Land­ge­richt er­laubt Ne­ga­tiv­zin­sen bei Spar­plan

Kla­ge von Ver­brau­cher­zen­tra­le ge­gen Kreis­spar­kas­se Tübingen ab­ge­wie­sen: Kei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung

Märkische Oderzeitung Eisenhüttenstadt - - Wirtschaft -

Tübingen. Ne­ga­ti­ve Zin­sen in ei­nem Ries­ter-Spar­plan zur Al­ters­vor­sor­ge sind nach An­sicht des Land­ge­richts Tübingen nicht per se un­zu­läs­sig. Zu­min­dest in dem Fall, über den das Ge­richt am Frei­tag ent­schied, konn­te es kei­ne „un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung von Ver­brau­chern“er­ken­nen. Die Ver­brau­cher­zen­tra­le Ba­den-Würt­tem­berg hat­te ge­gen die Kreis­spar­kas­se Tübingen ge­klagt, weil die­se in ih­rem Spar­plan „Vor­sor­gePlus“ei­nen zu­ge­sag­ten po­si­ti­ven Staf­fel­zins mit dem ak­tu­ell ne­ga­ti­ven va­ria­blen Zins ver­rech­net hat­te. Die Ver­brau­cher­schüt­zer hal­ten das für un­recht­mä­ßig. Aus ih­rer Sicht sind die Ver­trä­ge so zu ver­ste­hen, dass kei­ner der bei­den Zin­sen ne­ga­tiv wer­den kann.

Das Ge­richt ur­teil­te aber im Sin­ne der Spar­kas­se und ar­gu­men­tier­te, der zu­sätz­lich ge­währ­te Bo­nus­zins ha­be ver­hin­dert, dass Kun­den für ih­re Spar­ver­trä­ge zah­len muss­ten. So­mit sei­en sie auch nicht un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­ligt wor­den.

Auch ei­ne Un­ter­las­sungs­kla­ge, mit der die Ver­brau­cher­zen­tra­le ge­gen ei­nen Preis­aus­hang der Spar­kas­se vor­ge­hen woll­te, in dem ne­ga­ti­ve Zin­sen auf­ge­führt wur­den, wies das Ge­richt ab. Der Aus­hang sei le­dig­lich als In­for­ma­ti­on der Kun­den an­zu­se­hen. Die Spar­kas­se le­ge da­mit die Zin­sen nicht selbst fest. Das Ur­teil ist noch nicht rechts­kräf­tig.

„Wir kön­nen die Ent­schei­dung nicht nach­voll­zie­hen“, sag­te Ver­brau­cher­schüt­zer Niels Nau­hau­ser und kün­dig­te an, wei­ter ge­gen sol­che Fäl­le vor­zu­ge­hen. Das Ur­teil las­se die Mög­lich­keit of­fen, dass der Ge­samt­zins in sol­chen Ver­trä­gen ne­ga­tiv wer­de – und es sei frag­lich, was dann pas­sie­re.

Ex­per­ten zu­fol­ge ist der Tü­bin­ger Fall bis­her ein Ein­zel­fall. Al­ler­dings ist er be­son­ders pi­kant, sor­gen doch et­wa 16 Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land staat­lich ge­för­dert per Ries­ter-Ver­trag fürs Al­ter vor – und ver­las­sen sich auf die ver­ein­bar­ten Kon­di­tio­nen. Nach Ein­schät­zung von „Fi­nanz­test“hät­ten „auch vie­le an­de­re An­bie­ter von Bank­spar­plä­nen rech­ne­risch die Mög­lich­keit, Mi­nus-Zin­sen aus­zu­wei­sen“. Denn in der Re­gel sei­en Ries­ter-Bank­spar­plä­ne von Ge­nos­sen­schafts­ban­ken und Spar­kas­sen mit ei­nem fes­ten Ab­schlag auf ei­nen Re­fe­renz­zins kal­ku­liert. Doch weil die an­hal­ten­de Nied­rig­zins­pha­se die Re­fe­renz­zin­sen nach un­ten drückt, kom­men An­bie­ter in Schwie­rig­kei­ten, ihr Zins­ver­spre­chen zu hal­ten. Mi­nus­zin­sen sind längst kein Ta­bu mehr. Vor al­lem trifft es Fir­men­kun­den und Pro­fi­an­le­ger wie Ver­si­che­run­gen und Pen­si­ons­fonds. Die Bran­che scheu­te aber da­vor zu­rück, Pri­vat­kun­den in gro­ßem Stil mit Ne­ga­tiv­zin­sen zu be­las­ten. (Az.: 4 O 220/17). (dpa)

16 Mil­lio­nen Deut­sche sor­gen mit Hil­fe von Ries­ter­ver­trä­gen für das Al­ter vor

Fo­to: dpa/Se­bas­ti­an Goll­now

Rich­ter sind an­de­rer Mei­nung: Nach An­sicht der Ver­brau­cher­zen­tra­le hat die Spar­kas­se Tübingen un­zu­läs­si­ger­wei­se in ih­rem Ries­terBank­spar­plan Ne­ga­tiv­zin­sen aus­ge­wie­sen.

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