Her mit den Steu­er-Schecks

Märkische Oderzeitung Eisenhüttenstadt - - Meinungen Und Hintergrund -

Zehn Mil­li­ar­den Eu­ro sind viel Geld, mehr als ein Mensch in sei­nem gan­zen Le­ben zäh­len könn­te. Für ei­ne Steu­er­sen­kung je­doch han­delt es um ei­ne lä­cher­lich klei­ne Sum­me. Ge­gen Null geht die Wahr­schein­lich­keit, dass ein Ar­beit­neh­mer den Un­ter­schied auf sei­ner Ge­halts­ab­rech­nung aus­macht. Schlim­mer noch, stell­te er den Un­ter­schied fest, wä­re er um­so frus­trier­ter, weil das Ent­las­tungs­ver­spre­chen der Re­gie­rung bei ihm gera­de mal den Ge­gen­wert von zwei Ca­fé Lat­te aus­macht. Im Mo­nat.

So ei­ne Steu­er­sen­kung ver­pufft in der öf­fent­li­chen Wir­kung. Manch ei­ner in der Po­li­tik zieht dar­aus den Schluss, dass sich die­se klei­nen Schrit­te gar nicht loh­nen, der Wäh­ler dankt es nicht und die nied­ri­gen Sum­men schie­ben noch nicht ein­mal die Kon­junk­tur an. Doch das ist ein Irr­tum, der auf al­tem Den­ken be­ruht. Auch klei­ne Steu­er­sen­kun­gen kön­nen sich po­li­tisch loh­nen. Und sie kön­nen po­si­ti­ve Im­pul­se set­zen. Um die­se Ef­fek­te aber zu er­zie­len, müs­sen sie in Zu­kunft im­mer nur per Scheck aus­ge­zahlt wer­den. Denn die Men­schen wis­sen bei­na­he mehr zu schät­zen, wie sie ei­ne Er­leich­te­rung er­hal­ten.

Die­se Er­kennt­nis ir­ri­tiert, ge­hen doch Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler seit ewi­gen Zei­ten vom „ho­mo oe­co­no­mi­cus“aus. Die­ser ex­trem ra­tio­na­le Mensch strebt in den al­ler­meis­ten Fäl­len da­nach, sei­nen per­sön­li­chen Nut­zen zu op­ti­mie­ren. Neue­re, von der Psy­cho­lo­gie be­ein­fluss­te Er­kennt­nis­se zei­gen je­doch, dass der „ho­mo oe­co­no­mi­cus“nicht exis­tiert. Ge­hirn und Psy­che funk­tio­nie­ren viel­mehr nach Struk­tu­ren, die dem Men­schen ir­ra­tio­na­le Schlüs­se und Ver­hal­tens­wei­sen ge­ra­de­zu auf­zwin­gen. Nur mit sehr ho­her Dis­zi­plin kann er sich da­ge­gen weh­ren. An­sons­ten wä­ren viel we­ni­ger Men­schen an­fäl­lig für Be­trü­ge­rei­en und viel mehr wür­den häu­fi­ger den Strom­an­bie­ter wech­seln oder grö­ße­re Mü­he an den Tag le­gen, ih­ren Han­dy-Ta­rif zu op­ti­mie­ren.

Da­her ist es auch ein gra­vie­ren­der po­li­ti­scher Feh­ler, Steu­er­sen­kun­gen am An­fang ei­nes Jah­res in Kraft zu set­zen und mo­nat­lich aus­zu­zah­len. Ob­wohl sich die Hö­he der Er­leich­te­rung nicht än­der­te, wä­re es bes­ser, sie im De­zem­ber rück­wir­kend als Ge­samt­be­trag fürs gan­ze Jahr zu über­wei­sen. Die­se zwölf mal hö­he­re Sum­me wür­de be­merkt und mit dem zu­sätz­li­chen Geld be­wuss­ter um­ge­gan­gen wer­den. Es könn­te bei­spiels­wei­se ge­spart oder auch in den Kauf von Weih­nachts­ge­schen­ken in­ves­tiert wer­den. Die Freu­de vor dem Fest wä­re je­den­falls groß. Noch grö­ßer wä­re der Aha-Ef­fekt bei der Steu­er, wenn der Be­trag nicht ein­fach mit dem Ge­halt über­wie­sen, son­dern statt­des­sen in Form ei­nes Schecks aus­ge­stellt und per Post ver­schickt wür­de. Zahl­rei­che Va­ri­an­ten wä­ren denk­bar, zur För­de­rung des Kon­sums auch ein Ein­kaufs­gut­schein.

Egal wie, bei­na­he je­der An­satz wä­re ef­fekt­vol­ler als die heu­ti­ge Pra­xis. Bleibt die Po­li­tik da­bei, ver­passt sie ei­ne Chan­ce, die Stim­mung zu ver­bes­sern, für ei­ne hö­he­re Ak­zep­tanz des Staa­tes und nicht zu­letzt ih­rer Ar­beit zu sor­gen. Her mit den Schecks.

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