Die Ein­tags­schö­ne

Far­ben­froh und pfle­ge­leicht: Tag­li­li­en be­rei­chern je­den Gar­ten

Märkische Oderzeitung Eisenhüttenstadt - - Ratgeber - Von Hel­ga ScHnel­ler

Sie blüht nur ei­nen Tag. Aber das vol­ler Far­ben­pracht und Ele­ganz. Je­de ein­zel­ne Blü­te der Tag­li­li­en ist ein kurz­le­bi­ges Ver­gnü­gen. Doch das macht die Stau­de lo­cker wett, in­dem sie stän­dig neue Knos­pen öff­net. So be­ein­dru­cken Tag­li­li­en wo­chen­lang mit ih­rem farb­kräf­ti­gen Auf­tritt.

Da­bei ge­ben sich die Li­li­en­ge­wäch­se äu­ßerst pfle­ge­leicht und lang­le­big. Nicht nur un­ter Frei­zeit­gärt­nern, auch bei Gar­ten­pro­fis ha­ben Tag­li­li­en vie­le Fans. So wähl­te der Bund Deut­scher Stau­den­gärt­ner die be­lieb­te Tag­li­lie (He­mero­cal­lis) zur Stau­de des Jah­res 2018. Tag­li­li­en sind in Eu­ro­pa als al­te Bau­ern­gar­ten­pflan­zen schon lan­ge in Kul­tur. Ur­sprüng­lich stammt die Blü­ten­pflan­ze aus Os­t­a­si­en, wo sie wild auf feuch­ten Wie­sen wächst. Weil sich die Pflan­ze sehr wil­lig züch­ten lässt, ent­spran­gen mit der Zeit aus den rund 20 im­mer­und som­mer­grü­nen Ar­ten Tau­sen­de von neu­en Kreu­zun­gen.

Wer sich ei­ne Tag­li­lie in den Gar­ten ho­len möch­te, steht vor der Qu­al der Wahl an­ge­sichts des rie­si­gen Sor­ten­an­ge­bots. „Gro­ße oder klei­ne Blü­ten, ein­fa­che oder ver­spiel­te, schlan­ke oder brei­te – und das in un­zäh­li­gen Farb­tö­nen und teil­wei­se mit Duft. Welt­weit gibt es zig­tau­send Sor­ten“, be­rich­tet die Stau­den­ex­per­tin An­na Bre­mer­mann. Die Farb­pa­let­te reicht von Weiß über un­ter­schied­lichs­te Gelb-, Oran­ge-, Rot- und Vio­lett­tö­ne bis hin zu mehr­far­bi­gen Sor­ten. Mi­ni­blü­ten mit nied­li­chen vier Zen­ti­me­tern Durch­mes­ser sind eben­so ver­tre­ten wie rie­si­ge Pracht­blü­ten.

Die schim­mern­den Blü­tent­rich­ter mit lang her­aus­ra­gen­den, ge­bo­ge­nen Staub­ge­fä­ßen und das ele­gan­te, grasar­ti­ge Laub ma­chen Tag­li­li­en zum tol­len Hin­gu­cker im Som­mer­beet. Karl Fo­ers­ter, der be­kann­te Stau­den­züch­ter und Gar­ten­phi­lo­soph, be­ti­tel­te He­mero­cal­lis als „die Blu­men des in­tel­li­gen­ten Fau­len“. Per­fekt al­so für al­le Gärt­ner, die ih­re Pflan­zen nicht stän­dig be­tüd­deln, sich aber wo­chen­lang an Blü­ten er­freu­en wol­len. Bei gut feuch­tem Bo­den ge­dei­hen die Stau­den so­wohl in vol­ler Son­ne als auch im lich­ten Schat­ten. Hier fällt die Blü­ten­pracht aber

we­ni­ger üp­pig aus. Be­son­de­re Bo­den­an­sprü­che stel­len Tag­li­li­en nicht, durch­schnitt­lich hu­mo­se und durch­läs­si­ge Gar­ten­er­de reicht völ­lig aus. Ei­ne Ga­be Kom­post oder han­dels­üb­li­cher Voll­dün­ger im Früh­jahr gibt den Pflan­zen ge­nug Kraft zum Wach­sen und Blü­hen. Mehr Pfle­ge ver­lan­gen Tag­li­li­en nicht, so­lan­ge der Bo­den aus­rei­chend feucht bleibt. Im Stau­den­beet ent­fal­ten sie ih­re Schön­heit als Ein­zel­pflan­zen eben­so wie in grö­ße­ren Grup­pen.

