Ei­ne Er­folgs­ge­schich­te

Das deut­sche Bör­sen­ba­ro­me­ter Dax wird 30 Jah­re alt

Märkische Oderzeitung Eisenhüttenstadt - - Wirtschaft - Von Rolf obeRtReis Josefin Roggenbuck

Frankfurt. Am 1. Ju­li wird das wich­tigs­te deut­sche Bör­sen­ba­ro­me­ter 30 Jah­re alt. Weil die Deut­sche Bör­se AG An­fang des Jah­res den Miet­ver­trag mit der Frank­fur­ter In­dus­trie­und Han­dels­kam­mer bis 2048 ver­län­gert hat, dürf­te der Dax und sei­ne prä­gnan­te Ta­fel min­des­tens so­lan­ge wei­ter­le­ben.

Die schwar­ze Ta­fel mit der wei­ßen Li­nie hängt schon 30 Jah­re im Han­dels­saal der Frank­fur­ter Bör­se. Sie ist Sym­bol ei­ner Er­folgs­ge­schich­te für die deut­sche Fi­nanz­bran­che, für den Fi­nanz­platz Deutsch­land und für die An­le­ger. Auf fünf Me­ter Brei­te und zwei Me­ter Hö­he wird an je­dem Han­dels­tag die Ent­wick­lung des Dax, des Deut­schen Ak­ti­en­in­dex, an­ge­zeigt.

Dass es den Dax nicht schon vor 1988 gab, hat, so Frank Mel­la, da­mals Re­dak­teur der Bör­sen­zei­tung und Va­ter des In­dex, ei­nen ein­fa­chen Grund. Sei­ne Be­rech­nung war tech­nisch nicht mög­lich. Erst Bör­sen-Di­rek­tor Ar­tur Fi­scher hat vor 30 Jah­ren das Sys­tem da­für ent­wi­ckelt. Mel­la er­ar­bei­te­te die Grund­la­gen zur Be­rech­nung des Dax. Dass der Dax mit sei­nen 30 Ak­ti­en so heißt, re­sul­tier­te aus ei­nem Ein­fall bei ei­nem Spa­zier­gang des da­ma­li­gen stell­ver­tre­ten­den Chefs der Frank­fur­ter Bör­se mit sei­nem Hund. Man­fred Zaß kre­ierte das Kür­zel. DAI ging nicht, weil das von Daim­ler be­legt war.

Der Dax star­te­te nicht bei Null, son­dern bei 1.163 Punk­ten. Mel­la hat­te den In­dex bis 1959 zu­rück­ge­rech­net. Kri­te­ri­en für die Auf­nah­me in den Dax sind der Wert ei­nes Un­ter­neh­mens an der Bör­se – die Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung, die sich aus dem Kurs und der An­zahl der Ak­ti­en er­gibt. Da­ne­ben der Streu­be­sitz, al­so der An­teil der Ak­ti­en, die nicht ge­ballt bei ei­nem An­le­ger lie­gen. Min­des­tens fünf Pro­zent müs­sen breit ver­teilt sein. Wich­tig ist der Streu­be­sitz auch für die Be­rech­nung des Dax: Je hö­her der Streu­be­sitz, des­to stär­ker be­stim­men die je­wei­li­gen Pa­pie­re den Dax.

Nur die Hälf­te der 30 Dax­Fir­men war un­un­ter­bro­chen bis heu­te da­bei. Un­ter­neh­men wie bei­spiels­wei­se die Dresd­ner Bank, Kar­stadt, Kauf­hof und Man­nes­mann sind lan­ge Ge­schich­te. An­de­rer­seits dach­te 1988 nie­mand an SAP. Der Soft­ware-Kon­zern ist seit 1995 da­bei und heu­te das wert­volls­te Un­ter­neh­men im Dax.

