Die AfD fei­ert sich selbst

Vor dem Par­tei­tag in Augs­burg gibt sich die Par­tei als Vor­rei­ter in der Asyl­po­li­tik

Märkische Oderzeitung Eisenhüttenstadt - - Nachrichten - Von THo­mas Block

Ber­lin. Die AfD hat ei­ne neue Lieb­lings­er­zäh­lung, und die geht so: Noch vor ei­nem Jahr war sie die ein­zi­ge Par­tei, die of­fen die Pro­ble­me im Land be­nannt hat, die ge­schlos­se­ne Gren­zen und strik­te­re Ab­schie­bun­gen ge­for­dert hat. Und jetzt for­dern das al­le. „Ins­be­son­de­re die CSU ver­sucht, uns zu ko­pie­ren und un­se­re Po­si­tio­nen zu über­neh­men“, sagt AfD-Par­tei­chef Jörg Meu­then nicht oh­ne Scha­den­freu­de. „See­ho­fer star­tet ja im­mer als Ti­ger und en­det als Bett­vor­le­ger“, sagt er. Zu ih­rem Par­tei­tag in Augs­burg sind die Rah­men­be­din­gun­gen für die AfD so güns­tig wie nie. Kurz vor den Land­tags­wah­len in Bay­ern und Hes­sen ver­läuft der öf­fent­li­che Dis­kurs ganz zu ih­ren Guns­ten, der Bamf-Skan­dal spielt ih­nen in die Hän­de und die Uni­ons­frak­ti­on im Deut­schen Bun­des­tag zer­legt sich über ein Pa­pier, das mut­maß­lich ge­nau das for­dert, was die AfD im­mer ge­for­dert hat. Die Tak­tik der CSU, die The­men der Rech­ten zu be­set­zen, scheint die­ses Mal nicht auf­zu­ge­hen. Ak­tu­el­le Um­fra­gen se­hen die AfD in Bay­ern bei 14 Pro­zent.

Und das, ob­wohl sie de fac­to kei­ne um­setz­ba­ren Lö­sun­gen an­bie­tet. Ihr „Not­fall­plan zur Asyl­kri­se“ver­hall­te mehr oder we­ni­ger un­ge­hört, war er doch mehr vom glei­chen Ka­li­ber – al­le Gren­zen dicht, viel mehr ab­schie­ben, Flücht­lin­gen die Geld­leis­tun­gen strei­chen. Re­det die Par­tei mal nicht über Mi­gra­ti­on, zwei­felt sie an, dass der Kli­ma­wan­del men­schen­ge­macht ist und for­dert ei­ne Bil­dungs­po­li­tik, in der Kin­dern wie­der das Ge­schlech­ter­rol­len­bild der 50er-Jah­re ver­mit­telt wird.

„Die AfD ist noch im­mer ei­ne Pro­test­par­tei“, sagt Alex­an­der Häus­ler von der Hoch­schu­le Düs­sel­dorf. „Sie muss­te bis­lang noch gar nicht zei­gen, dass sie hand­lungs­fä­hig oder hand­lungs­wil­lig ist.“Ihr Er­folg speist sich so aus dem Miss­er­folg der an­de­ren. Dass die AfD kei­ne Stra­te­gie in der So­zi­al- oder Wirt­schafts­po­li­tik hat, sei da egal. Und wenn sie klug ist, wird sie ver­su­chen, ih­ren ak­tu­el­len Hö­hen­flug nicht durch in­halt­li­che De­bat­ten zu stop­pen. „Wo es geht, wird die AfD auf dem Par­tei­tag von Kon­flik­ten ab­se­hen.“

Auch in der AfD sieht man kei­nen Be­darf für ei­nen Stra­te­gie­wech­sel. „Wir wer­den un­se­re Po­si­tio­nen nicht ver­än­dern. Wir sind das Ori­gi­nal“, sagt Par­tei­chef Meu­then. Wohl wis­send, dass das nicht ganz stimmt. „Das ist klas­si­sche Wahl­kampf­rhe­to­rik“, sagt AfD-Ex­per­te Häus­ler. „Tat­säch­lich hat die CSU die­se Po­si­tio­nen schon lan­ge vor dem Auf­kom­men der AfD ver­tre­ten.“

Fo­to: dpa/Jens Büttner

La­chen­de Drit­te: Auf ih­rem Par­tei­tag will das Spit­zen­trio der AfD den Ko­ali­ti­ons­streit für sich nut­zen.

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