Wer ge­nü­gend Platz im Gar­ten hat, kann mit ei­ner üp­pi­gen Tag­li­li­en­pflan­zung Ton in Ton be­son­de­re Ak­zen­te set­zen. Auch am Rand des Gar­ten­tei­ches ma­chen sich die feuch­tig­keits­lie­ben­den Stau­den gut. Wild­ar­ten wir­ken in na­tur­na­hen Pflan­zun­gen am schöns­ten. „Die ein­fa­chen Sor­ten se­hen in Ge­sell­schaft von Bau­ern­gar­ten­pflan­zen sehr schön aus. Ihr attraktives grasar­ti­ges Laub ka­schiert die oft ver­kah­len­den

Stän­gel von Phlox und As­tern“, emp­fiehlt Stau­den­gärt­ne­rin An­na Bre­mer­mann. Groß­blu­mi­ge und mehr­far­bi­ge Sor­ten kom­men in Be­glei­tung von at­trak­ti­ven, aber zu­rück­hal­ten­den Zier­grä­sern wie Chi­naschilf oder Säu­len-Ru­ten­hir­se gut zur Gel­tung.

Von En­de Mai bis An­fang Sep­tem­ber kann die Tag­li­li­en-Sai­son dau­ern, wenn man Sor­ten pflanzt, die sich in ih­rer Blü­te­zeit

ab­lö­sen. Den Blü­ten­rei­gen er­öff­nen frü­he Sor­ten wie die mit­tel­ho­he Wie­sen-Tag­li­lie (H. li­lio­aspho­de­lus) mit hell­gel­ben und duf­ten­den Blü­ten oder die nur 40 Zen­ti­me­ter ho­he Klei­ne Tag­li­lie (H. mi­nor), eben­falls mit gel­ben Trich­ter­blü­ten.

Zur Haupt­blü­te­zeit im Ju­ni und Ju­li zei­gen sich die meis­ten Tag­li­li­en von ih­rer schöns­ten Sei­te. Zu den Klas­si­kern zäh­len bei­spiels­wei­se H. x. cult. „Crim­son Pi­ra­te“, die leuch­tend ro­te Stern­blü­ten mit oran­gem Schlund prä­sen­tiert so­wie die zwei­far­big rot-gel­be Sor­te H. x. cult. „Frans Hals“. Zum Aus­klang steu­ert et­wa die spät­blü­hen­de und groß­blu­mi­ge H. x. cult. „Bed of Ro­ses“zar­te Tö­ne in Ro­sa bis Lachs­rot bei. Vie­le Stau­den­gärt­ne­rei­en bie­ten Tag­li­li­en-Pa­ke­te mit aus­ge­wähl­ten Sor­ten un­ter­schied­li­cher Op­tik an – sehr prak­tisch für al­le, die sich im rie­si­gen Sor­ti­ment par­tout nicht ent­schei­den kön­nen. Dass sich die Blü­ten­schön­hei­ten auch gut auf dem Es­stel­ler ma­chen, wis­sen die Chi­ne­sen seit Jahr­tau­sen­den. Tag­li­li­en-Blü­ten ste­hen dort roh oder frit­tiert seit al­ters her auf dem Spei­se­zet­tel. Die Blü­ten­kel­che schme­cken kna­ckig-wür­zig, man­che auch mit pfeff­ri­gem Ein­schlag. Die ess­ba­re De­ko sorgt mit Si­cher­heit für Über­ra­schungs­ef­fek­te im Sa­lat.

Fo­tos: Hel­ga Schnel­ler

Farb­wun­der: die Tag­li­lie. Sie blüht nur kurz, treibt aber stän­dig neue Knos­pen.

Die schim­mern­den Blü­tent­rich­ter mit ih­ren her­aus­ra­gen­den, ge­bo­ge­nen Staub­ge­fä­ßen ma­chen Tag­li­li­en zum Hin­gu­cker im Som­mer­beet.

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