Die Droh­ku­lis­se wird schon mal ab­ge­baut

CSU re­agiert vor­sich­tig auf EU-Gip­fel­er­geb­nis

Märkische Oderzeitung Eisenhüttenstadt - - Blickpunkt - Von and­re Bochow ellen haSenkamp

Teil eins ist ge­schafft, Teil zwei folgt: Im Flücht­lings­streit der Ko­ali­ti­on sind nach dem EUGip­fel nun wie­der CDU und CSU am Zug. Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel ist über­zeugt, die Grund­la­ge für ei­ne Ei­ni­gung in Brüssel er­ar­bei­tet zu ha­ben. Die CSU woll­te sich noch nicht ein­deu­tig fest­le­gen. Mit Ko­ali­ti­ons­bruch droh­te nie­mand. Ber­lin. Es war weit vor Mit­ter­nacht, in Brüssel hat­te der fin­ni­sche Re­gie­rungs­chef den war­ten­den Jour­na­lis­ten gera­de noch emp­foh­len, sich mit koffe­in­hal­ti­gen Ge­trän­ken für ei­ne lan­ge Nacht aus­zu­stat­ten, da gab Ed­mund Stoi­ber im ZDF schon mal die Rich­tung vor: Droh­ku­lis­se lang­sam ab­schrau­ben. „Ich bin zu­ver­sicht­lich, wenn ich die­se Fort­schrit­te aus Brüssel hö­re. Da lässt sich ein Weg fin­den“, be­schied der ein­fluss­rei­che CSU-Eh­ren­vor­sit­zen­de.

Ei­nen Weg fin­den, das müs­sen nun die Spitzen und CDU und CSU am Wo­che­n­en­de. Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel je­den­falls sieht den in­ter­na­tio­na­len Teil ih­rer Ar­beit ge­tan. Schon in der Nacht war ihr die Zuf­rie­den­heit mit den EU-Er­geb­nis­sen an­zu­mer­ken. Am Frei­tag­mit­tag konn­te sie dann so­gar nach­le­gen: Ne­ben den Gip­fel­be­schlüs­sen bringt sie auch „po­li­ti­sche Ver­ein­ba­run­gen“mit Grie­chen­land und Spa­ni­en über die Rück­nah­me von Asyl­su­chen­den mit nach Hau­se. Noch wich­ti­ger wä­re na­tür­lich ein sol­cher De­al mit Ita­li­en ge­we­sen, aber ein Er­folg ist es den­noch.

Das al­les sei „mehr als wir­kungs­gleich“, es sei „ein ech­ter Fort­schritt“, fass­te die Kanz­le­rin die La­ge aus ih­rer Sicht zu­sam­men. „Wir­kungs­ad­äquat“– das ist das Zau­ber­wort im Zu­rück­wei­sungs-Streit mit der CSU. Soll­te mit an­de­ren Maß­nah­men der­sel­be Ef­fekt er­zielt wer­den, will In­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer auf die an­ge­kün­dig­te ein­sei­ti­ge An­ord­nung an den Gren­zen ver­zich­ten – und die Ket­ten­re­ak­ti­on zum Re­gie­rungs­aus gar nicht erst in Gang set­zen.

Es sah am Frei­tag al­so so aus, als könn­te die Ko­ali­ti­ons-Kern­schmel­ze in Ber­lin aus­blei­ben. CSU-Lan­des­grup­pen­chef Alex­an­der Do­brindt be­ton­te, nach den EU-Be­schlüs­sen sei­en die von der CSU ge­for­der­ten na­tio­na­len Maß­nah­men in der Asyl­po­li­tik nun je­den­falls ge­deckt. Ob das nun be­deu­tet, dass sie mit Zu­stim­mung der Kanz­le­rin nun auch kom­men sol­len, blieb of­fen.

Zu­frie­den äu­ßer­te sich die SPD: „Ein gro­ßer Fort­schritt“, be­fand Vi­ze­kanz­ler Olaf Scholz gleich mor­gens im Bun­des­tag. Da­mit war der Ton ge­setzt, noch ehe die Kri­ti­ker rich­tig wach wer­den konn­ten. Par­tei- und Frak­ti­ons­che­fin Andrea Nah­les leg­te rasch nach: „Wir sind sehr froh, dass es ei­ne Lö­sung mit Eu­ro­pa und nicht ge­gen Eu­ro­pa gibt.“

An die Adres­se des Ko­ali­ti­ons­part­ners rich­te­te die SPD-Vor­sit­zen­de den Ap­pell, ih­ren Kon­flikt nun bei­zu­le­gen. Wann sie da­mit rech­net, ließ sie of­fen: „Morgen, über­mor­gen, über­über­mor­gen – wir wer­den se­hen“. In­tern heißt es bei der SPD, es sei nun ei­ne Brü­cke ge­baut wor­den, über die See­ho­fer ge­hen müs­se.

Sei­tens der Lin­ken war har­te Kri­tik an den EU-Be­schlüs­sen zu hö­ren. Frak­ti­ons­che­fin Sah­ra Wa­genk­necht hält zwar die Idee, in Zu­kunft auch schon in Afri­ka ei­nen Asyl­an­trag stel­len zu kön­nen, grund­sätz­lich nicht für falsch. Bis­lang ha­be sich aber nur Li­by­en da­zu be­reit er­klärt: Aus­ge­rech­net dort aber La­ger zu er­rich­ten, ob­wohl man wis­se, dass in den dort schon be­ste­hen­den ge­fol­tert und ver­ge­wal­tigt wird, sei „ei­ne Bank­rott­er­klä­rung von Hu­ma­ni­tät“.

„Das al­les ist mehr als wir­kungs­gleich, es ist ein ech­ter Fort­schritt.“

Fo­to: dpa/Pe­ter Kn­ef­fel

Reicht es ih­nen? Nach dem EU-Gip­fel muss nun die CSU-Spit­ze – al­len vor­an Horst See­ho­fer – ent­schei­den, ob die Ko­ali­ti­ons­kri­se für be­en­det er­klärt wer­den kann.

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