Auch an­de­re Un­ter­neh­men blei­ben mit der Ge­schich­te des Dax un­trenn­bar ver­bun­den. Den größ­ten Bör­sen­gang leg­te die Deut­sche Te­le­kom im No­vem­ber 1996 auf das Par­kett. Um­ge­rech­net rund zehn Mil­li­ar­den Eu­ro flos­sen in die Kas­sen des Bun­des. Vie­le An­le­ger al­ler­dings ver­lie­ren mit der T-Ak­tie viel Geld. Der Kurs klet­ter­te bis März 2000 von knapp 15 auf fast 105 Eu­ro, be­vor er be­dingt auch durch das Plat­zen der In­ter­net­bla­se auf we­ni­ger als zehn Eu­ro ab­stürz­te. Heu­te sind es auch nur rund 13,50 Eu­ro.

Doch ein Un­ter­neh­men aus Ber­lin oder gar Bran­den­burg ist im Dax nicht zu fin­den. Le­dig­lich Sie­mens, de­ren Ak­tie zur Zeit bei 112 Eu­ro ran­giert, kann teil­wei­se als Ber­li­ner Dax-Un­ter­neh­men be­zeich­net wer­den. Trotz des Nach­kriegs­um­zu­ges der Kon­zern­spit­ze nach Mün­chen blieb Ber­lin für den Tech­no­lo­gie­kon­zern zwei­ter Fir­men­sitz.

Für Un­ter­neh­men aus der Haupt­stadt­re­gi­on ist der klei­ne Bru­der des Dax in­ter­es­san­ter. Hin­ter den 30 stärks­ten deut­schen Un­ter­neh­men fol­gen 50 wei­te­re Be­trie­be. Sie ma­chen den so­ge­nann­ten mDax aus. Vor al­lem eins­ti­ge Start-ups wie der Lie­fer­ser­vice De­li­very He­ro, die Schmie­de für In­ter­net­un­ter­neh­men Ro­cket In­ter­net und der On­li­ne-Händ­ler Za­lan­do ge­hö­ren da­zu. In der Re­gi­on fehlt es an star­ken In­dus­trie­be­trie­ben, des­we­gen auch an Fir­men im Dax. Viel­mehr prä­gen In­ter­net­fir­men, Me­dien­un­ter­neh­men und Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten wie die Deut­sche Woh­nen aus Ber­lin den mDax.

Doch das be­deu­tet nicht, das der Dax für im­mer auf Un­ter­neh­men aus Ber­lin und Bran­den­burg ver­zich­ten wird. Auch in den deut­schen Ak­ti­en­in­dex kann auf- und ab­ge­stie­gen wer­den. Vier Mal im Jahr be­rät der Ar­beits­kreis Ak­ti­en­in­dex über mög­li­che Auf- und Ab­stei­ger.

Der Dax da­ge­gen hat sich – wenn auch mit zeit­wei­se her­ben Rück­schlä­gen – deut­lich nach oben ent­wi­ckelt. Bis auf den Re­kord von 13.597 Punk­ten. Wer vor 30 Jah­ren auf den In­dex ge­setzt hat, hat sei­nen Ein­satz bis heu­te fast ver­drei­zehn­facht. Pro­fi­tiert hat al­ler­dings nur ein klei­ner Teil der Deut­schen: Ak­tu­ell zählt das Deut­sche Ak­ti­en­in­sti­tut rund zehn Mil­lio­nen Ak­tio­nä­re - nicht ein­mal 16 Pro­zent der Bun­des­bür­ger ab 14 Jah­re.

An­le­gern ver­spre­chen Ex­per­ten mit dem Dax aber wei­ter Freu­de. Mit­te 2019 er­war­ten et­li­che mehr als 14.000 Zäh­ler. Ganz mu­ti­ge Ana­ly­sen se­hen schon 20.000 bis 2020.

Idee zum Dax ent­stand beim Spa­zier­gang ei­nes Ma­na­gers mit sei­nem Hund

Fo­to: dpa/Ste­pha­nie Pilick

Rauf und run­ter Die Deut­schen Te­le­kom leg­te un­ter ih­rem da­ma­li­gen Vor­stands­vor­sit­zen­de der Ron Sommer ei­nen star­ken Bör­sen­start hin. Eben­so ein­drück­lich war dann der Ein­bruch der Ak­tie.

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