau­cher.“Der Deut­sche Spe­di­ti­ons- und Lo­gis­tik­ver­band fürch­tet Aus­wir­kun­gen auf Fracht- und Ver­brau­cher­prei­se.

An den Müll­ge­büh­ren im Land­kreis Oder-Spree aber än­dert sich durch die Maut ak­tu­ell nichts. Das Ent­sor­gungs­un­ter­neh­men KWU hat die Kos­ten schon zum Jah­res­start in die Ge­büh­ren für 2018 mit hin­ein­ge­rech­net, oh­ne sie zu er­hö­hen. Sie sind im Ver­gleich zu 2017 kon­stant ge­blie­ben, sagt Fuhr­park­chef Schar­din. Weil die KWU an an­de­ren Stel­len güns­ti­ger ge­wirt­schaf­tet hat, konn­ten die Mehr­kos­ten durch die Maut auf­ge­fan­gen wer­den. Die span­nen­de Fra­ge für die Un­ter­neh­men: Wie geht es 2019 wei­ter? Denn dann sol­len neue Maut­sät­ze gel­ten. Was 2019 auf die Fir­men zu­kommt, sagt Pe­ter Glaetz­ner „ist für uns noch ei­ne gro­ße Wun­der­tü­te.“

Fo­to: dpa/ Patrick Pleul

Wacht über den We­ge­zoll: Die­se Kon­troll­stel­le zur Er­fas­sung der Maut für Lkw steht an der Bun­des­stra­ße 87 zwi­schen Frankfurt (Oder) und Müll­ro­se. Ab Sonn­tag sind auch Bun­des­stra­ßen maut­pflich­tig.

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